Dachmarke für Braunlage: Emotionen kochen hoch
Mit gleich drei Dachmarken wird die Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellschaft auf Bussen in Hamburg für einen Urlaub im Harz. Foto: BTMG
Die geplante gemeinsame touristische Vermarktung von Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß sorgt 2025 bei Politik und Hoteliers für heftige Debatten.
Der Streit des Jahres beginnt gleich beim Neujahrsempfang des Bergstadtvereins St. Andreasberg. Die geplante Dachmarke, mit der Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß gemeinsam überregional touristisch vermarktet werden sollen, lässt die Emotionen hochkochen. Der Bergstadtverein sammelt Unterschriften gegen das Vorhaben, weil damit gerechnet wird, dass der Ort Braunlage dominiert.
Die gemeinsame Dachmarke wird zuvor mehrfach in öffentlichen Versammlungen vor allem von Braunlage Vermietern gefordert. Nachdem sich auch der Marketingbeirat einstimmig für diese Dachmarke ausgesprochen hat, beschließt der Rat Ende 2024 darüber – gegen die Stimmen der St. Andreasberger Frederik Kunze und Helmut Trübel (beide CDU).
„Dummheit hoch vier“
In einer Info-Veranstaltung im voll besetzten Café-Bistro „Spritzenhaus“ in St. Andreasberg Mitte Januar wird das Thema kontrovers diskutiert. Bürgermeister Wolfgang Langer (Bürgerliste) versucht immer wieder zu versachlichen, doch dies gelingt nicht. Es wird immer wieder laut, es gibt Buhrufe – aber auch kräftigen Beifall.
Keinen leichten Stand hat dabei der Ortssprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) für die Stadt Braunlage, Oliver Nehmert. Er meint, Braunlage habe 2011 dem hoch verschuldeten St. Andreasberg geholfen, und kann dann aber nicht mehr weiterreden, weil Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner (CDU) dem Dehoga-Ortssprecher laut „Dummheit hoch vier“ vorwirft und ihm das Wort entzieht.
Nach dieser kontroversen Sitzung liegt das Thema erst einmal monatelang auf Eis. Unter anderem wird dieses Marketinginstrument aber im Tourismuskonzept der Stadt Braunlage gefordert. Kurze Schlagwörter seien wichtig, damit die Menschen, um die geworben werden soll, sie schnell erfassen.
Die Braunlager Ortsteile mit ihren Slogans „Braunlage, das Herz im Harz“, „Bergdorf Hohegeiß“ und „Bergstadt St. Andreasberg“ könnten beispielsweise auf Bussen im Vorbeifahren von den Passanten gar nicht erkannt werden, heißt es vom Marketingbeirat, der bei dem Thema am Ball bleibt.
Kurzer knackiger Begriff
Um die Marke 2025 zu etablieren, hat der Rat mit dem Beschluss zum Marketingplan entschieden, in diesem Jahr keinen Sommernachtstraum zu veranstalten. Für das Event im Braunlager Kurpark standen sonst 25.000 Euro aus den Einnahmen des Tourismusbeitrags bereit. Nach der Info-Veranstaltung im Januar in St. Andreasberg ist die Dachmarke bis Mitte August erst einmal kein Thema mehr, doch dann greift der Aufsichtsrat der Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellschaft (BTMG) sie wieder auf, weil sich sowohl die Hoteliers als auch die Mitglieder des Marketingbeirats kurze knackige Begriffe wünschen, die von den Urlaubern sofort erfasst werden, und nennen Kitzbühel als Beispiel.
Laut BTMG-Geschäftsführerin Cathleen Hensel wird jetzt erst einmal geprüft, welche Agentur diese gemeinsame Dachmarke entwickeln soll. Mit dem Ergebnis wird 2026 gerechnet.
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