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Neuer Song als Vorbote aufs Album

GZ Plus IconDie Goslarer Band Nautilus 2 singt erstmals auf Deutsch

Vier Männer stehen in schwarzen Klamotten und posen vor weißem Hintergrund.

Nautilus 2 sind Andreas Meyer, Sven Matzner, Oliver von Daak und Marvin Werner (v.l.). Foto: Fotoagentur Otto

Bisher war die Goslarer Band Nautilus 2 für englischsprachigen Elektro-Punk bekannt. Mit der neuen Single „Tränen der Zeit“ erscheint erstmals ein deutscher Song.

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Von Sven Eichler
Freitag, 27.02.2026, 19:00 Uhr

Vier Gestalten, die nächtliche Stadt flimmert vorbei, fette Gitarrenriffs hämmern aus den Boxen, die Drums preschen nach vorne. Neue Besetzung, neuer Stil. Die Goslarer Band Nautilus 2 macht seit den 1990ern die Bühnen der Stadt unsicher. Mit „Tränen der Zeit“ erschien am Donnerstag der erste deutschsprachige Song der Formation, inklusive eines stimmungsvollen Videos.

Früher war mehr Elektronik

Gegründet wurde N2, so die Kurzversion des Namens, 1995. Die Band gehört also auch schon zu den Urgesteinen der Musikszene der Kaiserstadt. Und sie hat sich immer wieder neu erfunden. In Zeiten von EBM und Techno bewegte sich die Truppe noch im Bereich Electro/Rave. Später ging es in die Richtung Elektro-Punk. Einer der bekanntesten Songs dürfte „Jack in The Box“ sein, der aus dieser Ära stammt.

Das Bild ist dunkel gehalten, an einem Tisch sitzt die Band, im Hintergrund leuchten kleine Lichter wie Sterne.

Die Band Nautilus 2. Foto: Fotoagentur Otto

Tatsächlich gingen die Stilwechsel auch immer mit Änderungen in der Besetzung einher. Und so geschah es auch vor ein paar Jahren. Die Synthie-Männer verließen die Band. Eine zweite Gitarre kam stattdessen hinzu.

Warum auf international machen?

Dementsprechend entwickelte sich ein rockigeres Klangbild. Die aktuelle Besetzung sind Gründungsmitglied Sven Matzner (Vocals), Marvin Werner (Gitarre), Oliver von Daak (Gitarre) und Andreas Meyer (Drums). Und ganz neu dabei: Norman Wirth am Bass, der vorgestern der Community via Instagram vorgestellt wurde. Auf dem bald erscheinenden Album hat noch Tim Pascherat den Bass übernommen. Da er aber mit seiner aktuellen Band Batzen gerade ebenfalls eine Platte rausgebracht hat und diverse Live-Auftritte plant, ist jetzt Norman Wirth bei N2 eingestiegen. Im Prinzip lesen sich die Namen wie eine Goslarer Supergroup, von Daak ist zum Beispiel bei Stalker und Iron Fate aktiv, Wirth spielte einst bei der Mittelaltertruppe Schabernack und ist derzeit bei Pestilenzia und Marvin Werner hat unter anderem bei Blacklist Ltd. schon die Saiten geschrubbt.

Die Band steht vor einem weißen Hintergrund.

Wenn das Album "Schwere See" im Herbst erscheint, soll es auch eine Release-Party geben. Foto: Fotoagentru Otto

Nach etlichen englischsprachigen Tracks singt Sven Matzner jetzt auf Deutsch. Wieso der Sinneswandel? Matzner lacht: „Warum sollten wir in Goslar Englisch singen und auf international machen? Aber ich muss zugeben, dass ich mich beim Texten anfangs schwertat. Ich musste aufpassen, nicht auf Schlagerreime zu verfallen.“ Im Proberaum hat die Band dann den deutschen Text ausprobiert – und es funktionierte. Textlich behandelt Matzner in „Tränen der Zeit“ die Vergänglichkeit, innere Konflikte und die Kraft, aus vergangenen Wunden Stärke zu ziehen.
Plattencover: Oben steht N2, darunter der Schriftzu Tränen der Zeit. Das Bild wird dominiert von Ziffernblättern, die auf einer regennassen Straße liegen, im Hintergrund sind schmenenhaft vie

So sieht das Single-Cover der ersten deutschsprachigen Veröffentlichung von N2 aus. Foto: Sven Matzner

Musiklabe ist „Feuer und Flamme“

Für ein Design-Projekt war Matzner mit dem Independant-Musiklabel „I Am Surprised“ im Kontakt. „Irgendwann hab ich dem Manager Peter Ehrenfeld mal den Song geschickt. Und man war Feuer und Flamme“, erzählt Matzner.

