Zähl Pixel
Tier in Wildgehege greift an

Wolf attackiert Achtjährige im Wildpark - schwer verletzt

Ein Teil des Wildparks ist abgesperrt.

Ein Teil des Wildparks ist abgesperrt. Foto: Carsten Koall/dpa

Kinder wollen ein paar Stunden im Wildpark erleben - ein Programm ist gebucht. Dann kommt es zu einer Attacke eines Wolfs, der ein Mädchen schwer verletzt. Behörden prüfen, wie das geschehen konnte.

Von dpa 28.10.2026, 12:00 Uhr

Baruth/Mark. Ein Wolf hat ein achtjähriges Mädchen in einem brandenburgischen Wildpark bei Baruth/Mark südlich von Berlin angegriffen und schwer verletzt. Das Kind kam mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus. Eine Tierpflegerin soll laut Landkreis verhindert haben, dass noch weitere Kinder angegriffen wurden. Die Polizei untersucht, warum es zu der Wolfsattacke kommen konnte. 

Nach Darstellung des Landkreises Teltow-Fläming geschah die Wolfsattacke während eines speziellen Programms für Kinder. „Der Vorfall ereignete sich vor der regulären Öffnung des Wildparks im Rahmen eines am 28. Oktober 2026 gebuchten Tierpflegertages für Kinder“, teilte der Kreis mit. 

Laut Internetseite des Wildparks können Besucher dabei Tierpfleger bei ihrer Arbeit begleiten. In Brandenburg sind noch Schulferien. Behörden des Landkreises wollen die Sicherheit im Wildpark nun umfassend prüfen. Die Anlage bleibt vorerst geschlossen. Notfallseelsorger waren im Einsatz.

Kreis: Angriff während Versorgung der Tiere

Der Angriff soll sich nach Angaben der Kreisverwaltung in der Polarwolfanlage ereignet haben. „Während der Tränkung der Tiere im Wildgehege griffen die dort gehaltenen Wölfe ein Mädchen an und verletzten es schwer“, so der Landkreis. Die Tierpflegerin habe durch schnelles Handeln „weiteres Leid an zwei weiteren Mädchen“ verhindert, die ebenfalls vor Ort gewesen seien. 

Die Polizei hatte mitgeteilt, das achtjährige Mädchen habe sich am Morgen mit zwei anderen Kindern und einer Mitarbeiterin in einem Tiergehege aufgehalten. Es soll dann von mindestens einem Wildtier angegriffen worden sein. Später bestätigte ein Sprecher, dass es sich um einen Wolf handele. 

Polizeiliche Ermittlungen angelaufen

Die anderen Personen in dem Tiergehege seien „äußerlich unversehrt“ geblieben, hieß es von der Polizei. Wie die Kinder in das Gehege gekommen seien, müsse geklärt werden, sagte der Polizeisprecher. Bei den Ermittlungen werde untersucht, ob Fahrlässigkeit vorliege. „Die genauen Umstände des Sachverhalts sind Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.“

Wildpark will sich zum Hergang nicht äußern

Vom Wildpark Johannismühle hieß es: „Wir kooperieren in vollem Umfang mit allen Behörden.“ Aufgrund der laufenden Verfahren könnten keine weiteren Angaben gemacht werden. „Wir bedauern den Vorfall sehr, und die betroffene Familie hat unsere volle Unterstützung.“ Weitere Fragen wollte der Wildpark nicht beantworten. Am Eingang der Anlage war an einer Holztür zu lesen: „Heute aus technischen Gründen geschlossen.“ 

Notfallseelsorge im Einsatz

Vier Personen, darunter drei Kinder, seien durch die Notfallseelsorge betreut worden. „Wenn ein Kind auf diese Weise verletzt wird, macht uns das sehr betroffen. Gerade für die Familie und die Menschen, die diesen Vorfall miterlebt haben, muss das Geschehen äußerst belastend sein“, sagte der Beigeordnete des Landkreises Teltow-Fläming, Björn Christian Paterok.

Auch für die Einsatzkräfte könne ein solches Ereignis eine erhebliche Belastung darstellen, hieß es. Die Besatzung des Rettungswagens, der „initial“ am Einsatz beteiligt gewesen sei, habe den Dienst an dem Tag nicht fortgesetzt. Eine Nachbesprechung des Einsatzes sei vorgesehen. 

Wildpark bleibt geschlossen

Der Landkreis kündigte an, die Sicherheitsvorgaben und die betrieblichen Abläufe im Wildpark zu überprüfen. Eine Wiedereröffnung der Einrichtung erfolge erst nach Freigabe durch die zuständige Behörde, hieß es. 

Das Veterinäramt wolle auch eine tierschutzrechtliche Kontrolle im Wildpark durchführen. „Eine fachliche Einschätzung zum Gesundheitszustand und zum Verhalten des Wolfs beziehungsweise der möglicherweise beteiligten Wölfe im Zusammenhang mit dem Vorfall liegt derzeit noch nicht vor.“

Behörde: Zuletzt keine Mängel an Zäunen festgestellt

Die Betriebsgenehmigung für den Wildpark enthält laut Landkreis konkrete Anforderungen an die Sicherheit und den Zustand der Tierhaltungsanlagen. Dazu gehöre, dass die Gehege von Raubtieren und Wisenten täglich auf mögliche Schwachstellen überprüft werden, durch die Tiere entweichen könnten. 

Der Wildpark Johannismühle, der seit 30 Jahren bestehe, habe mehrere Betreiber- und Geschäftsführungswechsel erlebt. „Bei früheren Vor-Ort-Kontrollen festgestellte Mängel wurden nach Angaben des Landkreises im Ergebnis behoben.“

Bei der Überprüfung am 23. Juli 2025 seien keine sicherheitsrelevanten Mängel an Zäunen oder Einfriedungen festgestellt worden, so die Verwaltung weiter. Nach der seinerzeit dokumentierten Auskunft des Wildparks werden die sicherheitsrelevanten Zäune jeden Morgen vor der Öffnung auf Schäden kontrolliert.“

Wildpark hält mehrere Raubtiere 

Der private Wildpark bei Baruth/Mark rund 45 Kilometer südlich von Berlin hält verschiedene Arten von Wild- und Raubtieren in Gehegen. Auf Internetseiten der Einrichtung sind neben Hirschen und Rehen unter anderem Grau- und Polarwölfe, ein Braunbär und ein Luchs zu sehen. In Brandenburg leben auch in freier Wildbahn zahlreiche Wolfsrudel.

Die Polizei untersucht, wie es zu dem Angriff eines Wolf im Wildpark Johannismühle kommen konnte.

Die Polizei untersucht, wie es zu dem Angriff eines Wolf im Wildpark Johannismühle kommen konnte. Foto: Carsten Koall/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!