Goslarer SPD fordert Kataster für historische Bausubstanz
Eine ominöse Neubauruinie an der Lämmerstraße hat für Nachfragen bei der SPD-Ratsfraktion gesorgt. Foto: Roß
Die SPD will wissen, wie es um Denkmäler in der Altstadt steht. Sie fragt nach einem Kataster, möglichen Ersatzvornahmen und Lösungen für eine ominöse Bauruine.
Goslar. Der bauliche Zustand einzelner Gebäude in der Goslarer Altstadt bereitet der SPD-Ratsfraktion zunehmend Sorgen. Als Teil des Unesco-Welterbes steht die Stadt in besonderer Verantwortung, die historische Bausubstanz dauerhaft zu sichern. Für die Sozialdemokraten geht es dabei nicht nur um Denkmalschutz, sondern auch um Sicherheit, Barrierefreiheit und eine älter werdende Stadtgesellschaft.
Die Goslarer Altstadt gehört gemeinsam mit dem Bergwerk Rammelsberg zum Unesco-Welterbe. „Der Welterbestatus ist Auszeichnung und Verpflichtung zugleich. Wir müssen wissen, wie es um den Zustand unserer Denkmäler tatsächlich bestellt ist – und ob die Stadt rechtzeitig handeln kann, wenn Substanz gefährdet ist“, erklärt SPD-Ratsfrau Elke Brummer.
Forderung nach systematischer Erfassung
Vor diesem Hintergrund hat die SPD eine umfangreiche Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es ein Kataster oder eine fortgeschriebene Bewertung zum baulichen Zustand denkmalgeschützter Gebäude gibt. Die Fraktion möchte wissen, wie systematisch die Stadt Informationen über mögliche Schäden erfasst – und wie frühzeitig Risiken erkannt werden können.
Zugleich interessiert die Sozialdemokraten, wie Eigentümerinnen und Eigentümer bei erkennbaren Mängeln in die Pflicht genommen werden. Welche Instrumente stehen der Stadt zur Verfügung, wenn notwendige Sanierungen ausbleiben? Und unter welchen Voraussetzungen kann die Kommune selbst tätig werden – etwa im Rahmen einer Ersatzvornahme? Auch mögliche finanzielle Unterstützung durch Land, Bund oder internationale Förderprogramme wird in der Anfrage thematisiert.
Bauruine im Welterbegebiet
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Fraktion auf das seit Jahren brachliegende Neubauvorhaben an der Ecke Schielenstraße/Lämmerstraße – mitten im Welterbegebiet. Der halbfertige Rohbau verfällt nach Einschätzung der SPD sichtbar. Die Sicherung sei unzureichend, das Erscheinungsbild beeinträchtige das Stadtbild erheblich.
„Eine jahrelang ungenutzte Bauruine im Herzen des Welterbes schadet nicht nur dem Stadtbild, sondern wirft auch Fragen nach Sicherheit und Verantwortung auf“, sagt Ratsherr Stefan Eble. Die SPD will wissen, warum das Bauvorhaben nicht fortgesetzt wird und welche Möglichkeiten die Stadt hat, die Situation zu verbessern. Auch die bislang ergriffenen Maßnahmen im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht stehen zur Diskussion.
50.000 Euro für Problemimmobilien
Positiv bewerten Brummer und Eble, dass die Stadtverwaltung im Haushaltsentwurf 2026 einen Betrag von 50.000 Euro als Investitionszuschuss für Ordnungsmaßnahmen an sogenannten Problemimmobilien eingeplant hat. Mit diesen Mitteln könnten kurzfristige Sicherungsmaßnahmen finanziert werden, etwa wenn Fassadenteile herabzufallen drohen oder tragende Bauteile instabil sind. Die verauslagten Kosten könne sich die Stadt anschließend vom Eigentümer erstatten lassen. red
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