Auch im Landkreis Goslar müssen einige Brücken saniert werden
Investitionsbedarf: An der Brücke an der Wachtelpforte in Goslar, die über die B 6 führt, soll noch in diesem Monat das Geländer erneuert werden. Foto: Sowa
Nicht erst seit dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden ist bekannt, dass viele Brücken dringend saniert werden müssen. Auch im Landkreis Goslar befinden sich einige Brücken in einem schlechten Zustand, manche sind daher gesperrt.
Goslar/Harz. Der Einsturz der Carolabrücke in Dresden Mitte September hat die Öffentlichkeit sensibilisiert und den Blick darauf gelenkt, wie marode viele der Bauwerke in Deutschland sind. So berieten die Länder-Verkehrsminister am Mittwoch auch über den Zustand von Straßen und Brücken.
Wer wissen will, in welchem Zustand sich die Bauwerke befinden, erfährt dazu mehr in der Brückenstatistik der Bundesanstalt für Straßenwesen. Die Übersicht aus dem März dieses Jahres zeigt, dass auch im Landkreis Goslar investiert werden muss.
Zur Sicherheit gesperrt
Eigentlich ist das keine Neuigkeit in der Region. Brückensanierungen sind ein leidiges Thema. Die Bramkebrücke an der Okertalsperre etwa ist bereits seit mehreren Monaten und zum Verdruss der Anwohner für mehrere Jahre gesperrt, weil sie als marode gilt. Außerdem plant die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Goslar seit langer Zeit eine neue Brücke entlang der B 6 bei Salzgitter-Bad (Unterführung K 32), derzeit muss die Strecke aus Sicherheitsgründen umfahren werden. Der Neubau der Okerbrücke am Ortseingang Vienenburg verzögert sich abermals und mutet mittlerweile wie eine unendliche Geschichte an, es handelt sich um ein mehrjähriges Projekt.
Vor diesem Hintergrund wird es spannend, wie sich der Neubau der drei Brückenbauten entlang der A 36 bei Wiedelah gestaltet, der 2026 beginnen soll. Bauherr ist allerdings nicht die Landesbehörde für Straßenbau, sondern die Autobahn-GmbH des Bundes. Die Bauwerke finden sich übrigens nicht in der Brückenstatistik der Bundesanstalt. Als sanierungsbedürftig gilt zudem die Brücke am Harzburger Dreieck, am Abzweig zur B 6 in Richtung Goslar. Sie soll in voraussichtlich zwei Jahren abgerissen und neu gebaut werden.

Auch bei der Brücke in der Feldstraße in Goslar soll das Geländer noch in diesem Monat ausgetauscht werden. Foto: Sowa
Geländer werden ersetzt
Am Freitag voriger Woche überraschte die Landesbehörde für Straßenbau in Goslar zu später Stunde um 21.18 Uhr mit einer Mitteilung über Brückeninvestitionen in der Kaiserstadt. Kurz zuvor hatte die GZ gefragt, an welchen Brücken, die auf einer Mängelliste der Bundesanstalt für Straßenwesen stehen, die Behörde investieren will. Demnach sollen noch in diesem Monat die Geländer an drei Bauwerken erneuert werden, die über die B 6 führen: an der Wachtelpforte, in der Heinrich-Pieper-Straße und der Feldstraße.
Ein Blick in die Brückenstatistik der Straßenwesen-Bundesanstalt zeigt, dass weiterhin viel zu tun ist. Mehrere Bauwerke im Landkreis Goslar fallen mit schlechten Bewertungen auf. Sprecher der Bundesanstalt warnen indes vor voreiligen Schlüssen: Selbst wenn die Tragfähigkeit aufgrund ihres Alters und hoher Verkehrsbelastung mit fünf, der schlechtesten Bewertung abschneidet, bedeute das nicht, dass ein Bauwerk einsturzgefährdet oder marode sei. Es könne schlicht bedeuten, dass der Autoverkehr so stark zugenommen hat, dass die Belastung größer ist als zum Zeitpunkt der Planung angenommen.
Traglast und Zustand
Neben der Tragfähigkeit gibt es Noten für den allgemeinen Zustand (von 1 bis 4), die schwächste Note bedeutet „ungenügend“. Auch hier raten die Sprecher zu Vorsicht: Eine schlechte Note könne allein darauf zurückzuführen sein, dass das Geländer nicht in Ordnung sei. Die Noten würden in erster Linie dazu dienen, der Straßenbehörde eine Prioritätenliste für Investitionen an die Hand zu geben.
Schlecht schneidet vor allem die Brücke an der B 6 bei Salzgitter-Bad ab (Traglast 5 bedeutet schlechtester Wert, allgemeiner Zustand 3,4, somit nicht ausreichend). Im Moment wird der Verkehr umgeleitet. Voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2025, so schreibt die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, beginnen erste Arbeiten – und zwar Leitungsverlegungen. An Arbeiten für Abriss und Neubau ist noch nicht zu denken, diese werden derzeit vorbereitet, heißt es. Die Behörde rechnet aktuell mit Baukosten von 21 Millionen Euro.

