Freitag, 29.04.2016, 15:24 Uhr

Zwischen Tränen und Break-up-Partys

Kann eine Trennung auch ohne Streit funktionieren? Archiv-Foto: Kusian-Müller

„Es kommt drauf an“, sagt Pascal Friedrich (17) aus Ohlhof. „Wenn man sich nicht sehen will, ist das per WhatsApp vielleicht besser. Aber ich persönlich fände es eher schlecht.“

Schlussmachen über WhatsApp geht gar nicht, findet die 17-jährige Julia Melchert aus Goslar. „Wenn es aber per WhatsApp schon dazu kommt, geht es manchmal nicht anders.“

„Ich finde es einfach nur traurig, wenn jemand über WhatsApp schluss macht. Das zeugt von mangelndem Selbstbewusstsein. Das muss nicht darüber laufen“, sagt Katharina Neth (22).

„Normalerweise würde ich persönlich mit ihr reden. Aber wenn sie mir fremdgegangen ist oder so was, dann reicht eine WhatsApp-Nachricht komplett aus“, erklärt der 17-jährige Pascal Pohler .

Es ist nie leicht, sich von etwas zu trennen. Sei es das Ausmisten des Kleiderschrankes oder der Verkauf des Autos. Aber das ist halb so wild: Dem alten Top folgt ein neues und der Twingo wird ein Passat.

So funktioniert das mit dem positiven Denken: aus Alt wird Neu.

Das scheint auch die heutige Denkweise in Sachen Beziehung zu sein. Der Satz „Wir haben uns im Guten getrennt“ fällt besonders bei Prominenten immer häufiger. So auch zum Beispiel bei Model Lena Gehrke und Fußballer Sami Khedira. Sich auf friedliche Weise voneinander zu trennen, scheint im Trend zu liegen. Schließlich zeugt es auch von Reife, wenn der Rosenkrieg ausbleibt, und wir nicht mit einem Eimer Eis im Schlafanzug auf dem Sofa sitzen müssen und uns heulend eine Schnulze nach der anderen ansehen.

Vom Kummer lernen

Aber ist es wirklich reifer und „erwachsener“, nicht um die gescheiterte Beziehung zu trauern? Oder trauern wir heute einfach nicht mehr wie früher? Wer hat heutzutage schon Zeit, intensiv zu trauern und den Liebeskummer zu zelebrieren, wenn nebenbei soziale Netzwerke und der Alltag mit Job oder Studium und Freunden zu führen sind. „Wenn beide merken, dass eine Trennung besser wäre, dann ist es schon möglich, sich im Guten zu trennen“, findet Claudia Brümmer, Jugendpsychologin des Landkreises Goslar.

Dank heutiger Kommunikationstechnologien ist es uns möglich, rund um die Uhr über Snapchat, WhatsApp und Co. in Kontakt zu bleiben. Ganz klar, dass es für manch einen verlockend klingt, diese Kommunikationswege auch zum Schlussmachen zu nutzen. Wir wünschen uns schließlich mit einer in Sekunden getippten Nachricht alles Gute zum Geburtstag oder im Trauerfall herzliches Beileid. Zwischendurch mal ein „Ich liebe Dich“ zu verschicken ist auch kein Problem. Da wäre ein „Hey, ich mach Schluss, tut mir Leid“ genauso möglich, oder? Für den Schlussmacher selbst ist das natürlich praktisch, kurz und schmerzlos, denn eine große Diskussion oder Handgreiflichkeiten können so vermieden werden – vorerst jedenfalls.

Allerdings stellt sich da die Frage, ob nach eventuell langjähriger Beziehung eine Diskussion nicht sogar notwendig wäre. Schlussmachen bedeutet zwar bei vielen Promis, sich gemeinsam zu entscheiden, getrennte Wege zu gehen, aber oftmals fühlen beide nicht gleich.

Ist derjenige, der die Beziheung beendet und dem anderen das Herz bricht nicht dazu verpflichtet, zumindest so etwas wie eine Erklärung zu liefern? Reden, erklären, trösten, diskutieren und fliegenden Tellern ausweichen: Gehört das nicht irgendwie dazu? Oder wird es irgendwann ganz normal sein, eine „Ich mach Schluss“-Nachricht auf dem Display zu haben? „Eine Trennung ist gleichzeitig auch eine entscheidende Erfahrung im Leben. Liebeskummer ist dabei ein wichtiger Lernprozess“, erklärt die Psychologin. „Es ist zwar schmerzhaft, aber wenn die Trauer überwunden ist, geht man oftmals gestärkt daraus hervor.“ Dann hat Trauern also doch was Gutes.

Schlussmacher und Co

Auch die Industrie hat das Schlussmachen für sich erkannt. Dabei wird versucht, aus etwas Traurigem und Schmerzhaftem etwas Positives zu machen. So gibt es den Beruf des Schlussmachers nicht nur im Film mit Mathias Schweighöfer, sondern auch im echten Leben. Bernd Dressler aus Berlin ist wohl der bekannteste von ihnen. Er bietet in seiner Trennungsagentur gleich mehrere Trennungspakete an, vom billigen Gespräch am Telefon bis zum teureren persönlichen Gespräch, mit psychologischer Erstversorgung. Auch das Abholen der Sachen ist im Preis enthalten. Der Auftraggeber muss sich also um gar nichts mehr kümmern.

Neben solchen Trennungsagenturen gibt es zum Beispiel auch die Scheidungsmesse „Neustart“ in Dortmund. Dort können Besucher an kostenlosen Anwaltsgesprächen sowie Typberatungen und Gewinnspielen teilnehmen. Und um der nächsten Liebe gleich wieder eine Chance zu geben, wird auch eine Scheidungs-Party organisiert.

Auch Break-Up-Partys bieten eine angenehme Ablenkung. Laut Definition wird die Couch und der riesen Eisbecher einfach mit den Freunden geteilt – Lästern erlaubt.


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