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Neue Vorwürfe gegen Kokain-Spediteur

GZ Plus IconJonas H. aus Liebenburg: Verdacht wegen Corona-Millionenbetrug

Während der Pandemie und den Beschränkungen für viele Unternehmer wurden Corona-Soforthilfen ausgezahlt. Ein wegen Drogenschmuggels verurteilter Speditionsunternehmer aus Liebenburg und seine Mutter stehen in Verdacht, solche Hilfen in Millionenhöhe zu Unrecht bezogen zu haben.

Während der Pandemie und den Beschränkungen für viele Unternehmer wurden Corona-Soforthilfen ausgezahlt. Ein wegen Drogenschmuggels verurteilter Speditionsunternehmer aus Liebenburg und seine Mutter stehen in Verdacht, solche Hilfen in Millionenhöhe zu Unrecht bezogen zu haben. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Während seiner Inhaftierung laufen gegen den Drogen-Spediteur Jonas H. aus Liebenburg und gegen seine Mutter Ermittlungen in anderer Sache. Beiden wird Betrug mit Corona-Hilfen in Millionenhöhe vorgeworfen.

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Von Oliver Stade
Montag, 07.04.2025, 19:45 Uhr

Liebenburg. Gegen den verurteilten und inhaftierten Drogen-Spediteur Jonas H. aus Liebenburg gibt es weitere Vorwürfe. Gegen den 40-Jährigen und seine 56 Jahre alte Mutter laufen Ermittlungen, weil sie den Staat um Corona-Hilfen in Millionenhöhe betrogen haben sollen. Auch wegen Insolvenzverschleppung wird ermittelt. Jonas H. muss sich zurzeit außerdem in einem Zivilverfahren verantworten.

Jonas H. und seine Mutter gehören zu einem Kreis von sechs Beschuldigten, gegen die das Landeskriminalamt Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermitteln. Wie in der Samstagausgabe berichtet, gelten Jonas H. und seine Mutter als Hauptbeschuldigte. Der 40-Jährige soll 2020 und 2021 mit weiteren Beschuldigten sogenannte KfW-Schnellkredite für fünf Unternehmen der Speditionsbranche beantragt und erhalten haben, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern.

Ermittler stellen Beweismittel in mehreren Bundesländern sicher

Laut den Ermittlern soll Jonas H. Höchstbeträge umgangen und auf diese Weise 3,5 Millionen Euro Corona-Hilfen ausgezahlt bekommen haben. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete vorige Woche, dass zudem der Verdacht bestehe, dass in den Anträgen falsche Angaben gemacht wurden und die Darlehen zweckwidrig verwendet worden seien.

Der 56-jährigen Mutter wird vorgeworfen, dass sie in Anträgen für ihr eigenes Unternehmen ebenfalls mit falschen Angaben gearbeitet und die Mittel zweckentfremdet habe. Dadurch sei ein Schaden von zwei Millionen Euro entstanden.

Bei Ermittlungen und den Durchsuchungen vor zwei Wochen in mehreren Bundesländern waren Beweismittel sichergestellt worden. Zudem wurde in Wedemark, dort war Jonas H. laut Staatsanwaltschaft vor seiner Inhaftierung gemeldet, ein Porsche Panamera beschlagnahmt, berichtet die Staatsanwaltschaft weiter.

Inhaftiert ist Jonas H. derzeit, weil er nach Auffassung des Landgerichts Hannover Kurier einer internationalen Drogenschmuggler-Bande ist, die 16 Tonnen Kokain über den Hamburger Hafen nach Deutschland schmuggeln wollte. Die sichergestellten Drogen waren der seinerzeit größte Kokainfund in Deutschland. Der Mann, der aus Othfresen stammt, wurde am 14. März 2023 in einem spektakulären Prozess zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Strafmaß später auf, weil bekannt geworden war, dass der hannoversche Staatsanwalt, der die Anklage gegen Jonas H. führte, die Kokainbande, für die Jonas H. tätig war, vor Razzien gewarnt haben soll.

Kokain-Schmuggel und mutmaßlicher Betrug mit Corona-Hilfen sind nicht die einzigen Vergehen, die dem Harzer Spediteur und vierfachen Familienvater vorgeworfen werden. Im Februar begann vor dem Landgericht Braunschweig ein Zivilverfahren, das Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren eines Speditionsunternehmens aufklären soll. Es geht um das Unternehmen MW-Eurologistik in Neubrandenburg und um den Vorwurf einer absichtlich herbeigeführten Insolvenz sowie um mutmaßlichen Versicherungsbetrug.

Weiterer Beschuldigter kommt aus dem Raum Seesen

Jonas H. ist einer der Beschuldigten in dem Zivilverfahren. Er wurde aus dem Gefängnis ins Landgericht gebracht, um an der Verhandlung teilzunehmen. Zum Kreis der Beklagten gehört ein weiterer Mann aus dem Nordharz. Der 42-Jährige aus dem Raum Seesen ist ebenfalls im Speditionsgewerbe tätig und war beruflich mit den Firmen von Jonas H. verbunden. Der ehemalige SPD-Kommunalpolitiker sieht sich aktuell dem Vorwurf ausgesetzt, im Besitz von kinderpornografischen Dateien gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat im Februar Anklage gegen den Mann erhoben. Eine Entscheidung des Amtsgerichts Seesen, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, steht aus.

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