Montag, 09.07.2018

Dürre Zeiten und durstige Pflanzen – was tun?

In diesem Sommer muss ich wohl in einigen Tagen erstmals, seit ich meinen Garten in Langelsheim habe, mit Leitungswasser gießen. Kurz habe ich überlegt, ob ich nicht doch einen Gartenwasserzähler bei der Stadt beantrage, aber die Kosten sind so hoch, dass sich für mich ein Einbau nicht lohnen würde. Schließlich sammle ich fleißig das Regenwasser. Aber davon ist zurzeit nur ein Rinnsal übrig.

Normalerweise reicht der Vorrat: Je 1000 Liter fassen zwei Gitterboxen, die ich von einem Getränkehersteller im Wendland und einem Chemieunternehmen am Ort gekauft habe. Und unterirdisch habe ich zudem die Möglichkeit, weitere 4000Liter zu speichern. Dazu kommen drei Regenfässer, zwei mit je 200 und eins mit 100 Litern.

Weil es zu lange nicht geregnet hat, muss der Schlauch wohl doch bald an den Wasserhahn in der Waschküche angeschlossen werden, damit zumindest das Gemüse auf dem Hochbeet und im Gewächshaus sowie die diversen Tomaten und Beerenfrüchte in den Kübeln etwas werden. Der übrige Garten muss darben, bis das ersehnte Nass vom Himmel fällt.

Und doch ist mein Rasen bis auf einige Stellen noch grün. Da kommt mir meine Unlust zum Mähen zugute: Rasen, den man in Hitzeperioden wie der aktuell herrschenden kurz schneidet, verbräunt unweigerlich. Lässt man die Halme lang – sie wachsen bei Wassermangel und Hitze sowieso kaum – blickt man auf saftiges Grün. In meinem Fall auch auf viele Gänseblümchen, Breitwegerich und andere Beikräuter, wie es bei Ökogärtnern heißt, aber das störte mich noch nie. Und die Hummeln, Bienen und andere Insekten haben auch etwas davon.

Wer aber auf das Wässern des Rasens nicht verzichten möchte, sollte es wenigstens zur richtigen Tageszeit tun. Früh am Morgen oder spät am Abend. Da ist die Verdunstung wesentlich geringer (mittags verdunstet das Wasser bis zu 90 Prozent ungenutzt), und es gelangt dorthin, wo es gebraucht wird: an die Wurzeln.

Rindenmulch oder spezielle Mulchfolien helfen in Stauden- und Gemüsebeeten sowie unter Bäumen, die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Beim Wassersparen hilft auch vorausschauende Gartengestaltung. So sollten besonders durstige Pflanzen wie Hortensien und Rhododendren nur an halbschattige Plätze gesetzt werden. Für sehr heiße Standorte in voller Sonne sind eigentlich nur robuste Steppen- oder Steingartenpflanzen geeignet. Es gibt auch Pflanzen, die lange mit der Trockenheit zurecht kommen. Dazu zählen vor allem Tiefwurzler wie Kirschlorbeer, Eibe, Rosen oder Clematis.

Die alte Regel „Ein Mal hacken spart zwei Mal gießen“ gilt übrigens immer noch. Hacken und jäten hält das Unkraut im Zaum, und der Boden trocknet nicht so schnell aus. Die Geräte zerreißen die feinen Wasserkanäle (Kapillare) in der obersten Erdschicht und senken so die Verdunstung. Besonders gut geht das allerdings nur, wenn es geregnet hat. Dann ist der Boden nicht so hart. Verschlämmt von zu viel Regen sollte er aber auch nicht sein.

Auch die Gießtechnik hat Einfluss auf den Wasserverbrauch. Ich verwende für die Gemüsebeete keinen dünnen Sprühstrahl, sondern gieße die Pflanzen direkt im Wurzelbereich. Dabei achte ich darauf, die Blätter nicht zu benetzen, damit es nicht zu Pilzinfektionen aufgrund von Nässe kommt. Besonders für Tomaten ist das wichtig. Und: Seltener und kräftig zu gießen hält länger vor, als jeden Tag nur ein wenig.

Wer Pflanzen in Kästen und Kübeln hat, kennt es: Morgens gegossen, sind sie abends schon wieder völlig ausgetrocknet. Das gilt besonders dann, wenn es zu der Hitze auch noch windig ist. Da ist jetzt nichts mehr zu ändern, aber hier ein Tipp für den nächsten Sommer: Vor dem Einsetzen der Pflanzen eine Schicht Blähton in den Kasten geben. Der Ton speichert Wasser über lange Zeit und kann auch wieder Feuchtigkeit an die Pflanzen abgeben. So spart man nicht nur Wasser, sondern tut den Pflanzen auch Gutes für die heißen Tage.

Wer unglasierte Terracottatöpfe liebt, sollte sich vom Gedanken des Wassersparens gleich verabschieden. Die Gefäße sind zwar sehr attraktiv, doch halten sie das Gießwasser nicht besonders gut. Der kühlende Effekt der Verdunstung durch den unglasierten Ton tut zwar den Pflanzen gut, belastet aber die Wasserrechnung. Daher sollten durstige Kübelpflanzen lieber in glasierte Keramiktöpfe gesetzt werden. Groß genug sollten diese natürlich auch sein, damit die Pflanzen nicht gleich nach dem Gießen wieder die Blätter hängen lassen.

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