Stabwechsel im Polizeikommissariat Oberharz
Herbert Brauer geht, Mauritius Fahrbach (rechts) wird vom 1. September bis zum 31. März 2019 den Einsatz- und Streifendienst leiten. PK-Leiter Michael Lepa (Mitte) weiß diese Aufgabe bei dem jungen, aber bereits erfahrenen Beamten in guten Händen. Foto: Ebeling
Clausthal-Zellerfeld. „Es ist schon ein komisches Gefühl“, beschreibt Herbert Brauer seinen letzten Arbeitstag im Polizeikommissariat (PK) Oberharz. Nach 40 Dienstjahren, zuletzt als Leiter des Einsatz- und Streifendienstes (ESD), geht der Clausthal-Zellerfelder zum 1. September in den Ruhestand.
Seine Freunde nennen ihn schon seit der Schulzeit „Mozart“ – und das sind eine ganze Menge Leute in Clausthal-Zellerfeld. „Gefühlt kenne ich 70 Prozent der Bevölkerung“, sagt der 61-Jährige selbst. Er ist in der Bergstadt geboren und aufgewachsen, ging hier zur Schule, aufs Gymnasium dann in Osterode.
Als Polizist habe er noch die „alte“ Ausbildung absolviert, mit Polizei- und Fachhochschule, Bereitschaftspolizei, Streifendienst in Hildesheim und Bockenem, der südlichsten Dienststelle im Bezirk Hannover. 1989 wechselte er an die Polizeiinspektion Goslar und kam 1992 als Dienstschichtleiter zurück ins Polizeikommissariat Oberharz. Um es 2003 noch einmal gen Kreisstadt zu verlassen: „Bis 2013 war ich freigestellter Personalratsvorsitzender für die PI Goslar“, sagt er.
Eine Zeit, die ihn geprägt hat. „Die Mitarbeiter sind unser höchstes Gut, das man hegen und pflegen muss“, sagt er. Das hat Herbert Brauer umso mehr so gehalten, seit er 2013 als ESD-Leiter und stellvertretender PK-Chef nach Clausthal-Zellerfeld zurückkehrte – als „alter Hase“ mit dem Bekanntheitsgrad des sprichwörtlichen „bunten Hundes“. Weil er jederzeit ein offenes Ohr für die Bürger hatte, und weil er, wie PK-Leiter Michael Lepa betont, „die gute Seele der Dienststelle ist“.
Alles Friede Freude Eierkuchen? Nicht unbedingt. „Wir haben oft auch sehr kontrovers diskutiert“, sagt Lepa. Was der Chef an seinem Stellvertreter besonders schätzt, ist dessen Geradlinigkeit: „Er sagt, was er denkt, jeder weiß, woran er bei ihm ist – und das alles, ohne zu verletzen.“ Und: „Er ist immer da und springt ein, wenn’s irgendwo zwickt und zwackt.“
Das ist in einer relativ kleinen Mannschaft in einem von Klima und Fläche her „etwas anderen“ Gebiet wie dem Oberharz des Öfteren nötig gewesen. Insgesamt arbeiten 27 Beamte und vier Angestellte im PK Oberharz sowie den Polizeistationen Hahnenklee, Wildemann und Altenau, 18 Beamte davon sind im Einsatz- und Streifendienst.
Tag- und Nachtschichten, die der ESD-Leiter nicht nur personell planen, sondern als „Schnittstelle“ zur Stadt auch mit Veranstaltungen koordinieren muss – insbesondere dann, wenn mit eventuell nötig werdender Verstärkung von außen kalkuliert werden muss. „Die braucht hier im Oberharz in jedem Fall länger, bis sie vor Ort ist. So sind die Kräfte zunächst auf sich gestellt, damit kommt es stärker auf den Einzelnen an“, weiß Polizeioberkommissar Mauritius Fahrbach, der Anfang Juni aus Braunschweig nach Goslar und zum 1. Juli nach Clausthal-Zellerfeld kam. Für eine Interimszeit vom 1. September bis zum 31. März 2019 übernimmt er im Zuge einer Personalentwicklungsmaßnahme, so der dienstliche Begriff, die Leitung des ESD.
Fahrbach ist gebürtiger Wolfenbütteler, 32 Jahre alt und bringt Erfahrungen aus Bereitschaftspolizei, Streifen-und Ermittlungsdienst sowie Behördenstab mit. Zuletzt war er als Kommissar vom Lagedienst in verantwortlicher Position. Als Mountainbiker kennt er den Oberharz von ausgiebigen Touren.
Herbert Brauer macht keinen Hehl daraus, dass es ihm nicht leicht fällt, die Uniform an den Nagel zu hängen. „Ein halbes Leben lang“ hat er sie getragen, hat schöne und lustige, aber auch gefährliche Situationen mitgemacht. Und solche, die „an die Nieren“ und lange nicht aus dem Kopf gehen. „Kriseninterventionsteams gibt es noch nicht so lange“, erinnert er. „Um so wichtiger ist es, im Kollegenkreis miteinander darüber zu sprechen.“
Die kleine Abschiedsfeier heute im PK soll jedenfalls nicht das letzte Zusammensein mit den Kollegen sein. „Ich werde sicher das ein oder andere Mal noch guten Tag sagen“, sagt Brauer. Denn jetzt zu sagen, „das war’s“, das kann er sich nicht vorstellen: „dazu ist das Miteinander hier viel zu gut.“