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<p>Markus Conrads, Anto Karaulo und Tobias Reisige (v. li.) sind „Wildes Holz“. Im Kulturkraftwerk bieten sie am Wochenende zwei unterschiedliche Konzerte und ernten jeweils stehende, minutenlange Ovationen. Foto: Zietz</p>

<p>Markus Conrads, Anto Karaulo und Tobias Reisige (v. li.) sind „Wildes Holz“. Im Kulturkraftwerk bieten sie am Wochenende zwei unterschiedliche Konzerte und ernten jeweils stehende, minutenlange Ovationen. Foto: Zietz</p>

Goslar. Zum Doppelabend mit dem Trio „Wildes Holz“ hatten die Goslarer Kleinkunstfreunde ins Kulturkraftwerk Harz-Energie geladen.

09.11.2015, 16:25 Uhr

Beide Abende brachten Tobias Reisige (Flöten), Anto Karaula (Gitarre) und Markus Conrads (Kontrabass) stehende Ovationen. Daneben gestaltete das Trio einen Workshop in der Kreismusikschule.

Was so trocken klingt, birgt eine Menge an Facetten und Erlebnissen: Zunächst hatten sich der Förderkreis Goslarer Kleinkunsttage und die Musikschule zu einer Kooperation zusammengefunden. Die Musikschule bot mit den wilden Hölzern einen Workshop, das Konzert geht im Kulturkraftwerk über die Bühne. Kaum war der Vorverkauf eröffnet, waren die Karten weg – die Erinnerung an das umwerfende Weihnachtskonzert der Drei tat seinen Teil dazu. Also flugs einen zweiten Termin angefragt und das Goslar-Wochenende für das Musiker-Trio stand fest.

Am Freitag dann das erste Konzert des Trios Drei, sie stellten ihre neue CD „Astrein“ vor. Dabei erweisen sich die Drei als absolute Vollblutmusiker, solch eine Virtuosität, Durchdachtheit im Arrangement, Präzision im Spiel an Kontrabass und Gitarre ist selten zu erleben, von der Flöte ganz zu schweigen.

Und was machen sie da? Eigentlich nichts Neues: Sie nutzen das musikalische Mittel der Parodie, richten sich Musik von Bach bis Bo Diddley für ihre Instrumente ein und überführen sie in andere Welten. Aber wie! Da wird aus Beethovens „Pathetique“ ein rasant-fulminant-humorvolles Werk für Flöte, Kontrabass und Gitarre. Da entpuppt sich Bassist Markus Conrads ebenso als Edelrocker wie Anto Karaula an der Gitarre. Da mutiert der Song „Stayin‘ alive“ der Bee Gees zum Saalfetzer. Zwischendrin gestalten sie mit „Venga Amor“, einer Eigenkomposition, ein herrliches Liebeslied, unplugged. Spazieren von der Bühne, spielen das Stück elegisch-sehnsuchtsvoll hinter der Kraftwerkstheke und lassen es zur Liebeserklärung ans dort stehende Kulturkraftwerk-Team werden. Das Publikum kam langsam in Fahrt, schlussendlich aber stehende Ovationen und drei Zugaben.

Am Samstag dann der Workshop in der Musikschule. 27 Teilnehmer aus der Region, aber auch aus Wuppertal und Gütersloh waren dabei, als die drei sich auch als hervorragende Pädagogen erwiesen. Tobias Reisige gibt seiner Gruppe von Flöten, Fagotts und einer jungen Cellistin eine aufsteigende Notenreihe vor, bittet, die Töne jeweils zweimal zu spielen. „Und jetzt spielt den einen breit, den andern kurz“, fordert er. Sofort kommt Swing in die Notenreihe – ein kleines Beispiel, wie sich Mozart verjazzen lässt.

Abends dann das zweite Konzert im Kulturkraftwerk. Ein völlig anderes Publikum aus der gesamten Region bis zum Kyffhäuser, das schon in der ersten Halbzeit vor Begeisterung sprüht, tobt und trampelt – die erste Halbzeit verlängert sich entsprechend. Wer da meinte, das Gleiche wie am Abend vorher von der Bühne zu erleben, sah sich „getäuscht“. „Wildes Holz“ hatte kurzerhand umgebaut, bot „Gib ihm“ und „Roxanne“ und als Unplugged-Titel „Mr. Bojangles“. Schlusswort von Markus Conrads nach dem minutenlangem Applaus: „Eure Begeisterung an diesem Wochenende für unsere Musik macht uns platt.“ je

Tobias Reisige (r.) beim Workshop der Musikschule.  Foto: Jelinski

Tobias Reisige (r.) beim Workshop der Musikschule. Foto: Jelinski

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