Schüsse in Mutter-Kind-Einrichtung

Suizid in der JVA: Mutmaßlicher Sechsfachmörder von Stade ist tot

Bild vom Einsatzort: Am 29. Juni tötete ein 45-Jähriger sechs Menschen mit einer Pistole in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade.

Bild vom Einsatzort: Am 29. Juni tötete ein 45-Jähriger sechs Menschen mit einer Pistole in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade. Foto: Vasel

Wenige Wochen nach dem Sechsfachmord in einer Stader Mutter-Kind-Einrichtung hat der Hauptverdächtige in der Justizvollzugsanstalt Suizid begangen.

Von Björn Vasel, Stader TAGEBLATT 21.07.2026, 14:02 Uhr

Stade. Der 45-Jährige sei in der Haft verstorben, bestätigte Staatsanwältin Julia Lüth am Dienstag dem TAGEBLATT, Schwesterzeitung der GZ. Er soll sich erhängt haben, hieß es. Die Justizvollzugsanstalt Bremervörde habe heute mitgeteilt, dass der mutmaßliche Täter „innerhalb der Anstalt verstorben ist“.

Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse handelt es sich um einen Suizid. „Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen aktuell nicht vor“, sagte der Sprecher des Niedersächsischen Justizministeriums, Simon Beschoten.

Beamte entdecken 45-Jährigen tot in seiner Zelle

Der Gefangene wurde heute um 6.05 Uhr von einem hierfür zuständigen Stationsbediensteten im Rahmen der morgendlichen Lebend- und Vollzähligkeitskontrolle in seinem Einzelhaftraum aufgefunden. Der Gefangene wies zu diesem Zeitpunkt bereits keine Körpertemperatur mehr auf.

Durch den herbeigerufenen Notarzt sei um 06.29 Uhr der „Tod des Gefangenen durch Strangulation festgestellt“ worden. Die Ermittlungen zu den konkreten Umständen des Todes seien eingeleitet worden. Diese laufen derzeit. Zwischenzeitlich seien sowohl die Angehörigen des Toten als auch die Angehörigen der Opfer in Stade informiert worden. „Die Justizvollzugsanstalt Bremervörde ist derzeit damit befasst, einen umfassenden Sofortbericht zu formulieren“, sagte Marina Stein vom Niedersächsischen Justizministerium.

Das Niedersächsische Justizministerium habe am Dienstag auch den Unterausschuss „Justizvollzug und Straffälligenhilfe“ des Landtags unterrichtet.

Sechs Menschen erschossen

Am Montag, 29. Juni, soll der Mann in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade mit einer Pistole sechs Menschen getötet haben. Der mutmaßliche Todesschütze war bereits kurz nach der Tat von der Polizei in Stade-Haddorf – nach einer Verfolgungsfahrt – auf der B73 gestoppt und festgenommen worden.

Blumen liegen nahe einem Gebäude einer Jugendeinrichtung.

Blumen liegen nahe einem Gebäude einer Jugendeinrichtung. In der Einrichtung waren mehrere Menschen durch Schüsse gestorben. Foto: Kai Moorschlatt/dpa

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Stade am Dienstag, 30. Juni, einen Haftbefehl gegen den 45-Jährigen erlassen. Der türkischstämmige Mann aus Garbsen bei Hannover saß seitdem in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: sechsfacher Mord. Mordmerkmale wie niedere Beweggründe und Heimtücke seien erfüllt, so die Staatsanwaltschaft in Stade seinerzeit.

Frauen weiter auf freiem Fuß

Die beiden Frauen, die kurzzeitig in Gewahrsam waren, sind weiterhin auf freiem Fuß. Der Grund: kein dringender Tatverdacht. Es handelt sich um die 34 Jahre alte Partnerin des Mannes und die 65 Jahre alte Fahrerin des Fluchtwagens – die Patentante des Kindes und die Schwiegermutter des niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku (SPD). Sie arbeitet beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Gleichwohl werde gegen die Frauen wegen des Vorwurfs der Beihilfe bei dem Sechsfachmord ermittelt.

Der türkische Staatsbürger war nach Stade in eine private Mutter-Kind-Einrichtung gekommen, um offene Sorgerechtsfragen zu klären. Bei dem Hilfeplan-Termin soll der Kurde sechs Menschen mit einer Pistole getötet haben. Seine Opfer arbeiteten für die Einrichtung und für das Jugendamt Hannover. Seine drei Monate alte Tochter war bereits seit Mitte Mai in Stade untergebracht – zunächst ohne die 34-jährige Mutter. Die Eltern gingen gegen den Entzug des Sorgerechts gerichtlich vor.

Gegen den Mann, der sich jetzt in der Justizvollzugsanstalt das Leben genommen hat, lag in der Türkei ein „nationaler“ Haftbefehl vor, Hintergründe zu dem Haftbefehl nannte die Staatsanwaltschaft am Montag unter Verweis auf die Ministerien nicht.

Kleine Anfrage: Welche Erkenntnisse lagen zum mutmaßlichen Täter vor?

Zwischenzeitlich hatten die CDU-Landtagsabgeordneten André Bock, Birgit Butter und Melanie Reinecke (CDU) eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Ihre Frage: Welche Erkenntnisse lagen niedersächsischen Behörden vor der Gewalttat in Stade zum mutmaßlichen Täter vor?

Im Mittelpunkt stehen unter anderem mögliche Vorstrafen und Fahndungen in der Türkei, Hinweise deutscher Behörden auf das Gefährdungspotenzial des Tatverdächtigen sowie der Informationsaustausch zwischen Polizei, Justiz, Jugend- und Ausländerbehörden.

Teilnehmer stehen bei einer Kundgebung am Hauptbahnhof wegen der Gewalttat in Stade zusammen und halten ein Pappschild mit der Aufschrift „Patriarchat entwaffnen!“.

Teilnehmer stehen bei einer Kundgebung am Hauptbahnhof wegen der Gewalttat in Stade zusammen und halten ein Pappschild mit der Aufschrift „Patriarchat entwaffnen!“. Foto: Bodo Marks/dpa

„Ziel ist es, lückenlos zu klären, welche Informationen vor der Tat vorlagen, wie sie bewertet wurden und ob Versäumnisse dazu beigetragen haben könnten, die Tat nicht zu verhindern“, so Reinecke. Die CDU-Landtagsfraktion verlange umfassende Aufklärung über mögliche Erkenntnisse niedersächsischer Behörden zum mutmaßlichen Täter der tödlichen Gewalttat in Stade.

Hilfe bei Suizidgedanken

Die Goslarsche Zeitung berichtet in der Regel nicht über Selbsttötungen, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben und um die betroffenen Angehörigen zu schützen. Außer: Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit Freunden und Familie darüber. Unterstützung bietet auch die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar unter (0800) 1110111 oder unter (0800) 1110222. Unter diesen Nummern erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Hilfe bei der Suche nach einem Therapieplatz bieten die

Kassenärztliche Vereinigung und die Patientenservice-Nummer 116 117.

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