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Mehr als 400 Starter

GZ Plus IconRammelsberger Steigerlauf wird zum Fest der Rekorde

Alexander Fürle (Startnummer 496) vom Laufteam Wolfshagen gewinnt mit mehr als sechs Minuten Vorsprung den Obersteigerlauf über 21,1 Kilometer.

Alexander Fürle (Startnummer 496) vom Laufteam Wolfshagen gewinnt mit mehr als sechs Minuten Vorsprung den Obersteigerlauf über 21,1 Kilometer. Foto: Frank Drechsler

Er wächst und wächst und wächst. Der Rammelsberger Steigerlauf der TSG Jerstedt lockt bei seiner dritten Auflage bereits mehr als 400 Aktive auf das Bergwerkgelände. Für das kommende Jahr hat sich der Veranstalter weitere Neuerungen ausgedacht.

Von Björn Gabel Montag, 01.09.2025, 16:37 Uhr

Beim Rammelsberger Steigerlauf kennen sie bisher nur Hunderterschritte. Zur Premiere vor zwei Jahren kamen rund 200 Aktive ins Welterbe, vergangenes Jahr waren es schon etwas mehr als 300, diesmal bei Top-Wetter genau deren 406. Und Serkan Durmus, Vorsitzender der ausrichtenden TSG Jerstedt, sprüht schon vor Ideen, wie die Rekordjagd im Jahr 2026 fortgesetzt werden kann.

Durmus und seinen Mitstreiter scheinen mit dem Lauf einen Volltreffer gelandet zu haben, wie die insgesamt 480 Meldungen zeigen. Die Mischung aus der besonderen Atmosphäre des Bergwerks und den anspruchsvollen, höhenmeterreichen Strecken kommt, egal wen man fragt, bestens an. Der TSG-Vorsitzende selbst spricht in bester Marketingmanier von „einem Fünf-Sterne-Lauf. Wir wollen aber noch an weiteren Stellschrauben drehen.“

Start bald unter Tage

Eine hat er schon gefunden. Durmus kündigt an, dass im kommenden Jahr die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Halbmarathon und Marathon erstmals unter Tage starten werden. Sie laufen zunächst rund 250 Meter durch einen alten Stollen, bevor sie das Tageslicht erblicken. Zudem gibt es Anfragen aus der Szene, ob die TSG nicht auch einen Ultramarathon (mehr als 50 Kilometer) ins Programm aufnehmen wolle. „Wir denken drüber nach“, sagt Durmus.

Greta Hopp von der LG Nordharz lässt es sich nach ihrem unerwarteten Sieg beim Steigerlauf schmecken.

Greta Hopp von der LG Nordharz lässt es sich nach ihrem unerwarteten Sieg beim Steigerlauf schmecken. Foto: Drechsler

Mit sieben Läufen und zwei Walking-Wettbewerben ist die Auswahl ohnehin schon jetzt reichhaltig. Seine Premiere feierte diesmal der Bergmeisterlauf, ein klassischer Marathon, an den sich 38 Ausdauerspezialisten wagten. Der Sieg ging an den Lüneburger Christian Diskowski, der zu Pfingsten erst den Bad Harzburger Bergmarathon gewonnen hatte. Damit war es ihm auch vorbehalten, in 3:16:18 Stunden die erste Bestmarke auf dieser Distanz in Goslar zu setzen.

Unausgeschlafen zur Bestmarke

Marathon kann auch Dean Sauthoff vom Laufteam Wolfshagen, der sich zwei Wochen vor den deutschen Polizeimeisterschaften in Kassel zum Aufwärmen für den Steigerlauf über 10,5km entschieden hatte. Und das mit klarer Mission: Er wollte seinen eigenen Streckenrekord unter die 40-Minuten-Grenze drücken. Gesagt, getan, in 39:43 Minuten war Sauthoff genau 30 Sekunden schneller als im Vorjahr. Einfach sei es nicht gewesen, „weil ich immer allein das Tempo machen musste“. Ausgeschlafen war er auch nicht, da er erst um 5 Uhr in der Früh nach einer Nachtschicht kurz ins Bett gekommen war. Für eine Bestzeit reichte es auch so. Eher ungläubig registrierte derweil Greta Hopp von der LG Nordharz, dass sie schnellste Frau über die 10,5km war. Der Umstieg auf längere Strecken scheint sich für die 20-Jährige auszuzahlen.

Die helle Freude herrscht bei Pia Hillebrecht (l.) und Thoya Urbach aus Hamburg, nachdem sie den Steigerlauf geschafft haben.

