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Psychologin warnt

„Ich bin zu dick“: Wie Eltern mit diesem Satz Schaden beim Kind anrichten

Mäkeln Eltern ständig an ihrem Körper herum, übernehmen Kinder schnell das negative Selbstbild.

Mäkeln Eltern ständig an ihrem Körper herum, übernehmen Kinder schnell das negative Selbstbild. Foto: pixabay

Es ist schnell passiert: Man steht vor dem Spiegel und bemerkt, dass der Bikini plötzlich einschneidet. Und saß die Jeans wirklich schon immer so eng?

Von Miriam Eichhorn-Zachariades 14.10.2026, 15:38 Uhr

Ein beiläufig gemurmeltes „Ich bin zu dick“ begleitet so manchen kritischen Blick in den Spiegel. Doch genau davor warnt die britische Psychologin Dr. Charlotte Ord. Denn: Mit solchen unbedachten Kommentaren könnten Eltern dazu beitragen, dass Kinder früh beginnen, sich selbst kritisch zu betrachten.

Für viele junge Menschen endet die Unbeschwertheit der Kindheit heute früher als noch vor Jahrzehnten: Rund die Hälfte aller britischen Kinder im vorpubertären und pubertären Alter berichtete in einer Untersuchung aus dem Jahr 2017 von Schwierigkeiten mit ihrem Körperbild und Sorgen mit ihrem Aussehen. Damit liegen die Zahlen deutlich höher als noch zehn Jahre zuvor. Bereits im Grundschulalter haben demnach viele Kinder Vorstellungen davon verinnerlicht, wie ein Körper im Idealfall auszusehen hat und wie nicht.

Diese Bilder entstehen weniger durch bewusstes Urteilen als durch Beobachtung und Nachahmung, erklärt die britische Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Charlotte Ord im Gespräch mit dieser Redaktion. „Insbesondere von Eltern und Gleichaltrigen sowie kulturellen Einflüssen, wie Filmen, Serien oder Social Media“, sagt sie. „Die Grundlagen des Körperbildes werden damit schon lange vor der Pubertät gelegt.“

Kind übernimmt früh kritische Haltung der Eltern

Die entscheidende Phase, um gesunde und positive Einstellungen zum eigenen Körper zu fördern, sei deshalb die frühe Kindheit. Umgekehrt bedeutet das: Wenn Kinder schon von klein auf vorgelebt bekommen, dass man den eigenen Körper kritisch betrachten sollte, übernehmen sie oft selbst diese Perspektive.

Auch Studien zeigen deutlich, wie stark Kommentare von Eltern – sowohl über sich selbst als auch über das Gewicht ihres Kindes – auf Kinder wirken. Vor allem negative, auf Gewicht oder Aussehen bezogene Aussagen gehen laut Forschung immer wieder mit ungünstigeren psychischen und körperlichen Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen einher, sagt Ord. Entscheidend ist dabei, dass Kinder solche Sätze nicht nur hören, sondern daraus lernen, wie man sich selbst bewertet. „Wenn ein Kind hört: ‚Ich bin zu dick‘, dann nimmt es nicht nur einen Kommentar wahr, sondern übernimmt eine Haltung“, erklärt sie.

Denn Eltern sind für Kinder zentrale Bezugspersonen. Ihre Worte prägen, was als normal gilt. Wird der eigene Körper immer wieder kritisch kommentiert, lernen Kinder, dass Aussehen eng mit Selbstwert verknüpft ist und es etwas ist, das man beurteilen und möglicherweise „verbessern“ muss. Auf Dauer kann das Unsicherheit und Druck erzeugen.

Oftmals sind es auch Fürsorge und eine gut gemeinte Absicht, aus der heraus Eltern problematische Botschaften weitergeben. Ein typisches Beispiel: „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel. „Wenn Eltern Lebensmittel als ‚gut‘, ‚schlecht‘ oder ‚sündig‘ bezeichnen, bekommt Essen eine moralische Bedeutung“, sagt Ord. Für Kinder geht es dann nicht mehr nur um Hunger oder Genuss, sondern schnell um richtig oder falsch. Langfristig kann das Schuldgefühle, Geheimhaltung oder Angst rund ums Essen fördern und es Kindern erschweren, auf ihre eigenen Hunger- und Sättigungssignale zu hören. Hilfreicher sei laut der Expertin eine „neutrale Haltung zu Lebensmitteln“.

Sport und Kuren nicht mit dem Aussehen verknüpfen

Auch vermeintlich harmlose Bemerkungen können wirken. Sätze wie „Ich will doch nur, dass du gesund bist“, wenn sie im Zusammenhang mit Gewicht fallen, oder „Vielleicht brauchst du den Snack nicht“ vermitteln, dass Essen kontrolliert werden muss. Auch nett gemeinte Komplimente wie „Du siehst viel besser aus, seit du abgenommen hast“ transportieren die Botschaft, dass ein bestimmtes Aussehen wünschenswerter ist als ein anderes.

Vorsicht sei auch bei Diäten, Detox-Kuren oder einer rigorosen Sportroutine geboten. Wenn Bewegung vor allem dazu dient, Gewicht abzunehmen oder den Körper zu formen, nehmen Kinder oft mit, dass es beim Sport in erster Linie um Aussehen geht. Wenn Eltern hingegen Ernährung und Bewegung im Zusammenhang mit Gesundheit, Stärke und Wohlbefinden vermitteln, entwickeln Kinder eher ein ausgewogenes und positives Verhältnis zu ihrem Körper.

„Saft- oder Fastenkuren können Kindern signalisieren, dass Essen eingeschränkt werden muss“, sagt Ord. Das könne ihr Verständnis von Hunger und Gesundheit durcheinanderbringen. Wer dennoch eine Diät oder Kur durchführen möchte, sollte sie vom Kind fernhalten und nicht mit Gewicht oder Aussehen begründen. Der Rat der Expertin: „Leben Sie besser ein regelmäßiges und ausgewogenes Essverhalten vor.“

Eigener Wert hängt nicht vom Aussehen ab

Wie sollten Eltern reagieren, wenn sich das Kind selbst kritisch im Spiegel betrachtet? Ord empfiehlt: ruhig bleiben, aber die Aussage auch nicht herunterspielen. Statt einem „Nein, bist du nicht“ lieber nachfragen: „Was hat dich dazu gebracht, das zu fühlen?“ Wichtig sei es dann, dem Kind behutsam zu vermitteln, „dass Körper unterschiedlich sind und der eigene Wert nicht vom Aussehen abhängt“, erklärt Ord. Förderlicher seien dagegen Komplimente, die sich auf positive Fähigkeiten beziehen, wie „Ich finde es toll, wie mutig du heute auf dem Spielplatz warst“.

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