Freitag, 03.06.2016, 16:37 Uhr

Eigentlich sind wir alle Naturburschen

Namasté: Der Wald lädt zum Entspannen ein. Foto: privat

Wusstet ihr, dass wir eine Beziehung mit der Natur führen? Und zwar auf einer tiefgründigen, emotionalen Basis. Auch die Zocker, die täglich in der Bude sitzen und nur gelegentlich aus dem Fenster sehen.

Wir alle sind Naturburschen – und -burschinnen, ob wir wollen oder nicht.

Friedhart Knolle, der Pressesprecher des Nationalpark Harz, kennt diese emotionale Beziehung mit der Natur nur zu gut. Ihm zufolge unterschätze die Gesellschaft die Macht der Natur, besonders wenn es um das individuelle Verhältnis zwischen Mensch und Natur gehe. „Viele vergessen, dass wir Tiere sind, die aus dem Wald kommen. Wir brauchen das Grüne zum Überleben“, erklärt Knolle.

Doktor Wald

Und nicht nur das. Immer wieder zeigen Studien, dass Aktivitäten in der Natur eine positive Auswirkung auf die menschliche Psyche haben, gerade bei Jugendlichen. So auch eine Studie der Harvard-Universität, die im April veröffentlicht wurde. Dafür wurden 100000 Krankenschwestern aus verschiedenen Orten in den USA acht Jahre lang untersucht. Die Forscher betrachteten dabei den Zusammenhang zwischen der Sterblichkeitsrate und der jeweiligen Aufenthalte im Grünen. Es zeigte sich, dass es in dieser Zeit in grünen Gegenden zwölf Prozent weniger Todesfälle gab, als in stark bebauten Gegenden. Zudem bemerkten die Forscher, dass Menschen, die nahe an Parkanlagen wohnten, viel seltener an Depressionen litten.

„Das ist das Geheimnis des Harztourismus“, sagt Knolle. „Die Leute fahren ins Grüne, um sich zu entspannen und das entscheiden sie intuitiv. Das gilt übrigens für alle Nationen.“ Schon der Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt erkannte im Jahr 1845, dass die Natur Emotionen im Menschen auslöst. Die Natur wirke sich auf die Psyche aus und die Psyche wiederum beeinflusse das Verhalten. „Wandern ist Wellness im Wald“, beschreibt Knolle und weist auf eine weitere Studie hin: „Japanische Forscher bemerkten, dass Patienten, die in einem Krankenhauszimmer mit Fenster und Blick ins Grüne, schneller gesund wurden, als Patienten im Zimmer ohne Ausblick.“

Wenn der Stubenhocker nur einen kurzen Blick in den grünen Garten oder auf den Baum vor der Haustür wirft, tut er sich selbst also schon etwas Gutes. Den Begriff „Ökotherapie“ gibt es seit 1984. Aber schon vor vielen Jahren begannen Ärzte auf der ganzen Welt, Aufenthalte in der Natur zu verschreiben. Die Organisation „Natural England“ beschrieb in einem Bericht, wie Menschen mit psychischen Problemen von Aktivitäten im Grünen profitieren.

Pschotop

„Dabei muss es sich nicht einmal um eine riesige Grünfläche oder einen dichten Wald handeln. Meist reichen schon ein paar Parks oder Bäume“, erklärt der Vertreter des Nationalpark Harz.

Der Architekt Richard Neutra prägte im 20. Jahrhundert den Begriff „Psychotop“, der diese emotionale und in den Genen verankerte Beziehung zwischen Mensch und Natur beschreibt. Neutra erkannte, dass sich die Umweltstruktur und die Atmosphäre immer auf die menschliche Psyche auswirken.


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