Freitag, 24.06.2016, 16:31 Uhr

Nur Freunde? Da geht doch was!

„Ich hab auch viele Jungs als Freunde“, sagt Marie Stahnke (17) aus Alfeld. „Als Mädchen macht man Mädchen-Sachen und mit Jungen kann man Neues ausprobieren.“

Der 24-jährige Eric Nagel aus Clausthal-Zellerfeld ist sich sicher: „Natürlich können Jungs und Mädchen befreundet sein. Bei mir funktioniert es schließlich auch.“

„Richtig enge Freunde können Jungs und Mädchen nicht werden. Je enger es wird, desto eher verliebt sich jemand“, sagt die 20-jährige Selina Giesel aus Goslar.

„Eine Freundschaft zwischen Jungs und Mädchen kann wunderbar funktionieren. Ich hab auch einige Freundinnen“, sagt Marcel Reichert (21) aus Goslar.

Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen – kann das gut gehen? Dates, die eigentlich keine sind, DVD-Abende, die wirklich nur DVD-Abende sind, und der Kaffee bleibt auch nur ein Kaffee.

Wie bei so einigen Themen, spalten sich auch hier die Gemüter. Psychologen, die einer Freundschaft zwischen Männern und Frauen mit rein freundschaftlichen Gefühlen entgegenstehen, sprechen vom „Harry-und-Sally-Syndrom“. In der amerikanischen Liebeskomödie „Harry und Sally“ ist Harry nämlich der Meinung, dass „Männer und Frauen nie Freunde sein können, der Sex steht immer zwischen ihnen.“

Also wird es immer einen geben, der bei dem Satz „Willst du noch auf einen Kaffee mit hochkommen?“ hofft, dass „Kaffee“ ein Codewort für ein paar intime Stunden ist? Einige Studien belegen diese These. Psychologen der Uni Oldenburg stellten fest, dass sich 44 Prozent der befragten Männer von ihrer besten Freundin angezogen fühlen.

Dass Jungs viele Mädchen als Freunde haben können, zeigte eine Studie der Australian Catholic University. 1970 Freundschaften wurden dabei untersucht und es stellte sich heraus, dass Jungs mit Empathie besonders viele Mädchen im Freundeskreis hatten. In der Studie heißt es, dass sich Jungs, die das persönliche Gespräch suchen, eher an Mädchen wenden.

Tatsächlich nur Triebe?

Wissenschaftliche Studien geben also unterschiedliche Eindrücke, ob das mit der Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen tatsächlich klappen kann. Die Junge Szene hat bei Claudia Brümmer nachgefragt, der Jugendpsychologin des Landkreises Goslar.

Sie weist zunächst unabhängig von ihrer eigenen Meinung auf die These des Psychologen Sigmund Freud hin. Dieser stellte die Theorie auf, dass eine Zuneigung innerhalb einer Freundschaft immer auf dem Sexualtrieb basiert, den jeder selbst umlenken muss.

Brümmer selbst vertritt eine andere Meinung. Dafür setzt sie einen wichtigen Standpunkt voraus: „Im Idealfall sind sich beide Seiten bewusst, dass es keine sexuelle Beziehung geben kann. Das sollte unbedingt im Voraus geklärt werden. Allerdings können sich Gefühle später entwickeln.“

Besonders in der Teenager-Zeit sei es für Jugendliche wichtig, die Meinung des anderen Geschlechts zu kennen. Gerade in dieser Phase könne eine Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen gestärkt werden.

Die Psychologin appelliert zudem an positive Auswirkungen einer solchen Beziehung auf die eigene Entwicklung. „Es ist immer gut, die andere Sichtweise zu kennen.“ Allerdings käme es immer auf die individuellen Situationen an, so Brümmer. „Man muss auch betrachten, wie der Einzelne im Leben steht und in welcher emotionalen Lage er sich befindet“, erklärt die Psychologin. „Wenn jemand gerade in einer Krise steckt und die Freundschaft als einzigen Halt sieht, können sich eher Gefühle entwickeln.“

Zudem spiele es eine Rolle, ob Mädchen und Junge in einer Beziehung sind. „Das legt zwar die Fronten fest, könnte aber Eifersucht beim Partner hervorrufen“, erklärt Brümmer.

Die Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen hält offensichtlich einige Herausforderungen für beide Seiten bereit. Dennoch zeigt sich im wahren Leben, außerhalb der Romantik-Komödien, dass es möglich ist.


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