Prof. Dr. Lutz Wille erhält im Dietzelhaus das Bundesverdienstkreuz am Bande, Bürgermeisterin Britta Schweigel und Landrat Thomas Brych (v.re.) gratulieren. Foto: Bruns
Clausthal-Zellerfeld. Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland hat Prof. Dr. Lutz Wille erhalten. Der Heidelberger nahm die Auszeichnung des Bundespräsidenten am Mittwoch im Dietzelhaus aus den Händen von Landrat Thomas Brych entgegen.
Wille erhielt die hohe Ehrung für seine besonderen Verdienste um das Harzer Brauchtum. Nach dem Mauerfall hat der gebürtige Halberstädter seine alte Heimat wiederentdeckt und seitdem rund 100 Publikationen zu den verschiedensten Themen rund um Harzer Volkskultur veröffentlicht.
„Wir brauchen Menschen, denen kulturelle und gesellschaftliche Identität nicht gleichgültig sind“, sagte der Landrat in seiner Laudatio. Mit seiner umfassenden ehrenamtlichen Arbeit, in der unter anderem Forschungen zu Birkenblattblasen, die Harzzither, die Harzer Finkenmanöver oder Mundart, die er in Hörbeiträgen zusammenfasste, betrieben habe, zeige er sein außergewöhnliches Engagement. Zumal Wille, bis er 2004 emeritiert wurde, das alles neben seiner Arbeit als Chefarzt in Heidelberg getan habe, wo er sich einen Namen als Pionier in der pädiatrischen Intensivmedizin gemacht hatte.
„Sie geben ehrenamtlichem Engagement ein Gesicht“, so Brych. Nicht nur die Anzahl seiner kulturellen Alltagsforschungen sei beeindruckend, sondern auch die enorme thematische Bandbreite.
Ähnlich lobend äußerte sich Bürgermeisterin Britta Schweigel. Gewissermaßen als Hausherrin – der Ehrungsvorschlag stammt aus Clausthal-Zellerfeld – sagte sie zu Wille: „Auf ihr Engagement können wir auch künftig nicht verzichten.“ Tatsächlich steht das nächste Buch des 79-Jährigen kurz vor der Veröffentlichung. Es trägt den Titel „Jugend trifft Harzer Folklore“.
Dr. Albrecht von Kortzfleisch als weiterer Redner würdigte Willes Art. Die beiden Brauchtumsforscher kennen sich seit einem knappen Vierteljahrhundert und haben gemeinsam unter anderem für den Harzklub publiziert. „Das Gute an ihm ist“, so Kortzfleisch, „dass er offen ist für die Entstehung von neuen Bräuchen.“
Wille selbst bedauerte, dass Brauchtum hierzulande nicht diesen Stellenwert habe wie beispielsweise in Bayern oder Sachsen, wo es hauptamtliche Stellen für den Erhalt und die Pflege gebe. „Das Zentrum für Harzkultur in Wernigerode mehr zu unterschützen, wäre mein Wunsch“, sagte der Mediziner.
1939 in Halle an der Saale geboren, wuchs Wille in Halberstadt auf. „Damals gab es keine Disco oder Kino. Mein Vater hat mich jedes Wochenende mit zu Brauchtumsveranstaltungen mitgenommen.“ So habe der gebürtige Benneckensteiner und spätere Halberstädter Gymnasialschuldirektor Dr. Louis Wille vermutlich den Grundstein für die Passion des Brauchtumsforschers gelegt.
Als seine Familie 1957 aus der DDR floh, spielten der Harz und seine Traditionen keine Rolle mehr. Doch als die Mauer fiel und er zum ersten Mal wieder in seine alte Heimat fuhr, sei alles wieder hochgekommen, erzählt Wille. „Die Wende war auch meine Wende.“