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Kenneths Einwurf

GZ Plus IconNach den ersten 90 Minuten wissen wir mehr

Ein kleines Trainingstor mit grünem Netz auf einem schneebedeckten Feld im Freien

Schnee und Eis machen das Training im Winter nicht immer zum Vergnügen. Foto: Pixabay

In seiner Kolumne berichtet Kenneth Schuller von den Tücken, sich im Winter auf die Restsaison vorzubereiten.

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Von Kenneth Schuller
Samstag, 14.02.2026, 07:00 Uhr

Der Blick aus dem Fenster lässt es noch nicht erahnen, aber trotz des derzeitigen Schmuddelwetters ziehen die ersten Punktspiele der Rückrunde im Amateurfußball am Horizont auf. Während die Profis im sonnigen Trainingslager waren oder vor Ort über beheizte Rasenplätze verfügen, sind die Kreis- und Bezirksligisten auf viel Improvisationstalent angewiesen.

Zweimal Training auf Kunstrasen

In Bad Harzburg beispielsweise konnten wir aufgrund von Schnee und Eis erst zweimal auf dem Kunstrasen trainieren und das heute Testspiel gegen Darlingerode/Drübeck ist wegen des angesagten Schneefalls in seiner Austragung schon wieder gefährdet.

Da auch auf den Rasen- und Hartplätzen nur eingeschränkt trainiert werden kann, stehen die Teams in den Soccerhallen Schlange und die Fitnessstudios werden für individuelles und Teamtraining aufgesucht.

Die Frage ist, ob alle Aktiven zum ersten Spiel den gleichen Fitnessstand erreichen? Denn zum Trainingsstart kommen die Spieler ja mit den unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen. Der eine konnte den diversen Weihnachtsessen, Keksen und Lebkuchen nicht widerstehen und bevorzugte auch danach das gemütliche Sofa, während andere sich mit Langlauf, Tennis und Eishockey fit gehalten haben und drahtig zum Auftakt aufschlagen.

Bedeutung der Kondition

Wie wichtig denn die konditionellen Voraussetzungen sind, darüber streiten sich die Gelehrten. Sind nicht eine gute Technik, taktische Kenntnisse und Spielverständnis viel wichtiger? Spieler, die eh mehr über das technisch und taktische Vermögen ihren Beitrag zum Mannschaftserfolg leisten, sind meist von Haus aus nicht die Lauf- und Sprintwunder.

Ganz im Gegensatz zu den sogenannten Schienenspielern, die 90 Minuten die rechte und linke Bahn in Gänze beackern. Diese Spieler sind aber von sich aus schon mehr auf eine gute Körperlichkeit bedacht.

Die dritte Spezies sind Akteure, die ohne regelmäßige Bewegung im Vorfeld an den Spieltagen schnell aus dem letzten Loch pfeifen. Dieses Phänomen beobachtet man auch bei technisch unbeschlageneren Kickern, die ohne Training unter der Woche am Spieltag mit einfachsten Ballkontrollaktionen überfordert wirken.

Wir Trainer müssen diese ungemütliche Jahreszeit motivierend moderieren und jeder mit seinen eigenen Methoden versuchen, am ersten Punktspieltag des neuen Jahres eine konkurrenzfähige Elf zu stellen. Machen wir viele Einheiten und diese nicht ganz so intensiv? Trainieren wir äußerst intensiv und dafür nicht ganz so oft?

Eigentlich sind alle Kolleginnen und Kollegen davon abgegangen, die allgemeine Ausdauer durch ermüdende Läufe noch separat zu trainieren. In der Wintervorbereitung bleibt das aber manchmal mangels geeigneter Alternativen gar nicht aus.

Keine technischen Hilfsmittel

Technische Hilfsmittel sind in unseren Spielklassen eher die Ausnahme. Das Auge des Trainers ist gefragt, den Zustand seines Spielers festzustellen und daraus die Lehren für die kommenden Trainingseinheiten zu ziehen. Frei nach Otto Rehhagel, welcher immer der Meinung ist, durch Beobachten seiner Spieler festzustellen, ob sie topfit waren oder nicht. Einen mit dem Computer verbundenen Brustgürtel mit konditionellen Eckdaten brauchte er dafür nicht.

So, jetzt freuen wir uns alle auf das erste Punktspiel, und nach den 90 Minuten oder mehr wissen alle, ob sie gut gearbeitet haben oder nicht.

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