Plosteiner: Keine Dachmarke ohne die Ortsteile
Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner lobt beim Neujahrsempfang den Umbau des ehemaligen Feuerwehrhauses in der Schützenstraße zum Café-Bistro "Spritzenhaus" mit Postfiliale und Regionalladen. Foto: Jung
Das Thema Dachmarke beschäftigte auch die Redner und Besucher des offiziellen Neujahrsempfang der Bergstadt in St. Andreasberg. Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner machte dabei klar, dass es eine Dachmarke ohne die Ortsteile nicht geben werde.
St. Andreasberg. Die geplante gemeinsame Dachmarke, unter der Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß gemeinsam vermarktet werden sollen, sorgt weiter für Diskussionen. Auch beim offiziellen Neujahrsempfang der Bergstadt St. Andreasberg von Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner (CDU) am Samstag in der Rathausscheune war das Thema. Am Montag, 20. Januar, soll es nun um 18 Uhr im Café-Bistro „Spritzenhaus“ eine Informationsveranstaltung zur Dachmarke geben, kündigt Bürgermeister Wolfgang Langer (Bürgerliste) an.
Im Dezember hatte der Rat der Stadt Braunlage gegen die Stimmen von Frederik Kunze und Helmut Trübel (beide CDU-Fraktion) beschlossen, diese Dachmarke zu entwickeln und dafür 45.000 Euro aus dem Marketingplan zu verwenden, der insgesamt ein Volumen von 335.000 Euro aufweist. Wie diese neue Dachmarke aussieht, steht noch nicht fest. Sie soll kurz und einprägsam sein, sodass der Werbeslogan auch im Vorbeifahren erfasst wird, wenn er beispielsweise auf Bussen aufgedruckt ist oder bei der immer stärker zunehmenden Online-Werbung genutzt wird.
Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner bezeichnet den Inhalt der Petition gegen eine gemeinsame Dachmarke als "dummes Zeug". Foto: Jung
Der Bergstadtverein hatte bei seinem Neujahresempfang eine Woche zuvor bereits eine Petition gegen diese gemeinsame Dachmarke verabschiedet, unter anderem, weil es als wahrscheinlich gilt, dass nur der Begriff Braunlage vorkommt, und St. Andreasberg und Hohegeiß nicht genannt werden. Der Verein ist nun dabei, in beiden Ortsteilen Unterschriften gegen die gemeinsame Ortsmarke zu sammeln.
3,5 Millionen Euro geplant
Das sorgte am Samstag beim Neujahrsempfang bei Bürgermeister Langer und Ortsvorsteher Plosteiner für Unverständnis und Verärgerung. „Dass der amtierende Vorsitzende des Bergstadtvereins, Andreas Schröder, das Thema angesprochen hat, weil er von vielen Mitgliedern seines Vereins gebeten wurde, dies zu tun, ist eine gute Sache und auch legitim“, sagte der Ortsvorsteher.
Plosteiner ärgerte sich jedoch sichtlich über den Leserbrief des langjährigen Vorsitzenden des Bergstadtvereins, Hans Bahn. „Er hätte sich vorher erkundigen müssen, bevor er so ein dummes Zeug veröffentlicht“, meinte er. Der Ortsvorsteher versicherte, mit ihm werde es keine Dachmarke nur unter dem Begriff Braunlage ohne Nennung der Ortsteile St. Andreasberg und Hohegeiß geben.
Doch Karl-Heinz Plosteiner hatte zum Neujahrsempfang in die Rathausscheune eingeladen, um über die Lage allgemein zu informieren. Im Rückblick berichtete er über Investitionen von rund 1,5 Millionen Euro und für dieses Jahr über Vorhaben von 3,5 Millionen Euro. Sorgen bereiten leerstehende Gebäude, die in einem sehr schlechten Zustand seien. Erfolge gebe es aber auch, wie beispielsweise der Alte Bahnhof oder das ehemalige Feuerwehrhaus.
