Jahrestag im teuren Theater um eine Brandruine
Von der "Villa Helene" blieb in der Brandnacht vom 20. Oktober 2023 nur noch ein Torso. Foto: Epping
Seit einem Jahr blockiert der Schutt der abgebrannten „Villa Helene“ die Bundesstraße 498 bei Romkerhall. Bislang konnte die Stadt Goslar den Eigentümer in Tschechien nicht in die Pflicht nehmen. Die Entsorgung der Trümmer wird teuer.
Goslar. „Wir als Stadt sind da raus. Das Bauordnungsamt wird jetzt Kontakt mit der Eigentümergemeinschaft aufnehmen. Sie sind jetzt in der Pflicht, den Schutt zu entfernen“, hieß es Ende Oktober 2023 bei der Stadt Goslar. Das war im Rückblick sehr zuversichtlich, denn am kommenden Sonntag, 20. Oktober 2024, ist Jahrestag für den Brand der „Villa Helene“ bei Romkerhall, und auch nach einem Jahr blockieren die eingerissenen Ruinen des Gebäudes noch die Bundesstraße 498 zwischen Oker und der Okertalsperre.
Lodernde Flammen bei Romkerhall
Um 20.30 Uhr ging der Notruf an jenem 20. Oktober 2023 bei der Feuerwehr ein, die dann zum Großalarm bei Romkerhall rief. Rund 120 Feuerwehrleute mit 27 Fahrzeugen machten sich auf den Weg zur Unglücksstelle. Alarmiert wurden Brandschützer aus dem Stadtverband Goslar, aber auch aus Schulenberg und Clausthal Zellerfeld.
Die roten Flammen bei Romkerhall lodern hoch, am Boden durchzucken Blaulichter die Nacht im Okertal. Auf mehrere hundert Meter verteilen sich die Einsatzkräfte, darunter auch Polizei, THW, Eurawasser und vorsorglich Rettungswagen. Zelte sind aufgebaut, um die vielen ehrenamtlichen Helfer zu versorgen. Als Glücksfall für die Feuerwehren erweist sich, dass die Oker nur wenige Meter entfernt fließt und somit die Wasserversorgung gesichert ist. Kurz vor Mitternacht meldet Goslars Stadtbrandmeister Christian Hellmeier, das Feuer sei unter Kontrolle. Und zum Glück gibt es auch keine Verletzten. Trotzdem müssen die Brandschützer noch über Stunden nachlöschen.
Akute Einsturzgefahr der „Villa Helene“
Von rund 200.000 Euro Schaden ist die Rede. Dabei ist das Gebäude massiv einsturzgefährdet. So lässt die Feuerwehr die oberen Etagen noch in der Nacht einreißen. Tags drauf entscheidet Stadtbrandinspektor Christian Hellmeier in Abstimmung mit der Goslarer Stadtverwaltung, die Ruinen komplett abzureißen.
Klarer Verdacht auf Brandstiftung
Ehedem war die „Villa Helene“ ein Hotelbetrieb samt Sauna und eigener Fleischerei. Doch über Jahre stand sie dann leer, die Fassade bröckelte vor sich hin. Vermeintliche Pläne, den Hotelbetrieb wieder aufzunehmen, scheiterten.
Nach dem Brand beschlagnahmte die Polizei die Ruine für Untersuchungen zur Ursache des Feuers. Der Notabriss erschwerte dabei zwar die Arbeit der Ermittler, doch deuteten Spuren darauf hin, dass Brandstifter am Werk waren, erklärte die Polizei im August auf GZ-Anfrage. Hinweise auf den oder die Täter gebe es nicht. Der Fall liege bei der Staatsanwaltschaft.
Lassen sich die Eigentümer in die Pflicht nehmen?
Am Zug sind seit Oktober die Eigentümer der abgebrannten „Villa Helene“, um den Brandschutt bei Romkerhall zu beseitigen. Nach einem Jahr herrscht nur noch Kopfschütteln, dass sich dort überhaupt nichts bewegt. Zumal die Bundesstraße bis heute halbseitig gesperrt ist, was Touristen wie Bewohnern den Weg durchs Okertal erschwert.
Doch es gestaltete sich offensichtlich schwierig, die Eigentümer in die Pflicht zu nehmen. Im Grundbuch waren zur Zeit des Brandes verschiedene Eigentümer eingetragen. Laut GZ-Informationen lebt ein Ansprechpartner offenbar in Tschechien. Ob und wie das Gebäude versichert war, ist unklar.
Teure Entsorgung vorerst auf Kosten der Stadt
„Dennoch sucht die Stadt Goslar nach einer Lösung, um die Gefahrenstelle in Kürze zu beseitigen“, hieß es aus dem Rathaus im August auf GZ-Anfrage. Die Ausschreibung für Abriss und Entsorgung der Ruine sei erfolgt und befinde sich „in einem laufenden Verfahren“.
Inzwischen ist diese Ausschreibung durch die Zeitverzögerung nicht mehr gültig. Somit muss die Stadt erneut ausschreiben. Das soll in den nächsten Tagen passieren, erklärt Pressesprecherin Daniela Siegl.
Deutlich wird auch, dass die Stadt bei der Entsorgung in Vorleistung treten muss, wenn die Eigentümer oder deren Versicherung nicht greifbar sind. Eine Aufforderung, den Schutt zu beseitigen, sei dem Eigentümer im Ausland inzwischen amtlich zugestellt worden, aber „eine Rückmeldung ist weiterhin bisher nicht erfolgt“, sagt Siegl.
Die Kosten für die Beseitigung des kontaminierten Brandschutts werden auf 100.000 bis 180.000 Euro geschätzt, „da im Vorfeld keine Schadstoffanalyse erfolgen konnte“. Somit ist die Stadt auch nach einem Jahr längst nicht raus aus dem Theater um die „Villa Helene“.

Seit einem Jahr blockiert der Schutt der abgebrannten "Villa Helene" die Bundesstraße bei Romkerhall. Foto: Jörg Kleine