Anklage: Versuchte Hehlerei mit geklauten E-Bikes aus Braunlage
Ein 30-Jähriger aus Göttingen muss sich vor dem Amtsgericht in Clausthal wegen versuchter Hehlerei mit Diebesgut verantworten. Foto: Klengel
Das Amtsgericht Clausthal verurteilte einen 30-Jährigen wegen versuchter Hehlerei mit geklauten E-Bikes. Im September 2023 waren in Braunlage binnen drei Nächten 13 hochpreisige Räder gestohlen worden. Einer der Täter wurde damals festgenommen.
Braunlage/Clausthal-Zellerfeld. Im September 2023 waren Polizeibeamte am nordwestlichen Rand von Braunlage auf zwölf zuvor im Ort gestohlene E-Bikes gestoßen, als diese gerade in Transporter verladen werden sollten. Von den drei mutmaßlichen Tätern konnten damals zwei fliehen, einer wurde festgenommen. Nun musste sich der 30-jährige gebürtige Rumäne, der mit seiner Familie in Göttingen lebt, vor dem Amtsgericht Clausthal-Zellerfeld verantworten.
Er wurde wegen versuchter gemeinschaftlicher Hehlerei zu einer Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen à 40 Euro, also 5600 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hielt die Tat für gewerbsmäßig und plädierte für eine Bewährungsstrafe von 13 Monaten nebst einer Geldauflage. Oberstaatsanwalt Dr. Ehsan Kangarani trug zwei Anklagealternativen vor. Diese bestanden aus den Straftatbeständen Diebstahl und Hehlerei, beides in der strafschärfenden Variante der Gewerbsmäßigkeit. Bis zur Eröffnung des Strafverfahrens war unklar, ob der Angeklagte auch an den Diebstählen beteiligt gewesen war.
Wert der E-Bikes: 63.000 Euro
Rückblick: Im September 2023 wurden binnen drei Nächten in Braunlage insgesamt 13 hochpreisige E-Bikes im Gesamtwert von über 63.000 Euro gestohlen. Die Fahrräder wurden aus hoteleigenen Tiefgaragen, von Fahrradträgern oder auf der Straße angeschlossen entwendet. Alles ging schnell und ohne Zeugen vonstatten. „Hier waren Profis am Werk“, vermutete Kangarani.
Wie die Polizei damals so schnell auf die Diebe aufmerksam geworden war, war nicht zu erfahren. Möglicherweise waren einige der teuren E-Mountain-Bikes mit GPS-Trackern versehen. Als die Beamten eintrafen, lagen diverse E-Bikes für den Abtransport zerlegt am Waldrand. Zwei Fahrzeuge standen zum Beladen bereit, so ein Zeuge. Die von den Beamten gesicherten Fahrräder konnten ihren Besitzern zurückgegeben werden. Allerdings fehlten einige der vermissten Bikes. Dieser Schaden machte noch immer einen Wert von 21.680 Euro aus.
Der Angeklagte wurde geschnappt, da er als Einziger in einem der bereitstehenden Fahrzeugen saß. Mit Hilfe eines Dolmetschers berichtete der Familienvater, er habe am 23. September 2023 einen Anruf von einem Bekannten erhalten. Der habe ihn gebeten, nach Braunlage zu kommen, um ein paar Sachen nach Göttingen zu bringen. Da sei er sofort losgefahren. „Diesem Mann widerspricht man nicht“, erklärte der 30-Jährige, der sich beharrlich weigerte, den Namen seines Auftraggebers zu nennen – aus Angst vor Repressalien, so der Angeklagte vor Gericht.
Beteiligung nicht nachweisbar
Als er in Braunlage angekommen sei und all die E-Bikes am Waldrand habe liegen sehen, habe er geahnt, dass es sich um Diebesgut handelte. Dennoch sei er bereit gewesen, die Räder nach Göttingen zu transportieren, wäre nicht plötzlich die Polizei aufgetaucht. Der Auftraggeber, der Deutschland mittlerweile verlassen habe, hätte ihm für den „Freundschaftsdienst“ 500 Euro oder eines der Fahrräder angeboten, berichtete der Angeklagte.
Damit gab der 30-Jährige die Hehlerei zu, bestritt aber etwas mit den Diebstählen der Bikes zu tun zu haben. Das sei ihm auch nicht nachzuweisen, befand Richterin Nitsche in ihrer Urteilsbegründung. Ebenso könne man nicht sicher sagen, ob der 30-Jährige schon früher solche Hehlerdienste für den unbekannten Auftraggeber durchgeführt habe. Für die Amtsrichterin entfiel damit auch die Gewerbsmäßigkeit der Tat. Zudem milderte sie das Ganze zum Versuch ab und kam deswegen anders als der Staatsanwalt zu einer Geldstrafe.
Wo werden die meisten Fahrräder gestohlen?
Laut polizeilicher Kriminalstatistik lag die Zahl der gestohlenen Fahrräder 2024 bei rund 245.900 Stück, wobei die Dunkelziffer weitaus höher vermutet wird. Versicherungsgesellschaften wurden 2024 für Entschädigungsleistungen durch Fahrraddiebstahl in Höhe von 160 Millionen Euro belastet. Diebe haben es gezielt auf hochwertige Rennräder, E-Bikes oder Mountainbikes abgesehen, um sie weiterzuverkaufen. Göttingen gehört zu einem der „Hotspots“, wenn es um Fahrraddiebstahl geht, so der Gesamtverband der Versicherer. Die teuren Bikes der Touristen locken die Diebe mehr und mehr in den Harz. Im Mai 2023 erbeuteten Fahrraddiebe schon einmal aus mehreren Hotelgaragen Braunlages Fahrräder im Wert von 32.000 Euro. Und es blieb nicht dabei.
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