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Streit um Wolfshäger Festhalle

GZ Plus Icon„Da stecken Schweiß, Emotionen und Herzblut drin“

„Herzlich willkommen“ soll es auch weiterhin in der Wolfshäger Festhalle heißen.

„Herzlich willkommen“ soll es auch weiterhin in der Wolfshäger Festhalle heißen. Foto: Leifeld

Die Emotionen im beschaulichen Wolfshagen schlagen hohe Wellen. Nach Anwohnerbeschwerden wegen „Lärms“ müssen Veranstaltungen abgesagt werden. Nun legt der ehemalige Schützen-Vorsitzende Rolf Pahl alte Verträge vor. Was wurde einst festgelegt?

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Von Andrea Leifeld
Montag, 03.02.2025, 12:00 Uhr

Wolfshagen. Es ist eine Situation, die Emotionen bei vielen Bürgern hochkochen lässt, nicht nur im bis dahin immer friedlichen Wolfshagen im Harz, sondern auch weit darüber hinaus. Auch aus vielen Orten im Landkreis bekunden Bürger ihren Unmut, dass Anwohner mit „Veranstaltungslärm“ gegen die dortige Wolfshäger Festhalle wettern und (Traditions-)Veranstaltungen für 2025 von der Schützengesellschaft als Betreiber bis auf Weiteres abgesagt werden müssen, um bis zur Klärung der Gesetzeslage den Ärger nicht noch weiter anzufeuern.

Viele Emotionen

„Da stecken so viele Emotionen drin“, wandte sich nun Rolf Pahl an die Goslarsche Zeitung. Der 86-Jährige zeigt sich von dem, für ihn unerklärlichen Ärger in hohem Maße berührt. Von 1976 bis 1989 führte er die Geschicke der Schützengesellschaft Wolfshagen als 1. Vorsitzender und war folglich auch 1981 in die Verhandlungen und Bauplanungen der heute bestehenden Festhalle eingebunden. Nicht alle Fakten sind allen Protagonisten des gegenwärtigen Ärgers bekannt – das wiederum ärgert ihn sehr:

Rolf Pahl (86) war 1981 der 1. Vorsitzende des Schützengesellschaft Wolfshagen und in die Pläne und Vereinbarungen zum Bau der Festhalle maßgeblich mit eingebunden.

Rolf Pahl (86) war 1981 der 1. Vorsitzende des Schützengesellschaft Wolfshagen und in die Pläne und Vereinbarungen zum Bau der Festhalle maßgeblich mit eingebunden. Foto: Leifeld

„Es wurde damals in dem Vertrag eindeutig festgeschrieben, dass sich alle Beteiligten einig sind, das erweiterte Schützenhaus vorrangig und für Veranstaltungen und Anlässe aller Art zur Verfügung zu stellen.“ Die genannten „Beteiligten“ waren damals er als 1. Vorsitzender der Schützengesellschaft, Stadtdirektor Hans Bremer und Rudolf Michels als Bürgermeister der Stadt Langelsheim. Am 22. September 1981 wurde der Vertrag gemeinsam unterzeichnet, von dem Pahl ein Original vorliegen hat.

„Jeder in Wolfshagen fühlt sich irgendwie mit der Schützenhalle verbunden – durch viele Feste und schöne Erinnerungen“, sagt seine Gattin Brigitte Pahl. Wie jetzt plötzlich der Ärger entstehen konnte, sei auch ihr ein Rätsel. „Die Anwohner leben da schon seit Jahren und wussten, dass dort eine Festhalle steht, als sie ihr Haus kauften.“ Warum die Gesetzeslage dort nicht eindeutiger zum Schutz der Festhalle greift, sie gar einen Bestandsschutz genieße, ist der 75-Jährigen ein Rätsel.

Das Herzblut der Bürger

In dem Gebäude steckt das Herzblut der Bürger – und ihr Schweiß. „Der finanzielle Anteil der Schützengesellschaft wurde damals mit 250.000 DM festgelegt“, wendet sich Rolf Pahl wieder dem vorliegenden Vertrag zu. „Die heutige Festhalle ist quasi ein Anbau an das Altgebäude aus dem Jahre 1912. Das Stemmen des finanziellen Parts gelang uns Schützen vornehmlich durch Eigenleistungen: mit Muskel- und Maschinenkraft.“

Rolf Pahl erinnert sich noch genau: Um den Anbau mit einem Keller errichten zu können, waren auf dem harten Schieferboden Sprengungen erforderlich, die durch die Arbeiter des Diabas-Steinbruches ausgeführt wurden. 49 Bohrlöcher waren erforderlich. Der Steinbruchbetreiber stellte auch die Lkw für den Abtransport des Gesteins zur Verfügung. Vorgänge, die heute skurril erscheinen, waren damals möglich. Das alles schweißte den Ort zusammen, betont Pahl. Auch den Innenausbau des Rohbau-Gebäudes stemmten die Schützen. Fast 400 Mitglieder zählte damals der Verein. Unvergessen blieb der Moment, als 1982 das erste Schützenfest in der nagelneuen Festhalle gefeiert werden konnte.

Nie habe es Ärger wegen Lärm gegeben, hält das Ehepaar fest: „Jeder sieht die Wolfshäger Festhalle als wichtiges Kleinod für den Ort. Ihre Beliebtheit erstreckt sich weit über Wolfshagen hinaus. 500 Gäste finden bei einer Bestuhlung Platz. Aber der Saal ist auch teilbar. Es gibt eine Küche, Theke und auf Wunsch Catering. Wo findet man das noch?“, fasst Rolf Pahl zusammen. 2025 blicken die Schützen auf ihr 150-jähriges Festjahr. Ohne Festhalle wäre es sicher ein Desaster.

Ende Januar feierten und sangen die Wolfshäger Senioren in der Festhalle. Vorerst war es die letzte Veranstaltung. Anwohner fühlen sich durch „Lärm“ belästigt.

Ende Januar feierten und sangen die Wolfshäger Senioren in der Festhalle. Vorerst war es die letzte Veranstaltung. Anwohner fühlen sich durch „Lärm“ belästigt. Foto: Privat

Als stellvertretende Ortsbürgermeisterin erinnert sich auch Frauke Wagner an viele schöne Veranstaltungen. Erst Ende Januar waren mehr als 100 Senioren auf Einladung des Ortsrates für gemütliche zwei Stunden bei Kaffee und Kuchen in der Festhalle zusammengekommen. Nach der Begrüßung durch Ortsbürgermeister Burkhard Pahl unterhielt das Duo Sabine Gerbrich und Klaus Wiens. Zeitweise wurde die muntere Veranstaltung durch Mitglieder des Köhlerchors bereichert. Auch die Senioren stimmten hier und da in die Harzer Volkslieder und vielen bekannten Melodien ein. „Es war für alle ein sehr schöner, wichtiger und unterhaltsamer Nachmittag“, resümiert Wagner. Nun bangt nicht nur sie, dass dies vielleicht die letzte Veranstaltung in der Wolfshäger Festhalle gewesen sein könnte.

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