Der Song war „Tränen der Zeit“. Das Label sagte einer Veröffentlichung zu. Ein Video musste her. Also wandte man sich an den Schwarzdreher alias Jörg Kaspert. Gerade in der Gothic-Szene ist der Man ein Begriff, hat doch auch schon Videos für Neoklin und Schwarzbund produziert. Auch einige amerikanische Elektro-Künstler hat er in seinem Portfolio. Mit N2 arbeitete er unter anderem beim Video zu „Jack in the Box“ zusammen.

Kaspert: „Sven hat mir ein Demo geschickt und der Text hat mich begeistert. Weder geschraubt oder gestelzt, dafür mit sehr schönen Sprachbildern.“ Dementsprechend fuhr man nach Braunschweig, da sich das urbane Stadtbild besser eignete. Die Aufnahmen machten sie am Bahnhof wegen der schönen Glasfassade, am schmalen Zugang des Clubs „Brain“, in der Nähe des ehemaligen Clubs „Panopticum“ und an den Schlossarkaden. Mit im Gepäck hatte die Truppe einen Beamer, um die Projektionen auf die Band zu werfen. Weitere Aufnahmen entstanden im Proberaum – im Kontrast zu der weißen Bekleidung in Braunschweig diesmal im schwarzen Outfit. Das Ergebnis in Schwarz-Weiß-Ästhetik, das gestern veröffentlicht wurde, kann sich definitiv sehen lassen. Kaspert arbeitet mit längeren Einstellungen, was man in Tiktok-Zeiten der schnellen Schnitte kaum noch gewohnt ist, aber die Musik passend repräsentiert.

Ab 6. März als Stream

Musikalisch geht es in die Alternative-Rock-Richtung. „Der Song lebt von druckvollen Gitarren, einem treibenden Live-Drumsound und einer markanten Basslinie. Dezente Synth-Flächen und atmosphärische Soundelemente erweitern das Klangbild, ohne den organischen Charakter zu überlagern. Analoge Energie steht klar im Vordergrund – roh, direkt und authentisch“, heißt es im Pressetext des Labels. Veröffentlicht wurde das Video am Donnerstag, also am 26. 2. 2026 um 20.26 Uhr, auf Youtube, auf den Streamingdiensten erscheint der Song am 6. März.

Um im gut 30-jährigen Bestehen schlussendlich doch noch reich und berühmt zu werden, ist „Tränen der Zeit“ allerdings doch zu Underground, obwohl es das wohl eingängigste Stück von N2 bisher ist.

Album erscheint im Herbst

Im frühen Herbst soll ein komplettes deutschsprachiges Album erscheinen. An den Songs habe man ein gutes Jahr gearbeitet. Matzner: „Ich habe wohl noch nie so lange an einzelnen Elementen der Songs gefeilt.“ Es steckt also viel Herzblut und Arbeit drin.

Der Titel „Schwere See“ dürfte einigen Besuchern der „Glückauf“-Konzerte mit Joachim Witt und Oomph! eventuell aufgefallen sein. Denn an den beiden Tagen lagen in der alten Schlosserei mysteriöse Flyer mit eben diesen Worten herum, die auf eine ebenso mysteriöse Website verwiesen. „Eine kleine Guerilla-Marketing-Aktion“, erklärt Matzner lachend.

Der Release erfolgt nur auf Vinyl, allerdings habe laut Matzner das Label zugesagt, die Songs auch bei den gängigen Streamingdiensten hochzuladen.

Und wann kann man die Band mal wieder live auf der Bühne sehen? Matzner: „Wir planen eine Release-Party im Herbst. Aber wie und wo müssen wir noch klären.“

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