Donnerstag, 03.01.2019

Besser essen

Alle Jahre wieder die guten Vorsätze fürs neue Jahr. Die machen bei den meisten von uns natürlich nicht vor der Küche halt: Weniger essen – wegen der schlanken Linie, mehr Obst und Gemüse essen – wegen der Gesundheit, mehr gemeinsam essen – wegen des häuslichen Zusammenlebens. Ich nehme mir vor, besser zu essen. 

Um Missverständnissen vorzubeugen, damit ist nicht die Wahl eines teureren Restaurants oder die Exklusivität von Speisen gemeint, sondern besser im Sinne von guter, bodenständiger Qualität der verwendeten Produkte.

Ein besseres Gewissen

Denn ich bin der festen Überzeugung, dass zum Beispiel die Qualität von Fleisch nicht nur von der jeweiligen Tierrasse abhängt, sondern auch davon, wie das Tier aufgewachsen ist. Ein artgerecht gehaltenes Tier, das stressfrei geschlachtet wurde (ja, um das Töten von Tieren kommen wir nicht herum, wenn wir Fleisch essen wollen) liefert nicht nur eine bessere Qualität, sondern gibt mir ein besseres Gewissen. Denn wie gesagt, um das Töten kommen wir nicht herum. Aber das Tier, das für unsere Lebensmittel gezüchtet wurde, soll dann wenigstens vernünftig gehalten worden sein.

Bio aus China?

Besser heißt für mich auch regional. An jeder Supermarktecke springt mir seit geraumer Zeit das Schlagwort Bio entgegen. Das ist erst einmal nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass noch vor gar nicht so langer Zeit der klassische Bio-Konsument verächtlich mit einem eher griesgrämigen Wollmütze tragenden Müsli-Mümmler assoziiert wurde.

Aber müssen es denn Bio-Produkte aus China sein? Abgesehen davon, dass ich beim Umweltverschmutzungsland China so meine Zweifel habe, ob Bio dort das Gleiche bedeutet wie in unserem ökologischen Landbau, frage ich mich, was an einem Produkt Bio sein soll, wenn es um die halbe Welt zu uns gekarrt werden muss? Bio heißt für mich auch, einigermaßen ortsnah produziert. Und dabin ich schon bei meinem Vorsatz, regionale Produkte zu bevorzugen, unabhängig davon, ob der Landwirt in meiner Nachbarschaft die strengen Demeter-Regeln einhält oder nur einfach vernünftig produziert. Und wer es nun wirklich ganz doll Bio mag, kann doch mal Wildaus dem Harz zubereiten. Tiere,die in der freien Natur aufgewachsen sind, nie einen Stall von innen gesehen haben, waidmännisch erlegt wurden, mehr Bio geht eigentlich nicht.

Besser essen bedeutet für mich, weiterhin möglichst viel selbst zu kochen. Fertige Lebensmittel mit ellenlanger Zutatenliste, die wie aus dem Chemielabor klingen, lasse ich generell links liegen. Ich habe mir mal kürzlich den Spaß gemacht, eine Tüte Hühnersuppe aus dem Supermarktregal zu nehmen und zu schauen, wie viel Hühnerfleisch sie denn enthält – gar keines. Erst an elfter Stelle der Zutatenliste zwischen Maltodextrin und Soja tauchte das Wort „Hühnerfett“ auf, mehr Huhn war nicht drin – guten Appetit.

Pasta ist ein Klassiker

Gut, günstig und nicht zu zeitaufwendig, das wünschen sich viele beim Kochen, und das ist nicht so schwierig. Pasta ist für mich ein Klassiker der schnellen Küche. Nudeln kochen kann jedes Schulkind. Dazu werden ein paar kleine Tomaten, Zucchinistückchen, etwas Aubergine oder ein paar Pilze angeschwenkt, was das Gemüseangebot gerade hergibt, etwas Olivenöl drüber, dazu ein paar Späne Parmesan (nicht das seltsame Pulver aus der Tüte), fertig ist eine leckere Mahlzeit. Wer Fleisch dazu wünscht, brät noch ein paar Stückchen aus der Pelle gedrückte Salsiccia oder das Innere einer anderen rohen Bratwurst an und gut ist. Oder einer meiner schnellen Küchenlieblinge: mit Hackfleisch und Schafskäse gefüllte Zucchini. Die meiste Zeit geht dabei fürs Garen im Backofen drauf. Aber da muss der Koch ja nicht daneben stehen, holt sich lieber einen schönen Wein aus dem Keller oder ein leckeres Pils oder liest ein bisschen in seiner Lokal-Zeitung.

Geld gespart

Und das Erstaunliche ist, selber kochen ist in der Regel günstiger, als Fertigprodukte aus bunten Schachteln aufzuwärmen. Das Geld, das man dabei spart, kann man ja in einen Restaurantbesuch investieren. Gern bei einem Küchenmeister, bei dem man merkt, dass er seinen Job beherrscht und mit Liebe dabei ist. Auch im kulinarisch oft belächelten Harz gibt es dafür erfreulicherweise inzwischen gute Adressen.

Schreiben Sie dem Autor unter der Adresse michael.horn(at)goslarsche-zeitung.de.