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Einwohnerstatistik für 2024

GZ Plus IconImmer weniger Geburten: Gehen Bad Harzburg bald die Kinder aus?

Wenn die Geburtenzahlen fallen, wirkt sich das in einigen Jahren auch auf die Einschulungen (hier ein Archivbild aus der Gerhart-Hauptmann-Grundschule) aus.

Wenn die Geburtenzahlen fallen, wirkt sich das in einigen Jahren auch auf die Einschulungen (hier ein Archivbild aus der Gerhart-Hauptmann-Grundschule) aus. Foto: Schlegel/GZ-Archiv

Der Bürgermeister hat jetzt die Einwohnerstatistik 2024 vorgelegt. Bemerkenswert dabei: Die Zahl der Geburten ist auf den niedrigsten Stand seit 2012 gefallen. Was bedeutet das beispielsweise für die Schulen? Und was steht noch in der Statistik?

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Von Holger Schlegel
Mittwoch, 22.01.2025, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Erneut hat Bad Harzburg in der Gesamtbilanz einen Einwohnerschwund zu beklagen, allerdings liegt er mit einem Minus von 222 im Jahr 2024 ein wenig unter dem von 2023. Vor Jahresfrist war die Einwohnerzahl um 287 gesunken. Per Stichtag 31. Dezember 2024 leben 22.349 Menschen mit einem Hauptwohnsitz (21.262) oder Nebenwohnsitz (1087) in der Kurstadt. Für den Bürgermeister, der die Einwohnerstatistik jetzt vorlegte, kein Grund zur Beunruhigung. Aber es müssen weiter neue Einwohner gewonnen werden.

Die vier Faktoren

Vier Faktoren beeinflussen das Zahlenwerk: die Geburten, die Sterbefälle, die Zuzüge und die Fortzüge. Bei Geburten und Sterbefällen ist Bad Harzburg traditionell weit davon entfernt, Zuwächse zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr standen 428 Sterbefällen nur 104 Geburten gegenüber. Die niedrigste Geburtenzahl seit 2012, sagt der Bürgermeister. Zum Vergleich: Noch vor drei Jahren lagen die Geburtenzahlen stets bei 130 bis 150 Babys pro Jahr. Als Grund für den Rückgang vermutet Abrahms die schwierige wirtschaftliche Lage auch nach der Corona-Pandemie. Zumindest setzt dort der Knick nach unten ein.

Weniger Abc-Schützen

Und bei den Geburtenzahlen macht das Stadtoberhaupt noch eine andere Rechnung auf, die für Bad Harzburg durchaus eine Herausforderung werden könnte: Wenn die 104 Babys des Jahres 2024 in ein paar Jahren eingeschult werden, füllen sie nur fünf erste Klassen – in vier Bad Harzburger Grundschulen. Natürlich werden womöglich noch einige Abc-Schützen durch Zuzüge hinzukommen, doch an der Gesamtsituation dürfte das nicht viel ändern. Wie gesagt: Für die Stadt als Träger der Grundschulen „eine Herausforderung“, mehr möchte der Bürgermeister nicht prognostizieren.

Hohe Altersstruktur

Auch aufgrund seiner hohen Altersstruktur (rund 7000 Menschen sind älter als 65) wird Bad Harzburg also noch auf absehbare Zeit einen gewaltigen Sterbeüberschuss verzeichnen. Die Einwohnerzahlen können nur durch Zuzüge gehalten werden. Und da hat sich laut der Daten aus dem Einwohnermeldeamt der Trend der „Wanderungsgewinne“ auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. 1313 Menschen zogen nach Bad Harzburg, 1092 zogen weg. Ein Überschuss von 221. Der Ruf Bad Harzburgs als attraktiver Wohnort sei ungebrochen, so der Bürgermeister. „Bauen, wohnen, der Glühwein und das Parken – alles ist hier günstiger.“ Woher die Menschen kommen, die nach Bad Harzburg ziehen, kann der Bürgermeister nur grob umreißen. Nach wie vor aus Berlin, dann aber Ältere, und auch aus dem norddeutschen „Vorfeld“. Das sind dann die Menschen, die zum Beispiel in Braunschweig arbeiten und in Bad Harzburg wohnen.
Die Baugebiete im Kirchenfeld (hier ein Bild aus dem Jahr 2021) sorgen seit Jahren für Wanderungsgewinne und stützen die Einwohnerzahlen.

