Montag, 07.05.2018

„Mein neuer Freund ist beim IS“

Leserbrief

„Salam aleikum, Schwester. Wie geht es dir? Ich freue mich, dass dir mein Video gefällt. Bist du Muslima?“ „Ich fand dein Video interessant, aber ich bin keine Muslima.“ „Warum nicht? Der Islam ist der einzig wahre Glaube. Du kannst nur glücklich werden, wenn du Allah folgst. Bist du glücklich?“

Nein, Anna ist alles andere als glücklich. Ihr Vater ist an Krebs gestorben, ihre Mutter arbeitslos und nur noch unausstehlich. Trostloses Dasein als 15-Jährige in Berlin-Spandau. Wie viel aufregender ist da Abu Salmans Leben? Der Schwede mit den blonden Locken ist nach Syrien gegangen, um den IS zu unterstützen. Um im Namen Allahs hungernden Kindern zu helfen und einen besseren Staat aufzubauen.

Es dauert nicht lange, da hat er Anna mit seiner Begeisterung angesteckt. Er brennt für seine Sache. Und er brennt für Anna. Er betet sie an und hofft darauf, dass sie zu ihm nach Syrien kommt. Tatsächlich tritt Anna zum Islam über und packt heimlich ihre Koffer. Doch in Syrien angekommen merkt sie schnell, dass über den „Heiligen Krieg“ reden das eine ist, aber als junges Mädchen ohne Rechte und ohne Kontakt zur Außenwelt darin zu leben etwas ganz anderes. Hat sie irgendeine Chance, diesem Albtraum wieder zu entkommen?

Fremde Gemeinschaft

Anna ist einsam. Und mit der Trauer um ihren Vater kann sie nirgends hin. Im Glauben und in der fremden Gemeinschaft sucht sie Halt. Wo sich alle mit „Brüder“ und „Schwester“ anreden, da muss doch auch für sie ein Platz sein. Und Abu Salman, der ihr all seine Aufmerksamkeit schenkt.

Autorin Claudia Rinke schafft es glaubwürdig zu beschreiben, wie Anna ins Netz gerät. Sie lässt den Leser Schritt für Schritt mitverfolgen, was von Außen betrachtet unmöglich erscheint. So dumm kann doch keiner sein? Verständnis, Zusammenhalt und Liebe versetzen bekanntlich Berge.

So weit wie Anna gehen zum Glück wohl nur die Wenigsten. Aber es gibt reale Beispiele. Dieses Buch kann mit seiner Genauigkeit, Radikalität und Schnörkellosigkeit vielleicht zur Aufklärung beitragen. Denn neben der Geschichte von Anna und Abu Salman geht es auch um den Unterschied zwischen „normalen“ Muslimen und Fanatikern. Glaube ist per se nichts Schlechtes. Fanatismus in jeder Form schon.

„Die Braut. Radikal verliebt“, von Claudia Rinke, 272 Seiten, ab 12 Jahre, Planet! Verlag, 12 Euro (TB).







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