Als Nazi Klagges Ehrenbürger wurde
Ansichtskarte mit den alten Arkaden am Burgberg, die später von den Nazis an anderer Stelle nachempfunden wurden. Hier läuft heute die B 4 lang.
Bad Harzburg. Das Haus der Natur blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Erst Café, dann Erholungsheim und schließlich Stätte der Umwelt.
Heute ist das Haus der Natur ein bekanntes Informationszentrum der Niedersächsischen Landesforsten und des Nationalparks Harz. Doch wer hat es gegründet? Die Frage von Spurensuche-Vorstand Dr. Friedhart Knolle führt zu einer neuen Dokumentation aus seiner Feder, zu der auch Markus Weber, Geschichtslehrer am NIG und seit der Harzburger-Front-Ausstellung dabei, seinen Teil beigetragen hat.
Der heutige Platz „Unter den Eichen“ war einst Konzertplatz mit Musikhalle und Restauration. Er war Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Bad Harzburg. Veranlasst hat den Bau der Herzogliche Badekommissar Hermann Dommes (1823 - 1884). Sein Gedenkstein steht am Eingang des Kalten Tals.
Nach der Machtübernahme der Nazis wurde viel gebaut. Nach Geländekäufen und dem Abriss einer Villa wurde die Nordhäuser Straße (Reichsstraße 4) aus dem Kurpark an den Burgberghang verlegt. Dafür mussten die dortigen baufälligen Arkaden weichen.
Unter den Eichen wurde in den späten 1930er Jahren in der Verantwortung des Bürgermeisters, Kurdirektors und späteren SS-Hauptsturmführers Hermann Berndt nach Plänen des Braunschweiger Professors Friedrich Wilhelm Kraemer ein neues Ensemble mit Verkaufsständen und Pavillon errichtet, das den alten Arkaden am Burgberg teilweise nachempfunden war. Der ebenfalls neu errichtete Querflügel ist das heutige Haus der Natur. Es wurde seinerzeit als Café genutzt.
Eingeweiht wurden die Kuranlagen feierlich Anfang Juli 1938 – mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an den Ministerpräsidenten Dietrich Klagges als „Förderer unseres Heilbads“. Klagges, der den Freistaat Braunschweig zu einem NS-Musterland machen wollte, zog nach dem Krieg nach Verbüßung eines Teils seiner 15-jährigen Haftstrafe nach Bad Harzburg, starb dort und ist auch hier begraben. Um diesen Teil der Studie hat sich NIG-Geschichtslehrer Weber verdient gemacht, der bestätigt, dass Klagges noch bis tief in die 1960er Jahre hinein rechtsradikales Gedankengut verbreitete.
Nach Kriegsende richtete die britische Besatzungsmacht ein Erholungszentrum (Leave Centre/Rest Camp) ein und nutzte auch die Kureinrichtungen dafür. Die Britische Rheinarmee war größter Arbeitgeber der Stadt. Der Hauptraum des späteren Hauses der Natur wurde als Rollschuhbahn genutzt.
1955 zogen sich die Briten zurück und der Kurbetrieb lief wieder an. Seitdem stellten Stadt- wie Kurverwaltung das Gebäude für verschiedene Ausstellungen zu Natur- und Umweltthemen zur Verfügung.
Der eigentliche Gründer des Hauses der Natur im heutigen Sinne war der Harlingeröder Kistenwerksbesitzer Walter Behrens (1892 - 1964). Er hatte seit frühester Jugend eine bundesweit einmalige Sammlung von Tierpräparaten aufgebaut.
In den 1970er Jahren wurde die Ausstellung „Wald und Wild im Naturpark Harz“ eingerichtet. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde auch das Harzer Rotwildarchiv in einem Seitenflügel untergebracht – seine Exponate waren vorher im Goslarer Mönchehaus ausgestellt.
Ab dem Jahre 1994 beteiligte sich der neugegründete Nationalpark Harz an der Erneuerung der Ausstellung und richtete hier eine Informationsstelle ein.
Bürgermeister Berndt (re.) überreicht Ministerpräsident Klagges die Urkunde mit dem Bad Harzburger Ehrenbürgerrecht.