Bahn-Brückenbau bei Ringelheim bereitet Ärger
Die Baustelle bei Ringelheim wirkt verlassen. Wann geht es dort weiter? Foto: Leifeld
Seit 2023 führt eine Umleitung durch Alt Wallmoden nach Sehlde, aber auf der Baustelle bei Ringelheim wird gar nicht gearbeitet. Was ist der Grund?
Ringelheim. „Ich bin richtig wütend. Die Bauarbeiten sind für alle eine Belastung.“ Seine Zornesröte bei diesen Worten von Stefan Burchard ist sogar noch durch das Redaktionstelefon spürbar. „Hier arbeitet keiner Hand in Hand. Das ärgert mich“, fügt der 60-jährige Alt Wallmodener an. Was war passiert?
Seit Januar 2023 schritt der Neubau der zwei Bahnbrücken, als Baustelle der Bahn AG, bewegt von vielen technischen Superlativen, voran. Die Brücke der Bahnverbindung Ringelheim-Baddeckenstedt wurde im Oktober 2023 mithilfe mehrerer Modulfahrzeuge „eingefahren“. Bei der zweiten Brücke (Ringelheim-Seesen) war das Verfahren etwas anders: Die zwei Widerlager wurden parallel zum neuen Standort gebaut und eingeschoben – und der Stahlüberbau im Juli 2024 durch einen 750-Tonnen Mobil-Kran aufgelegt. Beide Bauverfahren wurden gewählt, um die Beeinträchtigungen für Bahnreisende auf ein Minimum zu beschränken.
Aber auch die Bautätigkeiten an der L498 liegen in den Händen der Bahn, da es sich um einen Kreuzweg von Bahn und Straße handelt. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte den Wunsch bei den Planungen geäußert. In der Unterführung sollen seit langem gewünschte Fuß- und Radweg gebaut werden. Bisher glich die enge und für alle Verkehrsteilnehmer unübersichtliche Durchfahrtsbreite immer einem Nadelöhr.
Stefan Burchard wohnt direkt an der Ortsdurchfahrt in Alt Wallmoden und ist stinksauer über den Lkw-Verkehr, der durch die Brückensperrung bis aufs Unerträgliche zugenommen hat. Foto: Privat
Das Projektende war in den ersten Planungen für Ende 2024 terminiert. Doch es verzögerte sich immer wieder. Seit mehreren Monaten sind nicht einmal mehr Bauarbeiter vor Ort. „Alle, die von Ringelheim nach Sehlde wollen, müssen einen riesigen Umweg fahren“, so Burchard. Die Umleitung ist über die K67 ausgeschildert, über Alt Wallmoden und eben in jener Ortsdurchfahrt wohnt er. Ohne Fußweg brausen tagein-tagaus schwere Lkw, viele auf dem Weg zur Mühle Ringelheim, direkt an seiner Wohnung in einem denkmalgeschützten Haus vorbei.
„Ich bin dadurch schon richtig krank“, beschreibt er. Krank durch den Lärm und das deutlich erhöhte Verkehrsaufkommen im sonst eher verschlafenen Alt Wallmoden, aber mehr noch durch die – nach seiner Meinung – bewiesene Unfähigkeit der zuständigen Ingenieure. Als Betroffener hatte er schon verschiedene Gründe gehört, warum sich die Baustelle verzögert, auch ein erhöhter Grundwasserspielgel wurde genannt. „Nach zwei Jahren wird von den Ingenieuren so etwas festgestellt? In einem Gebiet im Bereich der Innerste, das schon seit 100 Jahren als Sumpfland bekannt ist? Da kann ja wohl nicht sein“, zeigt sich der 60-Jährige aufgebracht. Inzwischen habe er von einem neuen Termin zur Fertigstellung der Unterführung gehört: 2026. „Dann brauchen die drei Jahre für 300 Meter Straße?“ Der Alt Wallmodener kann es nicht fassen. „Man wird herumgereicht und bekommt nirgendwo eine klare Antwort.“
Schilderungen, die Anika Bollmeier als Bürgermeisterin der Gemeinde Sehlde (Samtgemeinde Baddeckenstedt) durchaus bestätigt. „Es geht nicht voran und man muss große Umwege fahren“, verweist sie auf die sieben Kilometer Umleitung bis Ringelheim, statt zwei Kilometer auf direktem Weg. Über die B6 zu fahren, ist für die Sehlderin keine Option. „Da führt ja die nächste Brückenbaustelle ins Chaos“, bemerkt sie sarkastisch.
Aber auch in Ringelheim geht es nicht voran. „Da passiert seit Monaten nichts.“ Auch Antworten bekam die Bürgermeisterin bislang von keiner Behörde und von niemanden. „Inzwischen stehen da nicht mal mehr das Dixi-Klo für die Bauarbeiten und alle Maschinen sind weg. So schnell geht da nichts weiter“, befürchtet sie. Von dem Grundwasser als Verzögerungsgrund der Baustelle habe auch sie gehört und zeigt sich erstaunt: „Da fliegt die Menschheit zum Mond, aber sowas ist ein Problem?“

Kurz wäre der Weg nach Ringelheim, aber lang ist der Umweg über Alt Wallmoden. Foto: Leifeld
Das Grundwasserproblem bestätigte wiederum eine Bahnsprecherin: „Während der Ausführung stellte sich heraus, dass der Grundwasserspiegel deutlich höher liegt als in der Planung angenommen – teilweise sogar oberhalb des geplanten Straßenniveaus. Das machte eine grundlegende Überarbeitung der Straßenplanung notwendig. Aktuell bereiten wir den Antrag auf eine dauerhafte Grundwasserabsenkung bei der zuständigen Unteren Wasserbehörde (UWB) vor. Dieser Antrag erfordert umfassende planerische Unterlagen und ist mit hohem Aufwand verbunden. Erst nach Genehmigung können die Bauarbeiten weitergeführt werden“, erreichte die Antwort aus Hamburg die GZ am Donnerstagmittag dann doch überraschend schnell. „Unser Ziel ist es, die Straße so früh wie möglich freizugeben. Sollte die Genehmigung der Grundwasserabsenkung und die Freigabe der Ausführungsplanung zügig erfolgen, besteht eine Chance, dass wir die Straße noch in diesem Jahr öffnen können“, so die Bahnsprecherin weiter.
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