Dienstag, 02.07.2019

Cannabis-Hundekekse und Putzzeug: Stöbern auf dem Krammarkt beim Schützenfest

Goslar. Flaggen, Socken, Putzzeug, Klamotten – und sogar eine gehörige Portion Cannabis können die Goslarer beim Gang über den Krammarkt auf dem Schützenfest erstehen. Cannabis? Ja, Silvia Lerche bietet an ihrem Tisch Cannabisöl-Produkte zur inneren und äußeren Anwendung an, sogar Hundekekse mit Cannabinoid und Entenfleisch gibt es zu kaufen.

Alles ganz legal, mit einem Restgehalt von 0,2 Prozent, beteuert die Verkäuferin von Natura-Vitalis-Produkten aus in Holland angebauten Pflanzen, und sie lässt Kunden die Öle auch tröpfchenweise kosten. Es schmeckt ölig, recht kräuterhaltig, ist etwas scharf im Abgang, aber soll wohltuend und entspannend wirken, sagt die Frau aus Jerze.

Seit mehr als 50 Jahren dabei

Nicht ganz so ruhig und gelassen, sondern etwas verdrossen, sitzt Horst Jäger hinter seinem Tisch mit Socken. Er ist seit über 50 Jahren mit dabei, schon seine Eltern hatten in Goslar einen Stand, an dem er seit seinem achten Lebensjahr half. Eigentlich wollten der 71-Jährige und seine Familie wie gewohnt in Goslar mit drei Angeboten vertreten sein. Tochter Melanie Papaleonie wollte wieder mit dem „Babyflug“-Karussell dabei sein. Ferner hat die Familie eine Crêpes-Bude. Dieses Jahr haben die Markt-Organisatoren ihm aber nur Platz für Jacken, Leggins und das Sockensortiment eingeräumt. „In Paderborn wurde ich geehrt für 50 Jahre auf dem Markt, hier nicht“, grummelt der Höxteraner. Aber er sei gern in Goslar, und Kunden kämen gern zu ihm.

Melanie (links) und Hannah Schimansky. Fotos: Hartmann

Am Stand von Timo Scholz flattert die Flagge mit dem inoffiziellen Verkehrszeichen „Achtung, Schützenfest!“ im Wind. Im roten Dreieck kriecht das schwarze Strichmännchen mit Schützenhut und Flasche über die Straße. Der21-Jährige hat auch viele andere Flaggen, beispielsweise von Bundesliga-Vereinen, im Angebot, dazu gibt es Blechschilder mit historischer Werbung oder Sprüchen. Feilschen ist erlaubt. Wer geschickt verhandelt, kriegt auch Rabatt, so der junge Mann aus Herne.

Öle und Insektenschutz

Wer sich in der Krake einen Hexenschuss zugezogen hat, Insekten abschrecken oder seinem Körper etwas Gutes tun will, wird am Stand von Karl Stadtmüller fündig. Der 65-Jährige bietet ätherische Öle feil, hält Mittel gegen Kopfschmerz parat, außerdem eine Tinktur aus Kokosnussöl und Zitronelle gegen Zecken und Schnaken.

Eher zur inneren Anwendung bestimmt sind die feinen Rieslinge, die Volkmar Tippmann vom Weingut Jakob Gerhardt mitgebracht hat. Auf dessen rund 100 Hektar großer Anbaufläche bei Nierstein am Rhein sei im vergangenen Jahr ein echter Jahrhundertjahrgang herangereift, schwärmt er. Die Winzer gehören zu den wenigen Branchen, die sich über den Klimawandel nicht beklagen können: Wegen der vielen Sonnenstunden sei der Wein besonders gehaltvoll geworden, sagt Tippmann, der seit 30 Jahren auf dem Goslarer Krammarkt anzutreffen ist. Allerdings: Als Zugeständnis an den Zeitgeschmack hat er nicht nur edle Rieslinge im Angebot. Wer mag, erhält alkoholfreien Prosecco mit Rhabarber-Vanille-Geschmack.

Auf der Suche nach Haushaltsgegenständen

Die Goslarer waren auf dem Gang durch die Gassen aber auch auf der Suche nach nützlichen Haushaltsgegenständen. So wollten Karin Wellner und ihre Mutter Hildegard unbedingt noch eine Bürste kaufen, bevor es hinüber zum Poffertjes-Stand ging. „Süß muss es sein – und mit Butter“, wünscht sich die 92-jährige Hildegard Wellner. „Und danach ein Eis mit Schlagsahne.“

Die siebenjährige Hannah Schimansky hat sich am Stand der Ha-Ra-Produkte ganz genau umgeschaut. Sie weiß auch schon ziemlich gut, welche Wischtücher sie ihrer Mutter Melanie besonders ans Herz legen will. Immerhin hilft die Tochter beim Saubermachen schon eifrig mit.