Die helle Freude herrscht bei Pia Hillebrecht (l.) und Thoya Urbach aus Hamburg, nachdem sie den Steigerlauf geschafft haben. Foto: Drechsler

Dass sich eine gute Kenntnis des Geländes auszahlt, bewies mit Alexander Fürle ein weiterer Starter des LT Wolfshagen. Nachdem er im vergangenen Jahr beim Halbmarathon nach eigenen Angaben noch ordentlich gelitten hatte, teilte er sich seine Kräfte diesmal besser ein. „Bei 17, 18 Kilometer gibt es noch einmal eine harte Steigung, da habe ich mich drauf eingestellt“, sagt Fürle. Als Lohn sprang Platz eins heraus.

Kosten gehen durch die Decke

Mehr mit den Bergabpassagen zu kämpfen hatte Melvin Ehlers, der den Traillauf über 14km für sich entschied. „Das war richtig anstrengend“, meinte der Fallersleber. Er läuft im Training gern mal auf den Brocken und will nun im Oktober beim Harzgebirgslauf angreifen.

Vorsitzender Serkan Durmus schneidet die Siegerpokale aus Schiefer in Eigenarbeit zu.

Vorsitzender Serkan Durmus schneidet die Siegerpokale aus Schiefer in Eigenarbeit zu. Foto: Drechsler

Die Traditionsveranstaltung in Wernigerode spielt in einer ganz anderen Liga als der Steigerlauf, lockt sie doch bis zu 4000 Läuferinnen und Läufer an. Für die Jerstedter Macher geht es mit Blick auf die 4.Auflage vor allem darum, dass sich die Relation zwischen Aufwand und Ertrag verbessert. Abgesehen vom personellen und materiellen Einsatz, der höher ist als bei Stadtläufen, ist so eine Veranstaltung ein immer teuereres Vergnügen. Als Beispiel nennt Durmus die neue Beschilderung für die Marathonstrecke, die mal eben mit fast 2000 Euro zu Buche geschlagen habe.

„Wir sind nicht in Berlin“

Da bei den Sponsoren das Geld nicht mehr so locker sitze und die TSG die Startgelder nicht maßlos in die Höhe treiben wolle („Wir sind nicht in Berlin“), werde das Ganze zu einer finanziellen Herausforderung. „Wenn du am Ende auf den Betrag schaust, der dabei herauskommt“, sagt Durmus, „dann kannst du es eigentlich auch sein lassen.“ Ohnehin gehe es darum, etwas für Goslar zu bieten.

Eigentlich wollten sie gemeinsam mit ihren vier Kumpels Dennis Belger, Florian Pages, Martin Wentz und Timo Klingebiel (ab Nr. 213 v.l.) laufen, aber Marko Schmidt (l.) und Sean Casey (2.v.r.) können nach einem Infekt nur zuschauen.

Eigentlich wollten sie gemeinsam mit ihren vier Kumpels Dennis Belger, Florian Pages, Martin Wentz und Timo Klingebiel (ab Nr. 213 v.l.) laufen, aber Marko Schmidt (l.) und Sean Casey (2.v.r.) können nach einem Infekt nur zuschauen. Foto: Drechsler

Und da aufgeben nicht zu ihrem Wortschatz gehört, werden Durmus und Co. Steigerlauf lieber weiterentwickeln – für den nächsten Hunderterschritt.

Die Sieger im Überblick

Bergmeisterlauf (42,2 Kilometer): Christian Diskowski (Lüneburg) 3:16:18 Stunden – Tatjana Kasper 4:23:01

Obersteigerlauf (21,1 km): Alexander Fürle (Laufteam Wolfshagen) 1:29:26 – Hanna Fehlhaber (Lehrte) 1:44:54

Bergmann-Trail (14 km): Melvin Ehlers (Fallersleben) 1:05:25 – Anja Schneikart (Tempelhof-Mariendorf) 1:28:43

Steigerlauf (10,5 km): Dean Sauthoff (LT Wolfshagen) 39:43 Minuten – Greta Hopp (LG Nordharz) 54:59

Hauerlauf (6,5 km): Christoph Reimann 30:56 – Silke Oppermann (Stadtoldendorf) 39:44

Schlepperlauf (2,1 km): Carl-Johann Kreibohm (LG Nordharz) 9:04 – Esther Lindis Lachmund (NIG Bad Harzburg) 10:14

Knappenlauf (1,5 km): Jonas Grubert (Bad Harzburg) 6:25 – Ilaria Barbieri (Wolfsburg) 7:10

Silberwalk (10,5 km): Maximilian Schmidt (Thale) 1:19:09 – Antje Fischer (Wasserleben) 1:21:59

Kupferwalk (6,5 km): Stephanie Zscheile (MTV Goslar) 1:00:31

Die kompletten Ergebnisse sind unter my.raceresult.com zu finden.

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