Für die musikalische Unterhaltung beim offiziellen Neujahrsempfang der Bergstadt sorgt die Brauchtumsgruppe des Barkamts Annerschbarrich im Heimatbund Ewerharz. Foto: Jung
Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner nutzte den Neujahrsempfang vor allem, um vor den St. Andreasbergern in der voll besetzten Rathausscheune Revue zu passieren, was sich alles in der Bergstadt tut. Der größte Posten an Investitionen in 2024 war die Erneuerung des Kunstrades in der Grube Samson mit 540.000 Euro. Neupflanzungen von Bäumen, Sanierung der Gehwege an der Katharina-Neufang-Straße, Instandsetzung Pochwerk an der Erzwäsche bis hin zur umstrittenen Planungsleistung an der Brücke am Schwalbenherd gehörten ebenfalls dazu.
„Alle Investitionen konnten nur erfolgen, weil die Stadt Fördermittel von unterschiedlichen Stellen bekommen hat“, berichtete Plosteiner. Weiter hätten die Stätischen Betriebe Braunlage (SBB) in St. Andreasberg 280.000 Euro investiert. Dazu gehörte unter anderem die Ersatzbeschaffung des 20 Jahre alten Traktors von 180.000 Euro und die Anschaffung eines Salzsilos für 40.000 Euro.
Mehr für den Kurbetrieb
Und in diesem Jahr seien weitere Investitionen geplant. Dazu gehören Straßeninstandsetzungen, Sanierungen, der barrierefreie Umbau von Bushaltestellen, die Arbeiten am Bergwerksmuseum Grube Samson und vieles mehr. „Kopfschmerzen bereiten mir die leerstehenden Gebäude im Ort“, sagte der Ortsvorsteher, der als Beispiel das ehemalige Hotel „Tannhäuser“ nannte, das mittlerweile ein Schandfleck sei. „Dabei gibt es Interessenten und großartige Ideen. Leider ist der Eigentümer nicht bereit, das Gebäude zu veräußern.“ Bei anderen Gebäuden sei es schwer, die Besitzer ausfindig zu machen.
„Nach der Erhöhung des Tourismusbeitrags auf 3 Euro müssen wir für den Kurbetrieb in St. Andreasberg mehr tun“, führte Karl-Heinz Plosteiner weiter aus. „Es kann nicht sein, dass wir als Infrastruktur nur die Eishalle, das Hallenbad und die Kletterhalle in Braunlage sowie ein Freibad für mehrere Millionen Euro in Hohegeiß vorhalten, und in St. Andreasberg ist nichts“, sagte er unter dem Beifall des Publikums. „Die St. Andreasberger Ratsmitglieder werden nächste Woche einen Antrag zum Bau einer Multifunktionshalle in der ehemaligen katholischen Kirche stellen“, kündigte er an.
Und weiter: Dass keine Silvesterparty mehr in St. Andreasberg stattfindet, nannte Plosteiner ein weiteres „Ding der Unmöglichkeit“. Auf Nachfrage der Gäste könne die Antwort der Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellschaft nicht lauten „Sie können doch nach Braunlage fahren.“ Bürgermeister Langer versicherte, dass dieses Jahr wieder eine Party in St. Andreasberg veranstaltet werde.
Besonders erfolgreich seien der Umbau des alten Bahnhofs und des alten Feuerwehrhauses. Für das seit zwei Jahren leerstehende Berghotel „Am Gesehr“ gebe es einen Interessenten. Bürgermeister Langer gab zusätzlich bekannt, dass auf dem Gelände der ehemaligen „Kieler Hütte“ Bauarbeiten geplant sind. Diese sollen 150 Gästebetten schaffen, auch verfolge er die Entwicklung am leerstehenden Internationalen Haus. Die Firma Meyerbau hat an der Rolle einen Wohnkomplex erstellt, der jetzt vermarktet werden könne.