Mittwoch, 29.08.2018

Am "Werner" sind Auswirkungen des Lehrermangels kaum zu spüren

Leserbrief

Bad Harzburg. Unterrichtsausfall, überfüllte Klassenräume und Stunden bei Lehrern, die ihren Beruf gar nicht studiert haben: Das Ausmaß des Lehrermangels klingt dramatisch, doch wie sieht die Realität aus? Ömer Sahin, Schülersprecher des Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium (WvS), äußert sich über die Situation an seiner Schule. Ist der Weg zum Abitur in Gefahr?

„Nein“, sagt Ömer Sahin. Am „Werner“ würden die Schüler fast nichts vom Lehrermangel spüren. Es gebe keinen Unterrichtsausfall, weil Lehrer fehlen. „Das ist ja eher bei Grundschulen problematisch“, meint der 17-Jährige. Dass es in der ersten bis vierten Klasse schwieriger sei, fällt auch dem WvS-Schüler auf. „Bei uns ist es manchmal so, dass ein Fachlehrer seine Klasse abgeben muss, weil er jetzt an einer Grundschule unterrichtet“, erzählt der Zwölftklässler. Das findet er aber okay. Schließlich seien die Lehrer verbeamtet und da könne es schon vorkommen, dass sie an Grundschulen versetzt werden.

Noch etwas Kind im Kopf

Aber Hand aufs Herz: Freut sich ein Schüler nicht, wenn mal eine unerwartete Freistunde ansteht? „Bei dieser Frage zerreißt es mich quasi in der Mitte“, sagt Ömer. „Eine Hälfte in mir findet es cool, wenn mal der Unterricht ausfällt und ich freihabe. Ich bin halt noch etwas Kind im Kopf. Die andere Seite weiß aber, dass ich nächstes Jahr die Abiklausuren schreibe und ich es bereuen würde, wenn ich dafür jetzt nichts tue“, beschreibt der Okeraner seine Gedanken.

In Freistunden müsse man sich aufraffen, selbstständig etwas zu tun. Dabei werde am WvS schon von der Unterstufe an großer Wert darauf gelegt, erklärt Ömer. Es gibt sogar das Unterrichtsfach „Selbstbestimmtes Lernen“. Dort üben Schüler, eigenverantwortlich zu arbeiten. „Gerade in Hinsicht auf das Abi ist das gut. So werden wir auf die Klausuren und Prüfungsphasen vorbereitet“, sagt Ömer. Also bräuchten sich die Eltern und Schüler am Werner bislang noch keine Sorgen machen, dass die Kinder nicht richtig aufs Abi vorbereitet werden.

Lehrer für Nebenfächer gesucht

Ömer berichtet aber von einem anderen Problem: „Gerade in den Nebenfächern wie Kunst oder Musik gibt es nicht so viele Lehrer. Es bewerben sich nicht so viele wie bei Sport und Mathe.“ Dass Werte und Normen ebenfalls zu den Fächern gehört, für die sich weniger Lehrer finden, musste Ömer selbst erfahren. „Als ich in der siebten Klasse war, musste ein Politik- und Deutschlehrer als Werte- und Normen-Lehrer einspringen“, erzählt er.

Auch wenn die Lehrersituation am WvS noch nicht dramatisch sei, weiß der Schulsprecher, dass es sich schnell ändern könne. „Vor allem der Wechsel von G8 zu G9 wird belastend sein“, sagt Ömer, der zu dem letzten Jahrgang gehört, der nach zwölf Schuljahren sein Abitur schreibt. Bereits im Vergleich zum vergangenen Jahr sei die Schülerzahl von etwa 560 auf 600 gestiegen, erzählt der17-Jährige. Wenn die Zahlen in Zukunft so rasant anteigen, könne es mit der Unterrichtsversorgung schwer werden.







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