Freitag, 29.03.2019

Die schottische Freundschaft hält

Leserbrief

Vienenburg. Egal, wie sich die Briten am Ende entscheiden – der Brexit wird wohl Folgen haben, die nicht nur Unternehmen und Regierungen zu spüren bekommen. Auch die Vicco-von-Bülow-Oberschule in Vienenburg befürchtet Einschränkungen. Bisher ist unklar, wie es mit dem Schüleraustausch mit der schottischen Partnerstadt Forres weitergeht.

„Vor zwei Jahren haben wir uns große Sorgen gemacht“, sagt Lehrer Guido Igelbrink. Höhere Kosten für Reisepässe und Visa könnten für viele Schüler ein Hindernis sein. Ob es dazu wirklich kommt, das könne er aber ebenso wenig abschätzen wie alle anderen.

Freunde gefunden

Die Schule will auf jeden Fall verhindern, dass die Zusammenarbeit einschläft, denn erst seit 2015 besuchen sich wieder regelmäßig deutsche und schottische Schüler. „Wir haben den Austausch eigentlich gerade erst wieder angeschoben“, erklärt Lehrerin Nicole Vopel. Zuletzt waren im September vergangenen Jahres acht Vienenburger Jugendliche in Forres. „Der Austausch ist kulturell und freundschaftlich unglaublich wichtig“, meint Igelbrink. Seine Schüler können das nur bestätigen: Die meisten von ihnen haben immer noch Kontakt zu ihren schottischen Freunden. „Wir wollen uns Pakete schicken, mit deutschem Curryketchup und schottischen Süßigkeiten“, erzählt Schülerin Celine Hanel.

Beim schottischen Tanzabend wirbelten auch die Vienenburger über das Parkett.

Zwar wohnten die deutschen Schüler in Forres in einem Hostel, aber einen Nachmittag erlebten sie dennoch in einer Gastfamilie – inklusive einer typisch schottischen Mahlzeit. „Es gab Lachs und Haggis“, erzählt Schülerin Josie Bernecker. Vor der Spezialität aus Schafsinnereien habe sie sich dann aber doch geekelt. „So schlimm war es nicht“, hält jedoch ihre Mitschülerin Leonie Winkler dagegen. Viel Spaß hatten die Vienenburger bei einer anderen Tradition: einem schottischen Tanzabend an der Schule.

„Jeder konnte mit jedem tanzen“, erzählt Celine Hanel: „In dem Moment gehörten alle zu einer Gemeinschaft, da habe ich mich aufgenommen gefühlt.“ Obwohl die Vienenburger Schüler viel Zeit in der schottischen Partnerschule und mit den Austauschschülern verbrachten, scheinen sie von der aktuellen Diskussion kaum etwas mitbekommen zu haben: Der Brexit war fast nie Gesprächsthema.

Tabuthema EU-Austritt

„Man redet nicht darüber“, meint auch Nicole Vopel über ihre Gespräche mit den Schotten. Wenn in der Pfingstwoche wieder eine Gruppe aus Forres nach Vienenburg kommt, will Guido Igelbrink aber auch hören, was die Schotten zum Brexit zu sagen haben. Außerdem soll es in einer Projektwoche mit den Gästen um das Thema Umweltschutz gehen.

Der Besuch der Briten im Juni steht jedenfalls schon fest: „Wir ziehen den Austausch dieses Jahr genauso durch wie sonst auch“, sagt Igelbrink. Die Schule gehe erst einmal davon aus, die Kooperation weiter aufrecht zu erhalten, meint auch Nicole Vopel. Dabei helfe auch der Städte-Partnerschaftsverein Vienenburg. Momentan sehen die beiden Lehrer die Situation also relativ entspannt – wenigstens, bis der Brexit konkreter wird.








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