Harzburger CDU zieht mit frischem Vorstand in Kommunalwahlkampf
Der neue Vorstand des CDU-Stadtverbandes (v.l.) Jochen Neumann, Julia Ruyling, Britta Wichert (hinten), Gesine Kirschke, Fred Ruyling, Magnus Heiduk, Bernd Schilling, Susanne Herweg, Stefanie Hertrampf und Alexander Waldorf. Auf dem Bild fehlen Theodor von Assenburg-Neindorf und Alexander Weisse. Foto: Schlegel
Der CDU-Stadtverband wählte am Donnerstag während seiner Jahreshauptversammlung einen Vorstand, der an den drei Spitzenpositionen neu besetzt ist. Dabei gab es um den Vorsitz sogar eine Kampfabstimmung.
Bad Harzburg. Ein an der Spitze komplett neu besetzter Vorstand will den Bad Harzburger CDU-Stadtverband in aufregende und anspruchsvolle Zeiten führen, denn 2026 stehen sowohl Kommunal- als auch Bürgermeisterwahl an: Stefanie Hertrampf wurde am Donnerstagabend in einer Kampfabstimmung zur neuen Vorsitzenden gewählt. Ihre Stellvertreter sind Magnus Heiduk und Julia Ruyling.
Zehn Jahre hatte Jobst Dreß den Stadtverband geführt, nun brauche es frischen Wind, war seine Begründung, warum er nicht mehr zur Wahl antreten werde. Seitens des Vorstandes wurde Magnus Heiduk als Kandidat für die Nachfolge ins Rennen geschickt, doch die Versammlung schlug eine zweite Kandidatin vor: Stefanie Hertrampf. Ein Auswahlverfahren also, genau das, was Demokratie sich wünsche, kommentierte Kreisverbandsvorsitzender Ralph Bogisch, der die Sitzung leitete. Der Kreisverband war es übrigens auch, der zu der Sitzung eingeladen hatte. Der Stadtverband hatte aufgrund von Terminproblemen im November, als plötzlich ein Bundestagswahlkampf zu schultern war, keine Versammlung zum eigentlich vorgesehenen Zeitraum anberaumen können, begründeten Bogisch und Dreß.
Sitzung wird unterbrochen
Doch die Nominierung Hertrampfs schien dann doch ein wenig überraschend zu kommen. Sie selbst jedenfalls bat um eine Sitzungsunterbrechung, der Vorstand solle sich zunächst beraten. Ergebnis: Beide Kandidaten traten an. Am Ende bekam Hertrampf 20 Stimmen, Heiduk nur sechs. Die neue Vorsitzende ist in Bad Harzburgs Politiklandschaft bekannt, aber letztlich noch neu. Sie trat erst 2018 in die CDU ein, sitzt seit 2021 für die Christdemokraten im Rat und Kreistag, konnte jedoch im Landtagswahlkampf 2022 als Kandidatin Erfahrungen sammeln. Sie verlor damals zwar gegen Christoph Willeke (SPD), erzielte aber „ein ganz gutes und ordentliches Ergebnis“, wie sie selber sagte. Magnus Heiduk wurde anschließend bei der Wahl der Stellvertreter mit 23 von 26 Stimmen gewählt. Der 49-jährige Jurist ist seit 2017 in der CDU, hat kein Ratsmandat, sondern ist nur beratendes Ausschussmitglied. Er war seit 2023 Mitgliederbeauftragter des Stadtverbandes.
Kritik am alten Vorstand
Ebenfalls eine Kampfabstimmung gab es um den zweiten Stellvertreterposten: Der Vorstand hatte Amtsinhaberin Britta Wichert vorschlagen, die Versammlung stellte aber auch noch Julia Ruyling auf, die mit 17 zu neun Stimmen die Wahl gewann. Die 32-Jährige ist ebenfalls seit 2021 im Rat. Die Besetzung der übrigen Posten blieb indes unspektakulär (siehe Kasten) und zum Teil auch unverändert.
Eine klare Aussage, wie der Stadtverband nun in die anstehenden Wahlkämpfe ziehen wird, gab es seitens des neuen Vorstandes am Donnerstagabend nicht. Doch schon während der Jahresberichte des scheidenden Vorsitzenden Jobst Dreß und seiner Crew hatte es die eine oder andere Kritik an der bisherigen Arbeit und den einen oder anderen Auftrag an den zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewählten neuen Vorstand gegeben.
Nur noch 76 Mitglieder
Der CDU Stadtverband hat aktuell nur noch 76 Mitglieder (vor zweieinhalb Jahren waren es noch knapp 100), eine Zahl, die für hörbares Raunen in der Versammlung sorgte. Es sei auch sehr schade, dass in den vergangenen Monaten so wenige eigene Veranstaltungen auf die Beine gestellt worden seien und die CDU immer „nur“ irgendwo mitgemacht habe, hieß es aus der Versammlung. Immer nur Infostände – das würde auf Dauer nicht reichen. Für das Wahlkampfjahr 2026 müsse da noch eine Schippe draufgelegt werden. Und auch die Mitgliederzahl solle der Stadtverband im Auge behalten. Doch der stehe, so Kreisvorsitzender Bogisch, nicht allein mit dem Problem da, dass Politik und CDU „nicht mehr sexy seien“, wie Magnus Heiduk festgestellt hatte.
Der Stand auf dem Lichterfest
Großen Raum nahm darüber hinaus die eigentlich nebensächliche Frage ein, warum die CDU nicht mehr mit einem eigenen Stand am Lichterfest beteiligt gewesen sei. Das habe doch über viele Jahre für ordentliche Einnahmen und gute Kontakte gesorgt. „Zu wenig Personal und zu wenig Einnahmen“, begründete Jobst Dreß die Entscheidung. Zuletzt sei der Stadtverband über die drei Tage mit 1600 Euro Gewinn aus der Sache gekommen, das sei zu wenig, das lohne nicht mehr.
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Wohin nun die Reise für den CDU-Stadtverband und die CDU im Allgemeinen geht, wurde während der Versammlung nicht vom neuen Vorstand, wohl aber vom Ratsfraktionsvorsitzenden Hans-Peter Dreß und auch vom Kreisvorsitzenden umrissen. Dreß beispielsweise sprach in seinem Bericht aus dem Stadtrat von konstruktiver Arbeit und bedeutenden Entscheidungen und Anträgen. Um den kommenden Wahlkampf mache er sich keine Sorgen, immerhin habe der Bad Harzburger Stadtverband jetzt einen der jüngsten Vorstände im Kreisgebiet.
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Ralph Bogisch blickte auch auf die allgemeine Lage, sogar die weltpolitische, die sich auch auf die kommunalen Haushalte auswirke. Und das nicht unbedingt positiv. Zudem fehle es den Menschen an Orientierung, an Zutrauen zur und Vertrauen in Politik. Die Menschen wenden sich mehr und mehr ab, die extremen Ränder würden dadurch mehr und mehr gestärkt. Die Herausforderungen, die auf die Politik zukommen, seien nicht neu. Aber enorm groß.
AUF EINEN BLICK
Name: CDU Stadtverband Bad Harzburg
Vorstand: 1. Vorsitzende Stefanie Hertrampf; Stellvertreter Julia Ruyling und Magnus Heiduk; Schatzmeister Alexander Waldorf; Schriftführerin Gesine Kirschke; Beisitzer Jochen Neumann, Theodor von Assenburg-Neindorf, Alexander Weisse, Bernd Schilling, Britta Wichert und Fred Ruyling; Mitgliederbeauftragte Susanne Herweg.
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