Kein Hinweis auf Verbrechen

Verdächtiger von Stade ist tot - Ermittlungen gehen weiter

Auch nach dem Tod des mutmaßlichen Schützen gehen die Ermittlungen weiter. (Archivbild)

Auch nach dem Tod des mutmaßlichen Schützen gehen die Ermittlungen weiter. (Archivbild) Foto: Jörn Hüneke/dpa

Ein 45-Jähriger soll in Stade sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe erschossen haben, nun wurde er tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Die Ermittler suchen weiter nach Antworten.

Von dpa 21.07.2026, 14:30 Uhr

Stade. Der Verdächtige, der in Stade sechs Menschen getötet haben soll, ist in der Untersuchungshaft gestorben, doch die Ermittlungen werden fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft arbeitet weiter an der Aufklärung von Abläufen und Hintergründen der Tat, wie eine Sprecherin mitteilte. Auch gegen die Partnerin des mutmaßlichen Schützen und die Fahrerin des Fluchtwagens wird demnach ermittelt.

Beamte gehen von Suizid im Gefängnis aus

Ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt im niedersächsischen Bremervörde hatte den 45-Jährigen am frühen Morgen tot in seiner Einzelzelle gefunden. Ein Notarzt stellte den Tod durch Strangulation fest. Die Beamten gehen von Suizid aus, es gebe keinen Hinweis auf ein Verbrechen. Die Ermittlungen gegen den 45-Jährigen wegen Mordes werden eingestellt - ein Verfahren gegen Tote ist in Deutschland nicht möglich.

Ein JVA-Mitarbeiter fand den Verdächtigen tot in seiner Zelle. (Archivbild)

Ein JVA-Mitarbeiter fand den Verdächtigen tot in seiner Zelle. (Archivbild) Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Der Türke soll Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Stadt westlich von Hamburg sechs Menschen getötet haben - drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Hannover sowie drei Beschäftigte der Einrichtung. Hintergrund war nach bisherigen Erkenntnissen ein Sorgerechtsstreit um seine zur Tatzeit drei Monate alte Tochter. Die Polizei hatte ihn nach dem Verbrechen festgenommen.

Opposition fordert Aufklärung

Die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion äußerte Unverständnis darüber, wie es zu dem Suizid kommen konnte. Der Verdächtige soll schon nach der Tat geäußert haben, sich selbst töten zu wollen. „Die Justizministerin muss jetzt lückenlos darlegen, wann welche Hinweise auf eine mögliche Selbstgefährdung vorlagen, wie diese bewertet wurden, welche Schutzmaßnahmen angeordnet waren und ob sie tatsächlich eingehalten wurden“, teilte Carina Hermann mit, Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion.

Die CDU-Politikerin Carina Hermann fordert Aufklärung. (Archivbild)

Die CDU-Politikerin Carina Hermann fordert Aufklärung. (Archivbild) Foto: Shireen Broszies/dpa

Viele Fragen könnten mit dem Tod des mutmaßlichen Schützen unbeantwortet bleiben, befürchtet Hermann. „Dass der Beschuldigte nun tot in seiner Zelle aufgefunden wurde, nimmt den Angehörigen auch die Möglichkeit, die vollständige strafgerichtliche Aufarbeitung der Tat zu erleben“, sagte sie.

Die CDU-Fraktion wirft Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann eine „Serie schwerwiegender Pannen“ vor. Zuletzt stand die SPD-Politikerin nach einer zwischenzeitlichen Flucht eines verurteilten Mörders aus dem Gefängnis in der Kritik. Außerdem bemängelt die Opposition, dass wichtige Führungspositionen im Ministerium nicht besetzt seien. „Diese Häufung von Pannen und nicht erklärbaren Vorgängen ist der Öffentlichkeit nicht länger zu vermitteln“, meint Hermann.

Die Opposition sieht auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) in der Verantwortung. „Inzwischen ist auch der Ministerpräsident gefordert“, betonte Hermann. „Er darf dem Kontrollverlust im Justizressort nicht weiter tatenlos zusehen.“

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