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Führung in Alt Wallmoden

GZ Plus IconRundgang durch die Gutshof-Geschichte erntet riesige Resonanz

Das Interesse an der Führung übertrifft alle Erwartungen.

Das Interesse an der Führung übertrifft alle Erwartungen. Foto: Leifeld

Als erste Veranstaltung lädt der neu gegründete Verein „Dorfgemeinschaft Alt Wallmoden“ zu einer Führung auf dem Gutshof ein. Die Resonanz ist überwältigend. Gutsherr Friedrich von Wallmoden plaudert aus der Vergangenheit und stellt sich der Zukunft.

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Von Andrea Leifeld
Sonntag, 25.05.2025, 04:00 Uhr

Alt Wallmoden. Die Geschichte des Gutshofes begeistert – und das weit über die Grenzen der kleinen Ortschaft hinaus. Das mussten einmal mehr die Macher des neu gegründeten Vereines „Dorfgemeinschaft Alt Wallmoden“ feststellen, die am Donnerstagabend zu einer Führung über das historische Anwesen einluden. Gerne hatte sich Friedrich von Wallmoden, Gutsherr in 23. Generation, zu einem informativen Rundgang bereit erklärt, ohne diese Besuchermasse erahnen zu können. „Wir hatten 78 Voranmeldungen, auch aus dem Umland, aus Goslar, Upen, Bodenstein, Lutter und Langelsheim“, staunt Mirko Thoma, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Alt Wallmoden, beim Blick auf die herbei strömenden Besucherscharen. Auch weitere Gäste hatten sich nicht angemeldet und stießen zur Führung an jenem sonnigen Maiabend kurzfristig hinzu. „Das ist eine beeindruckende Resonanz“, freut er sich über das gute Gelingen.

1000-jährige Gutsgeschichte

Der Gutshof selbst, das Herzstück der kleinen Ortschaft Alt Wallmoden, die bereits 2016 ihr 1000-jähriges Bestehen feierte, ist ein Ort voller Geschichte und Geschichten, die Gutsherr Friedrich von Wallmoden binnen eines zweistündigen Rundgangs munter verpackte ohne dabei die Zukunft des Gutshofes, auch als landwirtschaftlichen Betrieb, auszusparen.

Mirko Thoma, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Alt Wallmoden.

Mirko Thoma, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Alt Wallmoden. Foto: Leifeld

„Wir arbeiten heute noch in den Flächen der Flurbereinigung im Jahre 1870“, verkürzte er die Zeitreise durch 1000 Jahre dann aber doch deutlich, mit einem Lob an seine Vorfahren und damaligen Protagonisten jenes aufwändigen landwirtschaftlichen Verfahrens. In vielen Orten musste bei der Frage um die Bodenpunkte und Flächenzusammenlegungen seither immer mal wieder nachgebessert werden. In der Gemarkung Alt Wallmoden nicht. 320 Hektar landwirtschaftliche Fläche gehören zum Gutshof und dort beginnt die Krux: Denn der Betrieb, der einst, bis in die 1950er Jahre, noch 100 Arbeiter beschäftigte, wird heute vom Gutsherren, einem Mitarbeiter und einem Azubi gemanagt. „1990 haben wir die Arbeit mit zwölf Stunden pro Hektar im Jahr gerechnet. Heute sind es fünf bis sechs Stunden“, verdeutlicht Wallmoden den enormen Kostendruck in der Landwirtschaft. „Würden hier vier bis fünf Mitarbeiter beschäftigt sein, bei den heutigen Lohnkosten, dann wäre hier Schluss und das Licht würde ausgehen.“ Angebaut werden derzeit Zuckerrüben, Raps, Brot- und Futterweizen und ebensolche Gerste. „Vielleicht bauen wir irgendwann ja mal Braugerste an. Ich habe mir sagen lassen, in Alt Wallmoden würde gerne auch mal ein Bier getrunken …“, erzählt der Gutsherr und lacht. Unterkriegen lässt er sich von den Veränderungen jedenfalls nicht.

Auch die im Jahre 1688 erbaute Scheune steht noch.

Auch die im Jahre 1688 erbaute Scheune steht noch. Foto: Leifeld

Der Wandel in der Landwirtschaft war in den vergangenen Jahrzehnten einschneidend und extrem: In den 1950er Jahren mussten die Ackerpferde das Gut verlassen und den damals modernen Traktoren weichen. „Es war eine so unglaublich schwere Arbeit, mit Pferden ein Feld zu pflügen, das kann sich heute keiner mehr vorstellen. Das war schon damals nicht mehr wirtschaftlich“, erinnert er. 20 Gespanne, alles belgische Kaltblüter, standen damals auf dem Gut. Die Ära der 75 Milchkühe endete 1968 – ebenso aus wirtschaftlichen Gründen. Auch die stattliche Herde der Merino-Schafe ging den gleichen Weg. „Da wird dem Verbraucher erzählt, Lammfleisch aus Neuseeland sei besser. Was soll ich da noch sagen …“. Auch eine Gärtnerei und einen Gemüsegarten hatte es einst gegeben, die die Gutsbewohner und den Ort mit frischem Gemüse und Obst versorgten. Alles weg.

Wichtig für das Überleben des einst so stattlichen Gutshofe war es seither, neue Wege zu finden: Alle Gebäude werden heute anders genutzt. Im ehemaligen Schafstall stehen die Schlepper. Im alten Kuhstall ist ein Künstler untergekommen. Im Torhaus leben eine Malerin und eine Bildhauerin. Insgesamt 18 Wohneinheiten sind fremd vermietet. Und auch für seine Mieter beschreitet der Gutsherr neue Wege: „Seit vergangenem Herbst heizen wir alle Wohnungen mit einem eigenen Nahwärmenetz“, hält er fest.

Ideen für die Zukunft

Holzhackschnitzel aus dem eigenen, zum Gutshof gehörenden Wald, dienen als Brennmaterial. „Wir werden zirka 300 Festmeter Holz pro Jahr benötigen“, erwähnt er eine durchaus stattliche Menge. Ein Problem sei das nicht, denn der besagte Wald umfasst 380 Hektar. Doch Wohlstand und Reichtum bringe er nicht, denn auch die Waldwirtschaft leide unter wechselnden Wetterextremen, Schädlingen, Preisverfall und hohen Lohnkosten. Da sei es sinnvoll, nachhaltig und CO₂-neutral, das eigene Holz in der eigenen Heizung zu nutzen, so von Wallmoden.

Der Gang über das Gut bietet unglaublich viele stimmungsvolle Ansichten. Hier ging es einst zur ehemaligen Gärtnerei.

Der Gang über das Gut bietet unglaublich viele stimmungsvolle Ansichten. Hier ging es einst zur ehemaligen Gärtnerei. Foto: Leifeld

Weitere Führungen, zu technischen Fragen auf dem Gutshof oder dem Wallmodener Wald als eigenes Thema sollen durch den Dorfverein im kommenden Jahr angeboten werden. Die nächste Veranstaltung wird ein gemeinsames Dorffrühstück am Sonntag, 15. Juni, vor dem Dorfgemeinschaftshaus sein. Beginn ist um 11 Uhr. Willige Frühstücksschmauser werden um eine verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 1. Juni, bei Mirko Thoma gebeten.

Nutz - und Arbeitstiere gibt es heute auf dem Gut nicht mehr. Die ehemaligen Stallungen werden anders genutzt. Hier standen früher die Schafe.

Nutz - und Arbeitstiere gibt es heute auf dem Gut nicht mehr. Die ehemaligen Stallungen werden anders genutzt. Hier standen früher die Schafe. Foto: Leifeld

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