Freitag, 05.07.2019

Klitzekleine Kirmeswunder aus dem 3D-Drucker

Goslar. Wenn Mäuse zum Rummel gingen, sie würden sich ihre Poffertjes an genau so einem Stand holen. Das kleine Häuschen ist nur gerade mal so groß wie der Raum zwischen Daumen und Zeigefinger – aber es ist Ausdruck einer ganz großen Liebe. Miniatur-Baumeister Christoph Urbaniak ist ein Riesen-Schützenfest-Fan, und er hat inzwischen schon mindestens 50 Modelle seiner Lieblingsgeschäfte gebastelt. Viele Originale stehen derzeit in Goslar.

Der 54-Jährige aus Peine ist eigentlich Kaufmann. Aber wenn er an die bunten Reihengeschäfte der Schausteller denkt, erwacht sofort der Handwerker und Künstler in ihm. Seit 15 Jahren frönt er schon seiner Leidenschaft, die längst mehr geworden ist als ein bloßes Hobby.

Am Anfang war der Käse

Miniatur-Baumeister: Christoph Urbaniak und Lebensgefährtin Sandra Becker
Angefangen hatte alles mit einem Käsewagen, den Urbaniak für dessen Besitzer, einen guten Freund, nachbaute. Was als originelles Geschenk für einen Schausteller begann, wurde schnell zur wahren Leidenschaft. Es entstanden Nachbildungen von „Karows Grüner Küche“, dem Stand von „Fischspezialitäten-Zech“ oder der „Frozen Yoghurt“-Stand, dazu der passende Fuhrpark.

Und der Miniatur-Handwerker überrascht immer mal wieder seine Freunde auf den Festen mit kleineren Ausgaben ihres Arbeitsplatzes. Zum Goslarer Fest hat er das „Poffertjes Huis“ mit zum Osterfeld gebracht. Und Jessica Lorenz, Inhaberin des Originals, zeigt die Miniatur stolz den Besuchern. Tresen, Platten, Preistafeln, der Schriftzug auf dem Dach – alles dran, genau wie beim großen Vorbild.

Modelle aus Plastik

Die Modelle fertigt der Bastler aus Plastik. Für den Turm des Frozen Joghurt-Standes zum Beispiel musste er ein HT-Abflussrohr mit kleinstem Durchmesser, rund 50 Millimeter, zurechtsägen. Aber inzwischen erstellt er auch viele Teile auch mit dem 3D-Drucker. Das Innenleben wird detailversessen nachgebildet, der ganze Stand schließlich mit Modellbaufarben bemalt. „Alles naturgetreu“, betont Urbaniak. Seine Lebensgefährtin Sandra Becker packt oft mit an. Früher half auch sein Sohn manchmal mit, doch der ist inzwischen schon 25 Jahre alt und hat andere Interessen.

Wer kleine Fische sucht, ist hier an der richtigen Adresse.

Wenn Urbaniak auf dem „großen“ Fest unterwegs ist, fährt er übrigens am liebsten mit dem Riesenrad. „Eins habe ich schon selbst gebaut, aber das entspricht nicht zu hundert Prozent der Vorlage“, erzählt der Kirmes-Bastler. Wie es weitergeht? Eine Liste mit rund zehn Geschäften, von denen er unbedingt noch ein Miniatur-Porträt anfertigen muss, hat der Künstler noch mindestens abzuarbeiten. Versprochen hat er dem Schoko-Frucht-Stand-Betreiber Danny Müller ein Modell, vielleicht wird es nächstes Jahr fertig. Inzwischen sind längst auch andere auf den Künstler aufmerksam geworden. In der Stadt Peine gibt es während des dortigen Freischießens eine Ausstellung der Miniaturen im Rathaus. 2018 war er zur Interschau nach Neumünster, der Fachmesse für Schausteller, eingeladen und baute dort sein kleines Wunderland auf. Außerdem waren die Stände zum 65-jährigen Bestehen der Europäischen Schaustellerunion in Luxemburg und zum 100-jährigen Bestehen des Schaustellerverbands Essen/Ruhrgebiet angereist. Und in Goslar? „Warum nicht?“, sagt Urbaniak.