Dienstag, 21.09.2021, 12:30 Uhr

Von Online zu Präsenz: Das erste Mal in die Hochschule

Mein Laptop war im Onlinesemester nur selten ausgeschaltet. Foto: Otte

Für Junge-Szene-Beauftragte Alessa Otte beginnt nächsten Monat ihr erstes Semester in Präsenz. Sie freut ihre Kommilitonen kennen zu lernen, die Hochschule endlich von innen sehen zu dürfen und nicht mehr den ganzen Tag auf einen Bildschirm starren zu müssen. Auf ein Privileg des Onlinesemesters verzichtet sie allerdings nur ungern.

Mein Studium begann im Wintersemester 2020/2021 an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Bis heute habe ich nicht eine Vorlesung in Präsenz erlebt. Das erste Jahr meines Studiums bestand komplett aus Onlinevorlesungen und auch meine ersten beiden Prüfungen habe ich in der Küche meiner WG geschrieben. Keine Ersti-Partys, keine WG-Partys, kein großes Kennenlernen und auch meine Dozenten kenne ich bis heute nur über einen Bildschirm. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich.

Der Winter 2020 war hart, und so auch mein Semester. Bei den Vorlesungen mit rund 90 Teilnehmern sieht man nichts außer einer Zoom-Wand aus schwarzen Kacheln mit unbekannten Namen. Niemand traut sich, seine Kamera anzumachen, geschweige denn etwas zu sagen. Bei inhaltlichen Fragen sollten immer E-Mails an die zuständigen Dozenten geschrieben werden. Oft habe ich lieber auf Biegen und Brechen versucht selbst eine Lösung für meine Probleme zu finden, als fremde Dozenten mit meinen Fragen zu nerven.

Den Studienstart anders vorgestellt

Meinen Studienstart habe ich mir, wie auch viele andere, komplett anders vorgestellt. Im zweiten Semester wurde es etwas besser. Ich habe es geschafft, Kontakt zu anderen Kommilitonen aufzubauen. Doch so richtig wohl, geschweige denn „zu Hause“, fühle ich mich in der Stadt, in der ich studiere, noch immer nicht. Das kann auch daran liegen, dass ich durch Corona nicht sonderlich viel Zeit dort verbracht habe.

Warum auch? In meiner Heimat konnte ich meinen Laptop schließlich genauso gut benutzen und hatte wenigstens meine Eltern und Freunde um mich herum.

Meine Hochschule geht ebenfalls davon aus, dieses Semester viel in Präsenz machen zu können. Und auch wenn ich bereits ein Jahr Studium hinter mir habe, fühlt es sich an, als ob ich als Ersti an die Uni komme. Die Hochschule habe ich bisher vielleicht zwei Mal von innen gesehen, rund 80 Prozent meiner Kommilitonen habe ich bis heute nicht kennengelernt und auch die Dozenten werde ich im kommenden Semester das erste Mal live und in Farbe treffen.

Hörsäle von innen sehen

Ich freue mich sehr auf das neue Semester. Ich freue mich, die Hörsäle von innen zu sehen. Ich freue mich, meine Kommilitonen richtig kennenzulernen. Ich freue mich, die Miete für meine Wohnung nicht umsonst zahlen zu müssen und ich freue mich, endlich ein richtiges Studentenleben führen zu können. Natürlich habe ich auch etwas Respekt davor, mir die erste Vorlesung um 8 Uhr morgens nicht mehr im Bett mit einer Tasse Kaffee anhören zu können, sondern wirklich in der Uni sitzen zu müssen. Aber Stand jetzt überwiegt die Vorfreude auf einen geregelten Tagesablauf. Zumindest so geregelt, wie der Tag bei Studenten eben ablaufen könnte.

Eure Alessa


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