Müll, Mikroplastik und Ausbeutung
Donnerstag, 15.09.2022 , 08:30 Uhr

Fast Fashion: Wer zahlt dafür den Preis?

Ständig wechselnde Modetrends sind vielleicht schön anzusehen, bringt jedoch viele Probleme mit sich. Wer und was alles unter dem Fast-Fashion-Trend leidet und warum „Nachhaltigkeit“ oft Auslegungssache des jeweiligen Unternehmens ist.

Influencer und Modeketten setzten in Rekordzeit neue Trends

Influencer und Modeketten setzten in Rekordzeit neue Trends. Foto: Unsplash

Modetrends ändern sich gefühlt täglich. Am Mittwoch ist die neue Jeans noch total in, und am Donnerstag kann man so was aus der Zeit Gefallenes schon nicht mehr anziehen. Den ständigen Wechsel neuer Modetrends und den Drang der Jugendlichen, modisch immer topaktuell zu sein, machen sich viele Modeunternehmen zunutze. Der Schlüsselbegriff ist Fast Fashion. Doch wer zahlt am Ende den Preis, wenn T-Shirts für drei Euro angeboten werden?

Viel Kleidung, wenig Zeit

Der Begriff Fast Fashion bezieht sich in erster Line auf den schnellen Wechsel der Trends und die vielen Kollektionen, die jedes Jahr angeboten werden. Die Marktführer H&M und Zara bringen beispielsweise bis zu 24 Kollektionen pro Jahr auf den Markt.

Außerdem verstecken sich folgende Details hinter Fast Fashion: Produktion in Rekordzeit, Schnäppchenpreise, schlechte Arbeitsbedingungen, minderwertige Qualität und Ausbeutung der Arbeitskräfte. Für die schnelle Mode zahlen sowohl viele Menschen als auch die Umwelt einen hohen Preis.

Wer muss leiden?

Die beiden großen Verlierer von Fast Fashion sind die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Kleiderfabriken und die Umwelt.

Unter den Näherinnen und Nähern in den Textilfabriken sind auch viele Kinder und Jugendliche. Sie arbeiten den ganzen Tag für extrem wenig Geld. Der Mindestlohn ist unvorstellbar und auch Überstunden werden nicht bezahlt. Dazu kommt, dass die Fabriken oft in einem sehr schlechten Zustand sind.

Die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ist am 24. April 2013 eingestürzt und riss über 1000 Menschen in den Tod. Dieses Ereignis sorgte zwar dafür, dass die Themen Arbeitsbedingungen und Sicherheit in den Vordergrund rutschten, allerdings macht der Preiskampf in der Modeindustrie möglichen Verbesserungen einen Strich durch die Rechnung.

Da die verschiedenen Kleidungsstücke in sehr großen Mengen produziert werden, leiden nicht nur die Menschen unter extremem Zeit- und Leistungsdruck, auch die Qualität der Klamotten lässt dementsprechend zu wünschen übrig. Dies hat zur Folge, dass viel Müll entsteht.

Bei vielen Textilien wird Polyester verwendet – eine der am häufigsten hergestellten synthetischen Fasern, ist eine Hauptursache für das viele Mikroplastik im Meer. Bei jedem Waschgang gelangen Tausende Kunstfaserpartikel in den Abfluss. Laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) kommen rund35 Prozent des Mikroplastiks in den Meeren aus Textilien. Greenpeace erläutert ein weiteres Problem mit Polyester: „Kunstfasern werden aus Erdöl hergestellt, dazu ist viel Energie notwendig, weit mehr als bei der Baumwollproduktion. Die meist genutzte Kunstfaser ist Polyester. Sie hat inzwischen einen Anteil von über 60 Prozent der in Textilien eingesetzten Fasern.“

Rechtliches Schlupfloch

Vielen jungen Menschen wird Nachhaltigkeit in ihrem Leben immer wichtiger. Sie achten auf ressourcenschonende und recycelbare Produkte. Mit dem Fast Fashion Trend ist das eigentlich nicht zu kombinieren.

Viele große Modeketten lassen sich von dem Hype um Nachhaltigkeit allerdings nicht inspirieren, sondern machen sich den Begriff zunutze. Das Wort Nachhaltigkeit ist rechtlich nämlich nicht geschützt. Das macht es den Verbrauchern schwer nachzuvollziehen, was genau gemeint ist, wenn von nachhaltiger Produktion gesprochen wird. Jedes Modeunternehmen kann selbst festlegen, welche Maßnahmen „nachhaltig genug“ sind, um sich mit dem Begriff zu schmücken.

Fast Fashion vermeiden

Eine der wichtigsten Regeln, um den fast Fashion Trend zu vermeiden: Weniger ist mehr. Niemand braucht stapelweise Klamotten, wovon oft nur die Hälfte angezogen wird. Bewusster einkaufen spart nicht nur Geld und Platz, sondern tut auch der Umwelt gut. 

Die Bloggerin und Influencerin Sofia Tsakiridou zeigt eine Kreation im Rahmen der Show «Rethink Fashion» von Perwoll bei der About You Fashion Week im Kraftwerk Berlin und hält ein Schild mit der Aufschrift "Rework - Slow down fast fashion". Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Sehr beliebt bei jungen Erwachsenen sind Second-Hand-Läden. Dort kann größtenteils ohne schlechtes Gewissen eingekauft werden, denn oft sind die Stücke recht preiswert und ihnen wird ein neues Leben geschenkt und vor dem Müll bewahrt. Eine andere Möglichkeit, um zum Beispiel ältere Klamotten wieder aufzupeppen, ist das sogenannte Upcycling. Dabei kann jeder seiner Kleidung ganz neuen Glanz verleihen. Die gute Nachricht ist: Niemand muss dafür ein ausgebildeter Designer sein. Auf verschiedensten Social-Media-Plattformen gibt es unendlich viele Do-it-Yourself Videos. Mit solch einer Anleitung sollte jeden das Upcycling gelingen. Außerdem dienen die Videos auch als zusätzliche Inspiration.

Früher oder später braucht allerdings jeder mal ein paar neue Kleidungsstücke. Dabei sollte sich am besten vorher informiert werden, wo in der Nähe Kleidung verkauft wird, die unter fairen Bedingungen produziert wurde und wichtige Nachhaltigkeitsstandards einhält. Oft kosten diese Produkte mehr als bei den großen Modeketten. Dafür sind die aber qualitativ hochwertiger und halten länger.


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