Die Baugebiete im Kirchenfeld (hier ein Bild aus dem Jahr 2021) sorgen seit Jahren für Wanderungsgewinne und stützen die Einwohnerzahlen. Foto: Exner (GZ-Archiv)

In den Westeröder Neubaugebieten jedenfalls haben sich nach den Erfahrungen des Bürgermeisters überwiegend Auswärtige angesiedelt. Und diese Strategie, also das Werben um Neubürger im Alter von 30 und von 60, werde auch weiter gefahren, so Abrahms.

Derweil sinkt allerdings die Zahl der Nebenwohnsitze von 1218 im Jahr 2023 auf 1087 im vergangenen Jahr. Ein Trend, der ebenfalls schon seit Jahren zu beobachten ist. Womöglich spielen auch hier wirtschaftliche Gründe eine Rolle.

Weniger Geld in der Kasse

Aber was bedeuten denn nun eigentlich diese ganzen Zahlen für Bad Harzburg? Speziell die Gesamtzahl der Einwohner? In erster Linie Geld. „Die Einwohnerzahl ist die Messzahl für die Stadtkasse“, sagt Ralf Abrahms. Stichworte sind Schlüsselzuweisungen oder auch der Anteil an der Einkommenssteuer. Umso mehr ärgert sich der Bürgermeister, dass die Daten des Statistischen Bundesamts, per sogenanntem Mikrozensus ermittelt, um zehn Prozent unter denen aus dem Rathaus liegen. „Das kostet uns Millionen“, denn einige Berechnungen werden auch auf Basis dieser niedrigeren Zahlen angestellt.

Konstanter Rückgang

Die Stadt indes arbeitet mit ihren Erhebungen, beispielsweise demnächst bei der Bundestagswahl. Und anhand dieser Zahlen wird auch deutlich, wie konstant Bad Harzburg in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft ist. Trotz der vielen Zuzüge in die Neubaugebiete. 1990, kurz nach der Grenzöffnung, lag allein die Zahl der Menschen mit Hauptwohnsitz bei rund 24.000, plus der Zweitwohnungsbesitzer waren es 26.000. Der Trend nach unten setzte dann in den 2000er-Jahren ein, wenngleich zwischenzeitlich (2015 bis 2017) sogar wieder zugelegt werden konnte. Um 129 Einwohner beispielsweise im Jahr 2016. Dennoch: Bad Harzburg schrumpft. Langsam zwar, aber konstant. Und deshalb bleibe die Daueraufgabe nach Ansicht des Bürgermeisters, Neubürger zu gewinnen. Und „eventuell müssten wir die Dosis der Bemühungen noch erhöhen“.

DIE EINWOHNERSTATISTIK IN ZAHLEN

21.262 Menschen leben mit Hauptwohnsitz in Bad Harzburg (Stichtag 31. Dezember 2024). Das sind 91 weniger als im Vorjahr (21.353).

1087 „gelegentliche Einwohner“ mit einer Zweitwohnung gibt es zusätzlich (-131 im Vergleich zum Vorjahr).

22.349 ist damit die Gesamtzahl der Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz (-222).

9414 Menschen leben mit Hauptwohnsitz in der Kernstadt (-39).

378 leben in Bettingerode (-2).

5014 leben in Bündheim (-17).

135 leben in Eckertal (-2).

820 leben in Göttingerode (+32).

2848 leben in Harlingerode (-34).

1507 leben in Schlewecke (-26).

1184 leben in Westerode (-1).

1313 Menschen sind im vergangenen Jahr nach Bad Harzburg gezogen. Das sind 35 mehr als im Jahr zuvor.

1092 Menschen sind aus Bad Harzburg weggezogen (+80).

221 Menschen machen den sogenannten „Wanderungsgewinn“ aus, also die Zuzüge im Verhältnis zu den Wegzügen.

104 Geburten verzeichnet die Statistik für das Jahr 2024 (-12 im Vergleich zum Vorjahr).

428 Sterbefälle stehen dem gegenüber (-42).

-324 beträgt der sogenannte „Sterbeüberschuss“, also das Verhältnis Geburten zu Sterbefällen.

3967 Bad Harzburger sind älter als 75, das ist die größte Altersgruppe. Gefolgt von 3137 65- bis 75-Jährigen. Zusammen sind das 7104 Menschen, gut ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl.

2778 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren gibt es in Bad Harzburg.

11.380 Menschen sind zwischen 18 und 65 Jahren alt.

1771 Einwohner sind Ausländer (-51).

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