Wird abgestützt: Die marode Brücke bei Salzgitter-Bad im Verlauf der B6 ist derzeit gesperrt. Sie soll abgerissen und neu gebaut werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Foto: Gereke
Problem in Hahausen
Ebenso schlecht wie die Brücke bei Salzgitter-Bad benotet die Bundesanstalt für Straßenwesen die B 248 bei Hahausen als Unterführung der B 82, sie soll auch tatsächlich erneuert werden. Die Landesbehörde für Straßenbau schreibt dazu: „Das Planfeststellungsverfahren für den Ersatzneubau ist in Vorbereitung.“ Der Baubeginn stehe noch nicht fest, er hänge von der Dauer des Verfahrens ab. Der überwiegende Verkehr läuft weiter, nur der „genehmigungspflichtige Schwerlastverkehr“ sei verboten. Die Baukosten werden auf drei Millionen Euro geschätzt.
Außerdem stehen bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Goslar Reparaturen und Ausbesserungen an: Bei der Überführung der Hildesheimer Straße (Traglast 5, Zustand 3) entlang der B 6 in Goslar sollen „mittelfristig“, wie es heißt, Beton, Asphalt und Brückengeländer saniert werden.
„Vorgeplant“ für Reparaturen, aber mit „geringer Priorität“ sind laut der Straßenbaubehörde die Brücke auf der B 248 in Groß Mahner als Unterführung der Werkbahn (Traglast 5, Zustand 2,8) und die Unterführung der Gemeindestraße zum Klostergut Riechenberg an der B 82 (Traglast 5, Zustand 3).

In schlechtem Zustand: Die Brücke bei Hahausen im Verlauf der 248, die über die B 82 führt, gehört zu den Bauwerken im Landkreis Goslar, die ersetzt werden sollen. Für den geplanten Neubau wird derzeit ein behördliches Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Foto: Gereke
Erneuerung im Jahr 2025
Ein Neubau ist außerdem zwischen Goslar und Oker geplant. Dort soll die Abzuchtbrücke im Zuge der B 498 im Schleeke erneuert werden. Die Arbeiten könnten in der ersten Jahreshälfte 2025 beginnen. „Damit der Verkehr während der Bauzeit fließen kann, wird zunächst eine Behelfsbrücke errichtet“, heißt es.
Ein Bauwerk wie das an der B 82 bei Isingerode über dem Steinfeld, das von der Bundesanstalt mit einer Traglastnote von 4 und einem Zustand von 2,4 bewertet wird, muss nicht saniert werden, teilt die Landesbehörde weiter mit.
Weitere Informationen zum Zustand der Brücken im Landkreis sowie im Bundesgebiet gibt es unter www.bast.de unter dem Stichwort „Brückenstatistik“.