Das erwartet Arnd Peiffer von den deutschen Biathleten
Danilo Riethmüller ist derzeit der einzige Harzer Biathlet, der im Weltcup an den Start geht. Der 26-Jährige vom WSV Clausthal-Zellerfeld will sich erstmals für Olympische Winterspiele qualifizieren. Foto: picture alliance/dpa
Was geht für die deutschen Biathleten im OIympiawinter? Eine ganze Menge, sagt Experte Arnd Peiffer. Auch auf den zweifachen Olympiasieger wartet Besonderes.
Wenn es einer weiß, dann Arnd Peiffer. Olympiawinter sind besondere Winter. „Du merkst es einfach“, sagt der 38-Jährige. „Es herrscht noch einmal eine andere Spannung, es sind überall noch mal zehn Prozent mehr.“
Für die GZ schätzt der zweifache Olympiasieger, inzwischen TV-Experte, erneut ein, wie die Chancen der deutschen Biathletinnen und Biathleten in dieser Saison stehen, in der alles auf die Winterspiele in Antholz (6. bis 22. Februar) hinausläuft. Los geht es am Wochenende mit den ersten Weltcuprennen im schwedischen Östersund.
Frauen mischen wieder ganz vorn mit
Was liegt also drin für das deutsche Team im Allgemeinen und Danilo Riethmüller vom WSV Clausthal-Zellerfeld, derzeit einziger Harzer Weltcup-Starter, im Besonderen? Einiges, wenn es nach Arnd Peiffer geht, vor allem bei den Frauen: „Da stehen wir sehr gut da.“
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Franziska Preuß sei als amtierende Weltcup-Gesamtsiegerin über jede Debatte erhaben, mit Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz sei nach ihrer Babypause ebenfalls zu rechnen, dazu drängen die jungen Selina Grotian, Julia Thannheimer oder Marlene Fichtner ins Rampenlicht. Das deutsche Team werde wieder ganz vorn mitmischen, ist sich Peiffer sicher.
Riethmüller mit Möglichkeiten
Die deutschen Herren liefen zuletzt hingegen meist hinterher. „Das letzte Jahr war nicht zufriedenstellend, es gab Weltcup-Wochenenden, an denen das gesamte Team weit weg war“, erinnert Peiffer. Für zwei der wenigen positiven Ausreißer stand Riethmüller. Der inzwischen 26-Jährige holte im französischen Le Grand Bornand sein erstes Einzelpodest und war auch am Gewinn der WM-Bronzemedaille in der Staffel beteiligt. „Ich freue mich, dass Danilo die Qualifikation wieder geschafft hat“, sagt Peiffer. Nach der vergangenen Saison wisse der ehemalige Junioren-Weltmeister, zu welchen Leistungen er imstand sei: „Er hat Möglichkeiten.“
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Generell erwarte er die deutschen Männer wieder etwas näher an der Weltspitze, die aber weiter von anderen Nationen bestimmt werden dürfte. Norwegen sei auch nach dem Rücktritt der Böe-Brüder keinen Deut schlechter, Schweden und Franzosen dürften wieder tragende Rollen spielen. Heißester Kandidat auf den Gesamtweltcup ist für Peiffer mit Eric Perrot ein Franzose.
„Träumen darf man“
Über allem aber schwebt Olympia, auch wenn Arnd Peiffer aus eigener Erfahrung weiß, „dass es dir nicht hilft, wenn du jetzt schon an Februar denkst. Erst mal musst du ja da hinkommen. Träumen darf man, aber du solltest erst einmal die Zwischenziele abarbeiten.“ Wer schnell die Qualifikation in der Tasche hat, das zeigt die Vergangenheit, der erspart sich viel Fragerei und zusätzlichen Druck.

Arnd Peiffer wird auch in diesem Winter wieder als Experte vor der Kamera stehen. Foto: picture alliance/dpa
Olympia 2026 werde atypisch, sagt der Experte. Nachdem die Winterspiele zuletzt an Orten ausgetragen wurden, die nicht zur normalen Biathlontour gehören, wartet nun mit Antholz ein Klassiker. Die Athleten wissen also, was auf sie zukommt und werden in Südtirol auch ihr eigenes Olympisches Dorf beziehen. Daher werde sich „das gar nicht wie Olympia anfühlen, eher wie eine WM“, ahnt Peiffer.
Sollte Riethmüller das Ticket für Olympia lösen, dann kehrt er an den Ort zurück, an dem er im Januar 2024 seinen Einstand in den Weltcup feierte, und das auch noch äußerst erfolgreich. Es sei auf jeden Fall von Vorteil, wenn man gute Verknüpfungen mit einem Ort habe, sagt Arnd Peiffer. Besonders in einem Olympiawinter.
Peiffer in Antholz doppelt gefordert
Qualifikationsstress ist für Arnd Peiffer selbst kein Thema mehr. „Ich weiß jetzt schon, dass ich zu Olympia fahre“, sagt er mit einem Lachen. Und das auch noch aus doppeltem Anlass. Zum einen wird der 38-Jährige in Antholz wieder für die ARD als Fernsehexperte vor der Kamera stehen, zum anderen wird er eine Goldmedaille umgehängt bekommen.
Nachdem nach einem langwierigen juristischen Streit dem russischen Quartett wegen eines Dopingvergehens der Staffelsieg von Sotschi 2014 vor Kurzem endgültig aberkannt worden war, ist das deutsche Team zum Gewinner erklärt worden. Zu diesem gehört neben Erik Lesser und Simon Schempp mit Daniel Böhm ein zweiter Harzer. Der 39-Jährige ist inzwischen als Sportdirektor im Biathlon-Weltverband IBU tätig. Nach momentanem Stand soll das deutsche Quartett am 15. Februar in Antholz nachträglich die Goldmedaille erhalten. Peiffer und Böhm sprechen im jüngsten Podcast des Landessportbundes Niedersachsen über den ungewöhnlichen langen Weg zu Gold.
Peiffer ist weiter als Sport-Koordinator bei der Bundespolizei in Bad Endorf tätig und steht vor dem Abschluss eine Studiums der Sportwissenschaften. In seiner Masterarbeit beschäftigt er sich mit „Laufökonomie von Spezialschuhen“.
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