Samstag, 14.11.2020

22.461 neue Corona-Infektionen

Coronavirus

Berlin (dpa) - In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 22 461 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das geht aus den Angaben des RKI vom Samstagmorgen hervor.

Damit ist der Wert erstmals seit Monaten im Vergleich zu einem Samstag der Vorwoche gesunken. Vor einer Woche hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 23 399 gelegen - damit ist sie um 938 gesunken. Auch wenn solche Daten durchaus statistische Ausreißer sein können, so gibt es doch Lichtblicke in der Corona-Pandemie.

Schon vor Samstag war die Geschwindigkeit des Zuwachses der Neuinfektionen gesunken. Auch die 7-Tage-Inzidenz stieg in den vergangen Tagen nicht mehr so schnell wie Anfang November und lag am Freitag bei 140,4 Fällen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Das RKI schrieb bereits, die Zunahme der Infektionen habe sich «zuletzt abgeflacht».

Dafür kann es mehrere Gründe geben. Bis sich die Wirkung des seit dem 2. November greifenden Teil-Lockdowns bei den Infektionszahlen zeigt, dauert es nach RKI-Angaben zwar zwei bis drei Wochen. Das wäre bis mindestens zum Montag. Allerdings hatten Daten des Corona-Monitors des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bereits gezeigt, dass sich die dafür Befragten schon zuvor wieder vorsichtiger verhielten. Der Effekt könne jedoch auch dadurch mitverursacht sein, dass die Laborkapazitäten langsam ausgeschöpft seien, hatte Uta Rexroth, die Leiterin des RKI-Lagezentrums, am Donnerstag gesagt.

An diesem Montag beraten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten über die seit dann zwei Wochen geltenden Einschränkungen. Bereits bislang war geplant, dass diese den ganzen November über aufrecht erhalten bleiben.

Auch wenn die Meldezahlen nicht mehr so schnell steigen, gibt es weiter viele Infizierte in Deutschland und die Zahl der Patienten auf Intensivstationen steigt weiterhin exponentiell. Dort wurden nach RKI-Angaben am Samstag 3325 Covid-19-Patienten behandelt, 56 Prozent davon wurden beatmet. Die Zahl kann sich nach Einschätzung von Experten noch mehr als verdoppeln.

Man wisse, dass etwa zwei Prozent der Neuinfizierten in zehn bis zwölf Tagen auf Intensivstationen behandelt werden müssen, hatte Gernot Marx, Intensivmediziner am Uniklinikum Aachen, am Freitag im Radiosender WDR5 gesagt. Diese Patienten lägen auch sehr lange - zwei bis vier Wochen - in den Kliniken. «Das heißt, wir werden in der Intensivmedizin noch weit über den Dezember damit zu tun haben.»

Die gemeldete Zahl der Neuinfektionen war am Samstag auch im Vergleich zum Freitag gesunken und zwar um 1081 Fälle. Eine Verringerung der Zahl von Freitag auf Samstag kam ebenfalls schon monatelang nicht mehr vor. Aus diesem Vergleich von einen Tag auf den nächsten sollte man dennoch auf keinen Fall einen Trend ableiten, betonte der Epidemiologe Gérard Krause vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). «Das Erhebungs- und Übermittlungssystem unterliegt prozessbedingten Schwankungen, weil die Daten der Gesundheitsämter nicht zeitgleich den Landesbehörden und dem RKI zugänglich sind.» Das System bestehe aus einem mehrstufigen Übermittlungsverfahren das Zeitverzögerungen zur Folge habe, die von Woche zu Woche oder von Tag zu Tag schwanken könnten.

Am Freitag gab es etwa nachträgliche Meldungen in Nordrhein-Westfalen, so dass ein Meldeeffekt aber auch statistische Schwankungen nicht ausgeschlossen werden können. Am Freitag war mit 23 542 verzeichneten Fällen der bisherige Spitzenwert erreicht worden.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 773 556 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 14.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Samstag um 178 auf insgesamt 12 378. Hier gibt es noch einen starken Anstieg. Am Samstag der Vorwoche waren es 130 neue Todesfälle. Das RKI schätzt, dass rund 493 200 Menschen inzwischen genesen sind. Damit sind derzeit schätzungsweise 270 000 der insgesamt registrierten Fälle akut infiziert.

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Samstagabend bei 1,05 (Vortag: 0,99). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch gut 100 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

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