Montag, 30.05.2016, 16:21 Uhr

„Find Faces“: Stalking statt Flirten

Neue App in Russland ermöglicht das Finden von Fremden im Internet Mit der russischen App können User den Namen und weitere Details einer fremden Person herausfinden. Foto: Sowa

Das kennt doch bestimmt jeder: Der Sitznachbar in der Bahn sieht unglaublich sympathisch aus, aber unsere Schüchternheit hindert uns daran, ihn anzusprechen.

Wenn sich bei der nächsten Haltestelle die Türen öffnen und der oder die Unbekannte aussteigt, dann ist es doch irgendwie schade, dass wir diese Person wahrscheinlich niemals kennenlernen werden.

Aufgrund dieser alltäglichen Situation hat der russische Erfinder namens Atriem Kucharenko eine Gesichtsfinder-App entwickelt. Die war ursprünglich für ein Sicherheitsunternehmen geplant, jetzt kann „Find Faces“ theoretisch jeder russische Bürger benutzen.

Da die Schüchternheit im Netz bekanntlich kleiner ist, soll die App besonders introvertierten Personen dabei helfen, neue Leute kennenzulernen. Der Nutzer schießt ein Foto seines Gegenübers (zum Beispiel des besagten Sitznachbars), um dann online nach dem Namen und weiteren Details zu suchen.

Die App ist mit dem russischen sozialen Netzwerk „Vkontakte“ verbunden. So kann ein einfaches Foto zum Profil des (noch) Unbekannten führen und den Onlinekontakt herstellen.

Experten warnen vor Stalking und der hohen Einschränkung der Privatsphäre. Mit „Find Face“ wurden bereits dunkle Geheimnisse aufgedeckt: Durch die Gesichtserkennung haben User die bürgerlichen Namen und Internetprofile von Pornodarstellern ermittelt und diese im Netz veröffentlicht. Hier in Deutschland wäre die Entwicklung und Nutzung einer solchen App aus Datenschutzgründen vermutlich nicht erlaubt.


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