Zum 25. Mal starten tollkühne Piloten in rollenden Seifenkisten
Fast 500 Meter geht es beim Stötterlinger Seifenkistenrennen die abschüssige Dorfstraße hinab – dabei muss auch eine Schikane gemeistert werden. Zuschauer säumen die Rennstrecke. Foto: Neuendorf (Archiv)
Das zur Stadt Osterwieck gehörende Dorf Stötterlingen an der Landesgrenze zu Niedersachsen ist vor allem für eins berühmt: sein Seifenkistenrennen. Das feiert Jubiläum: Die 25. Auflage wirft ihre Schatten voraus. Was erwartet Besucher und Teilnehmer?
Nordharz. Zum Silberjubiläum gibt es wieder einen Hauch Silverstone in dem Dorf mit Rennstrecke: Stötterlingen, der zur Stadt Osterwieck gehörende Ort, lädt am Samstag, 2. August, zum mittlerweile 25. Mal zu seinem Seifenkistenrennen. Eine Tradition, die Teams und Fahrer aus der ganzen Region anlockt.
Startszene: Von einer Rampe aus geht es für die Seifenkisten beim Rennen die Dorfstraße hinab. Foto: Neuendorf (Archiv)
Seifenkisten gab es in den vergangenen Jahrzehnten in der Region schon so einige – doch allen Veranstaltern ging die Puste aus. Bis auf einen im nördlichen Harzvorland: In Stötterlingen, dem kleinen Ort mit Hanglage direkt an der Grenze zu Niedersachsen, lebt die Tradition. Und damit hat es das Rennen sogar zu einer gewissen Berühmtheit gebracht: Die Avacon-Trafostation direkt an der Rennstrecke ziert als Motiv das Seifenkistenrennen – und war im Familienkalender des Netzbetreibers in diesem Jahr sogar das Januar-Bild, passend zum Jubiläumsjahr. „Das war schon eine besondere Freude - und gute Werbung“, sagt Rennleiter Uwe Ahrens von der ausrichtenden Freiwilligen Feuerwehr des Ortes.

Die Trafostation im Dorf hat als Motiv das Seifenkistenrennen – der Ort schaffte es damit in einen Avacon-Kalender. Foto: Gereke
Am Anfang war das Parkfest in Stötterlingen – das zunehmend Langeweile verbreitete. „Irgendwann haben wir uns gesagt: Wir müssen mal etwas Neues machen“, erzählt Ahrens. Das Ergebnis lockt heute noch die Besucher in das Vorharzdorf. Und sie selbst hielten auch durch: „In manchen Jahren hatten wir nur fünf Fahrer, aber wir haben es trotzdem durchgezogen.“ Bis heute. Immer am ersten Samstag im August. Zuletzt gingen immer rund 25 Fahrer an den Start. Ausbremsen konnte die Veranstaltung nur die Corona-Pandemie.
Höchstgewicht
Gestartet wird in zwei Altersklassen: sieben bis 16 Jahre die Jugendlichen und 17 bis 99 Jahre bei den Erwachsenen. Bei den Kindern darf die Seifenkiste mit Pilot maximal 100 Kilogramm wiegen, bei den Erwachsenen 180 Kilogramm. Wobei es nicht heißt: Das meiste Gewicht bringt die höchste Geschwindigkeit. „Ein Starter hat vor einigen Jahren bewusst die 180 Kilo mit Zusatzgewicht mal voll ausgereizt – aber schneller wurde er dadurch nicht“, erzählt Ahrens.

Tim (l.) und Theo werkeln an ihrer Seifenkiste – sie wird am 2. August auch an den Start gehen. Foto: Gereke
Seifenkisten müssen mindestens drei Räder haben und sollten eine Bodenfreiheit von zehn Zentimetern nicht unterschreiten, die Länge beträgt 2,50 Meter, die Breite 1,20 Meter, so die Wettbewerbsvorgaben. Notwendig sind natürlich eine funktionierende Lenkung und natürlich Bremsen. Vorgeschrieben sind auch lange, kniebedeckende Beinbekleidung, Oberbekleidung, die die Arme bedeckt – festes Schuhwerk, Handschuhe und Helm. Denn passieren kann immer was. Bei einem Rennen hat es laut Ahrens zwar noch nie gekracht, „aber vor einigen Jahren gab es tatsächlich gab es vor einigen Jahren einen Unfall – beim heimlichen Training in den späten Abendstunden“, weiß Ahrens.

Teilweise sind die Teilnehmer auch mit skurrilen Kisten am Start – hier nimmt im Jahr 2023 Werners Bölkstoff-Mobil das Rennen auf. Foto: Neuendorf (Archiv)
Und was macht nun einen schnellen Seifenkisten-Renner aus? „Eine gute Aerodynamik und vernünftige Reifen. Sie dürfen nicht zu groß und zu breit sein.“ Manche versuchend die Windschnittigkeit aber auch mit skurrilen Kisten zu erreichen: „Ein großer Wal, ein Einhorn und sogar Werners Bölkstoff-Mobil rollten bei uns auch schon die Rennpiste hinab.“ 480 Meter lang ist die Strecke die Dorfstraße hinunter – und dabei geht es auch durch eine Schikane und einen Tunnel. „Wir haben mit der Polizei die Teilnehmer mal geblitzt. Der Schnellste war mit knapp 40 Sachen unterwegs“, erzählt Ahrens. Im vergangenen Jahr lautete die Siegerzeit 34,58 Sekunden. „Da geht es um Hundertstel. Der erste bis achte Platz lagen keine zwei Sekunden auseinander.“
Live-Musik am Abend
Von 10.30 bis 12 Uhr wird am Renntag freies Training auf der Strecke und Fahrerbesprechung sein. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen aus der Gulaschkanone. Das Rennen beginnt um 13 Uhr, der Sieger wird gegen 15 Uhr feststehen. Im Anschluss geht es wieder auf die Rennpiste – beim Bobbycar-Rennen für die Jüngeren bis sechs Jahren. Anmeldeschluss ist übrigens am Renntag vor Trainingsbeginn.

Uwe Ahrens (r.) präsentiert das neue Shirt, dass sich die Organisatoren von der Ortsfeuerwehr zum Jubiläum gegönnt haben. Foto: Gereke
Zum Jubiläum gibt es auch noch ein besonderes Programm: denn der Abend wird musikalisch: Zum Fünfundzwanzigsten gibt es Live-Mucke mit den „RUH DI S“ – eine junge Band mit älteren Herren. Die Formation hat sich erst im Januar 2024 gegründet, doch musikalisch sind die vier Herren Routiniers: Der Bandname setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Musiker zusammen: Ralf Großhennig (Gitarre und Gesang), Uwe Büttner (Schlagzeug), Henry Friese (Bass) und Dietmar Hartwig (Gitarre und Gesang). Im Gepäck haben sie Songs, die sie durch ihr Leben begleitet haben – von Heinz Rudolf Kunze, Reinhard Mey, den Puhdys über John Denver bis CCR. Zum Line-up gehören auch die Zieselbacher – eine Band aus der Stadt Osterwieck, die ihre Wurzeln im Stadtteil Rhoden hat. Zum Repertoire der Zieselbacher gehören Schlager, Classic-Rock, Country, Blues, aktuelle Chart-Hits und eigene Songs. Los geht es gegen 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei.
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