Dienstag, 21.05.2019

Kreative Wetten auf höhere Wahlbeteiligung

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Harz. Wer den Landrat und die heimischen Bürgermeister mal bei sonst ungewöhnlichen Herausforderungen des Alltags, als Vorleser oder im Dialog mit jungen Leuten erleben möchte, der findet neun Gründe mehr, die Europawahl am 26. Mai nicht zu verpassen: Die Verwaltungschefs sind eine Wette zur Wahlbeteiligung eingegangen. Ihre Wetteinsätze reichen vom Baumpflanzen über Essensausgabe bis zur Assistenz als Linienrichter bei einem Fußballspiel.

Die Idee stammt von „Pulse of Europe“ Goslar. Federführend bei der Aktion war Renate Lucksch, die schließlich den Landrat und die Bürgermeister dafür gewonnen hat.

Dabei läuft die Wette zur Europawahl anders als gewohnt: Die Verwaltungschefs haben für die Wahlbeteiligung in ihren Städten und Gemeinden eine Prozentmarke vorgegeben. Wird diese Wahlbeteiligung erreicht oder überschritten, dann müssen die Bürgermeister ran. Jede Stimme in den Städten und Gemeinden ist also gefragt.

Bleibt die Wahlbeteiligung unter der Zielmarke, dann haben Landrat oder Bürgermeister ihre Wetten verloren. In diesen Fällen bietet „Pulse of Europe“ an, zusammen mit den Verwaltungschefs in den Verlierer-Orten die Bürger zum Gespräch über Europa einzuladen – etwa bei einem Fest oder an einem Markttag. Vielleicht lassen sich Menschen im Dialog bei einem Glas Wein aus europäischen Ländern dann zumindest fürs nächste Mal überzeugen, ihr Wahlrecht wahrzunehmen.

Brych als Kellner

Landrat Thomas Brych wettet, dass im gesamten Landkreis Goslar am 26. Mai mindestens 41,7 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihr Kreuzchen in den Wahllokalen setzen. Zur Orientierung: Im Jahr 2014 bei der EU-Wahl waren es knapp 38,4 Prozent. Sollten 2019 die 41,7 Prozent auch erreicht werden, dann will Thomas Brych einen Tag ehrenamtlichen Dienst schieben – bei der Essensausgabe des „Tagestreffs Zille“ in Goslar.

Abrahms: Baum pflanzen

Alphabetisch nach Städten und Gemeinden geht es weiter durch den Landkreis. In Bad Harzburg setzt der amtierende Bürgermeister Ralf Abrahms die Messlatte deutlich höher: Er wettet auf eine Wahlbeteiligung von mindestens 51,4 Prozent. Dann will der Bürgermeister in jedem Stadtteil einen Baum pflanzen. Die höhere Prognose des Rathauschefs in Bad Harzburg ist allerdings auch nicht ungewöhnlich: Schließlich läuft am 26. Mai zeitgleich auch die Bürgermeisterwahl – die voraussichtlich mehr Wähler an die Urnen zieht.

Grote im Heimatmuseum

Abrahms‘ Kollege Stefan Grote in Braunlage stapelt bei der Wahlwette deutlich tiefer. Zwar wählen auch die Braunlager in Kürze einen neuen Chef oder eine neue Chefin im Rathaus – doch erst am 16. Juni. Der noch amtierende Bürgermeister Grote tippt deshalb bei der EU-Wahl auf 34 Prozent Wahlbeteiligung. „Sollte ich gewinnen, werde ich im historischen Outfit des Hohegeißer Bürgermeisters Wilhelm Thomas (vor 1920) beim gemeinsamen Sommerfest der Grundschule und des Kindergartens in Hohegeiß am 21. Juni ausgewählte Ausstellungsstücke des Heimatmuseums präsentieren, altersgerecht erklären und ausprobieren lassen“, schildert Grote seinen Wetteinsatz. Nun, das sollten sich die Braunlager nicht entgehen lassen.

