370 Tonnen Stahlbeton müssen bewegt werden
Auf der Brückenbaustelle in Ringelheim geht es zügig voran. Foto: Andrea Leifeld
Zwei über 100 Jahre alte Eisenbahnbrücken bei Ringelheim werden durch Neubauten ersetzt. Und der Bau schreitet gut voran. Die Widerlager der zweiten Brücke wurden bereits am vergangenen Montag, noch etwas vor dem eigentlichen Plan, eingezogen.
Nordharz. Unermüdlich und vor allem auch zielstrebig schreitet sie voran: Die Bahnbaustelle bei Salzgitter-Ringelheim liegt bestens im Zeitplan. Aufgrund von Änderungen im Bauablauf konnten die Widerlager der zweiten Brücke (Salzgitter-Seesen) bereits am Montag und damit einen Tag früher als ursprünglich angekündigt eingezogen werden. Pünktlich um 11 Uhr setzte sich zu Wochenbeginn der erste Koloss aus Stahlbeton in Bewegung. Für seine rund 20 Meter lange Reise zum Endstandpunkt werde der 370-Tonnen schwere Gigant gute drei Stunden benötigen, so schätzte es Ibrahim Al Natur, Projektleiter der DB Netz AG, vor Ort.
Dann, direkt im Anschluss, wurde das zweite Widerlager auf seinen neuen Standort eingezogen. Das Einziehen selbst geschah auf einer Verschubbahn durch einen bärenstarken Hydraulikmotor. „Mit menschlicher Muskelkraft zieht hier niemand“, versicherte Al Natur scherzhaft, obwohl einige Arbeiter stählerne Führungsseile in ihren Händen hielten.
Betonbauwerk gleitet wie von Geisterhand
Wie von Geisterhand glitten die schweren Betonbauwerke gemächlich über die stählerne Verschubbahn. Nur bei einer längeren Betrachtung konnten die Fortschritte der mehrstündigen Fahrt von den Schaulustigen wahrgenommen werden. Doch externe Brücken- und Baustellenfans waren Montagmittag kaum vor Ort. Das ist im Oktober vergangenen Jahres anders gewesen, als die erste Bahnbrücke (Goslar-Baddeckenstedt) in einem spektakulären, technischen Schauspiel als komplettes Betonbauwerk auf mehrere Schwerlast-Modulfahrzeuge „Huckepack“ genommen und an den neuen Standort gefahren wurde. Das unglaubliche, technische Schauspiel hatte damals den Arbeitern und Verantwortlichen den begeisterten Applaus zahlloser Zuschauer und Baustellenfreaks beschert.
Jedes Widerlager besteht aus 370 Tonnen Stahlbeton. Foto: Andrea Leifeld
Bei beiden Bauarten wurden die neuen Brücken parallel zu den stehenden Bauwerken erreichtet, auch um den Zeitraum für Bahnreisende mit Einschränkungen und Schienenersatzverkehr möglichst gering zu halten. Während die Züge auf dem Gleisbett zwischen Goslar und Baddeckenstedt schon seit vergangenem Oktober wieder rollen, wird die Verbindung zwischen Salzgitter und Seesen seit Beginn der Sommerferien noch bis zum Freitag, 19.Juli, durch Schienenersatzverkehr bedient. Informationen darüber sind unter DB Regio „Regionalverkehr – RB 46“ einsehbar.Schienenersatzverkehr noch bis 19.JuliIn den kommenden Tagen wird das große Finale auf der Ringelheimer Brückenbaustelle der Bahn AG eingeläutet, wenn die Flügelwände der Brücke als Fertigbauteile mit einem 250-Tonnen-Autokran angeliefert und schließlich der Stahlüberbau mit einem 750 Tonnen-Mobilkran aufgelegt wird.
Kosten liegen bei 9 Millionen
Das Kostenvolumen für die beiden Baumaßnahmen bezifferte die Deutsche Bahn zum Baubeginn im Frühjahr 2023 mit rund neun Millionen Euro. Ob die Summe gehalten werden kann, dass muss sich noch zeigen. Wenn auch die Züge nach dem 19. Juli auf dem Gleisbett zwischen Salzgitter und Seesen wieder uneingeschränkt rollen, ist die Baumaßnahme der DB Netz AG noch nicht beendet. So wird es unter den Brückenbauwerken auf der Landesstraße 498 weitergehen: Durch die Fahrbahnverbreiterung unter den zwei neuen Brücken, kann in der Unterführung endlich der bereits seit langem so sehr gewünschte Fuß- und Radweg gebaut werden.

Die alte Brücke wurde 1924 gebaut. Sie war marode und wurde zum Beginn der Sommerferien abgebrochen. Foto: Andrea Leifeld
Bisher glich die enge und für alle Verkehrsteilnehmer unübersichtliche Durchfahrtsbreite immer einem Nadelöhr.
Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte den Wunsch gegenüber der Deutschen Bahn AG bei den Planungen geäußert. Bauausführender wird auch in jenem Bereich der Landesstraße die Bahn AG bleiben. „Es handelt sich um einen Kreuzweg von Bahn und Straße“, erklärt Ibrahim Al Natur. Da sei die Bauausführung eine Sache der Absprache. Bis Ende 2024 soll auch die Straße fertiggestellt sein. Bis dahin wird der Kraftverkehr weiterhin von Ringelheim über Alt Wallmoden nach Sehlde umgelenkt.