Geopunkt gibt Einblicke in Historie
Feierliche Enthüllung: (v.li.) Eckhard Ohlendorf, Henri Hoffmeister, Bodo Mahns, Landrat Thomas Brych und Dr. Klaus George freuen sich. Foto: Leifeld
Hahausen. Von der kurzen Geschichte des Bergbaus bei Hahausen erzählt eine neue Informationstafel, die am Ortsrand steht. Einst sollte der Abbau von Kupferschiefer das große Geld bringen.
Die neue Tafel steht zwar schon einige Woche, aber ein offizieller Einweihungstermin ließ auf sich warten. Gestern Mittag war es dann so weit. Am Rand von Hahausen, wo eisige Windböen wehten, trafen Landrat Thomas Brych, der Bürgermeister der Samtgemeinde Lutter Bodo Mahns und Dr. Klaus George, Leiter Natur- und Geoparks sowie weitere Gäste zur Enthüllung der Infotafel des Geopunktes „An der Hütte“ zusammen. Der späte Termin war organisatorischen Problemen geschuldet.
„Es ist vielen Bürgern gar nicht mehr bekannt, dass hier einst Kupferschieferabbau betrieben wurde“, erklärte der Geologe Dr. Friedhart Knolle, der die Anfertigung der übersichtlichen wie aufklärenden Informationstafel im Wert von 1500Euro mit fachlichen Texten unterstützt hat. Und tatsächlich: Außer dem Straßennamen „Hütte“ wies bislang nur wenig auf die spannende Vergangenheit hin. Die Infotafel klärt nun auf: Teile des Nordwestharzrandes werden als „Klassische Quadratmeile der Geologie“ bezeichnet, da hier auf engstem Raum fast alle Schichten vom Erdaltertum bis zu jüngsten Ablagerungen an der Erdoberfläche zu sehen sind. Bei Hahausen erreicht mit dem Kupferschiefer eine Ablagerung des Zechsteins die Erdoberfläche, die ihre Hauptvorkommen entlang des gesamten Südharzes haben. Dicht über der Basis des Zechsteins tritt metallhaltiger Kupferschiefer auf.
Aufgrund des erfolgreichen Mansfelder Kupferschieferbergbaus geriet auch der nordwestliche Teil des Harzbereiches in den Fokus von Unternehmern. 1862 beantragte der Obergerichtsadvokat August Friedrich Wilhelm Barttlingck aus Seesen die Genehmigung zur bergmännischen Erschließung des Gebiets zwischen Seesen und Neuekrug. Der erhoffte hohe Kupfergehalt und eine große Lagerstätte versprachen reichen Gewinn. Englische Kapitalgeber gründeten in London die „New Mansfield Copper and Silver Mining Company“. An jenes Unternehmen verkaufte Barttlingck sein Grubenfeld. Für die Bergleute aus den Mansfelder Gruben entstand gegenüber dem Bahnhof Neuekrug eine Arbeiterkaserne. Doch die hohen Erwartungen der Investoren erfüllten sich nicht: Das Erz enthielt nur ein Prozent Kupfer – mehr als zwei Prozent wären nötig gewesen. Dennoch wurden weitere Erkundungsstrecken aufgefahren.
Bereits 1867 wurde der unrentable Betrieb eingestellt. Zurück blieben die alten Halden, die südwestlich von Hahausen noch immer zu sehen sind.
Als einer der Träger des Unesco Global Geoparks Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen stellt sich der in Quedlinburg ansässige Regionalverband Harz der Herausforderung, die Erd- und Bergbaugeschichte der Region nachvollziehbar zu machen. Anlaufpunkte für Interessierte sind dabei die sogenannten „Geopunkte“, mit denen die Erdgeschichte und auch die Entwicklung der Kulturlandschaft vermittelt werden. Geopunkte einer Landmarke sind fortlaufend nummeriert und können zu individuellen Routen verbunden werden. Der Geopunkt „An der Hütte Hahausen“ gehört als Punkt Nr. 13 zur Landmarke 3, ebenso wie das Bergwerk Rammelsberg (1), die Höhlenkapelle Klusfelsen (3), die Industrielandschaft Oker (5) und das Schlachtfeld im Lutteraner Becken (12).