Junk als Linienrichter

Ein wenig höher legt Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk die Messlatte. Er wettet, dass wenigstens 35 Prozent der Wählerinnen und Wähler am 26. Mai in der Kaiserstadt ihr Kreuzchen setzen. Wenn es gelingt, dann verspricht Oliver Junk einen Sondereinsatz auf dem grünen Rasen: Er will als Schiedsrichterassistent eine Halbzeit lang an der Linie Dienst tun bei einem Fußballspiel des GSC 08. Na, hoffentlich beherrscht der Goslarer Oberbürgermeister auch die sportliche Abseitsregel.

Henze: Schüler-Dialog

Bürgermeister Ingo Henze traut seinen Langelsheimern ein paar Prozentpunkte mehr zu: 37,5 Prozent Wahlbeteiligung mindestens. Und sollte sie erreicht werden? „Dann werde ich im Juni einen kompletten Vormittag in der Oberschule Langelsheim für Diskussionen mit Schülerinnen und Schülern in den unterschiedlichen Jahrgangsstufen zur Verfügung stehen. Dabei soll es um das Thema Europa und Kommunalpolitik gehen“, verspricht Bürgermeister Henze.

Homann: Der Vorleser

In der Stadt Seesen setzt Bürgermeister Erik Homann die Marke am höchsten: Auf mindestens 60 Prozent Wahlbeteiligung wettet der Rathauschef. Verwunderlich ist die Erwartung indes nicht, denn auch in Seesen läuft am 26. Mai ja parallel die Bürgermeisterwahl, der sich Homann stellen muss. Das verspricht mehr Schwung für die EU-Wahl. Homanns Einsatz, falls die Wahlbeteiligung mindestens 60 Prozent beträgt: „Ich werde in allen städtischen Kindergärten eine Vorlesestunde durchführen“, sagt er – und fügt an: „Vielleicht finde ich bis dahin ein schönes Kinderbuch zum Thema Europa.“

Hesse: Jugendpflege

Erik Homanns Kollege Alf Hesse in Liebenburg wirft mindestens 46,1 Prozent Wahlbeteiligung für seine Gemeinde in den Ring. Sollten die Wählerinnen und Wähler mitspielen, dann will auch Bürgermeister Alf Hesse das Thema „Europa“ vor allem mit jungen Leuten diskutieren: „Ich werde eine Veranstaltung über die Gemeindejugendpflege organisieren, um mit Jugendlichen über die Bedeutung von Europa- und Kommunalpolitik zu diskutieren, und versuchen aufzuzeigen, wie wichtig es ist, Demokratie nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sich aktiv zu beteiligen.“

Mahns: Kindergarten

In der Samtgemeinde Lutter am Barenberge hat Bürgermeister Bodo Mahns eine Wahlbeteiligung von 44 Prozent als Ziellinie für die Europawahl markiert. Wenn die Wählerinnen und Wähler diese Erwartung erfüllen, dann will Mahns bei der Betreuung der Jüngsten in der Samtgemeinde helfen: „Ich werde im hiesigen Kindergarten KIGALU einen Vormittag Unterstützungsarbeit leisten.“

Schweigel: Bürgerausflug

Was verspricht der Blick hinauf in die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld? Bürgermeisterin Britta Schweigel gibt für die Wette eine Wahlbeteiligung von mindestens 38 Prozent aus. Wetteinsatz der momentan einzigen Frau im Reigen: „Ich lade interessierte Wählerinnen und Wähler ein, mich bei meinem Sonntagsspaziergang um den Sumpfteich bei Buntenbock zu begleiten. Vor dem Rückweg kehren wir auf eine Tasse Kaffee in die Pixhaier Mühle ein“, verspricht Bürgermeisterin Schweigel. Ihren Ehemann und ihren Hund nimmt sie beim Bürgerspaziergang natürlich auch mit.








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