Freitag, 08.07.2016, 15:04 Uhr

Der letzte Ausweg muss der richtige sein

Das Krav Maga-Team Florian Wildmann (rechts), Jill Wildmann (Mitte) und Frank Großklags (2. von rechts) zeigen den Teilnehmerinnen (Vorne von rechts) Nala Kluge, Jonna Wildmann, (Hinten von links) Kiara Kluge, Guelina Mahnkopp, Anna Rosso, Iris Matthies und Jana Skrzypczak, wie sie sich in gefährlichen Situationen verteidigen. Fotos: Roß

Guelina nimmt ihren Angreifer in den Schwitzkasten, damit sich Jonna befreien kann.

Treten muss gelernt sein: Frank und Jill zeigen mir verschiedene Techniken.

Goslar. Regel Nummer 1: Schreien, so laut es geht. Regel Nummer 2: Weglaufen, so schnell es geht. Schon diese beiden Regeln können unser Leben retten. Doch was, wenn wir nicht weglaufen können?

Was, wenn wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind? Oft haben wir mehr Glück, als wir denken. Das wurde mir klar, als ich zu Gast im neuen Krav Maga-Studio in Goslar war. Krav Maga ist eine Art der Selbstverteidigung, die in Israel entwickelt wurde. Dabei sollen Menschen lernen, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und richtig zu handeln. Das Krav-MagaTeam, bestehend aus Florian und Jill Wildmann, Frank Großklags und Friederike Stachow, hat sich auf Frauen und Kinder spezialisiert.

Um ehrlich zu sein, hätte ich vor dieser Trainingseinheit vermutlich alles falsch gemacht, was in einer Gefahren-Situation falsch gemacht werden kann. Ich lernte nicht nur, was es bedeutet sich zu verteidigen, sondern auch, welche Gefahren tatsächlich im Alltag lauern.

Wie verhalte ich mich, wenn mir jemand von hinten an den Haaren zieht? Was kann ich tun, wenn mehrere Personen auf mich losgehen? Solche Szenen werden beim Krav Maga nachgestellt. Dabei soll es die Teilnehmer jedoch nicht bestärken, einen Streit anzuzetteln, im Gegenteil. „Es geht hier nicht darum, Gewalt anzuwenden, sondern einen Ausweg zu finden“, erklärt Trainer Frank Großklags.

Überraschungs-Angriff

Krav Maga ist zudem überraschend, denn selten ist ein Angriff vorherzusehen. Beim Training gilt das ebenfalls. Während ich mich auf die richtige und schnelle Ausführung der Schläge konzentriere, werde ich unerwartet von hinten gepackt und zu Boden gerissen. Normalerweise wäre ich in Schockstarre verfallen. Diesmal versuche ich, mich lauthals aus den Griffen zu befreien.

„Krav Maga ist nicht leise. Krav Maga ist laut. Sehr laut. Nur so könnt ihr auf euch aufmerksam machen“, erläutert Großklags. Zu einem gezielten Verteidigungsschlag gehört also ein Schrei. Die 12-jährige Guelina macht es vor. Sie absolviert derzeit die Lizenz zur Jugendtrainerin und führt die Gruppe zur Übung durch das Aufwärmtraining. Bei ihr sitzt jeder Schlag und jeder Tritt. Bei mir hingegen kommt oftmals der Reflex dazwischen.

Es ist zum Beispiel nicht ratsam, den Kopf wegzuziehen, wenn jemand nach den Haaren greift. Viel wichtiger ist es, die Hand des Angreifers zu fixieren und ihn durch schnelle, gezielte Schläge zwischen die Beine und ins Gesicht abzuwehren.

Ich merke schnell, dass Krav Maga bedeutet, sich zu trauen. „Es macht ziemlich Spaß, weil man hier alles rauslassen kann“, sagt die13-jährige Kiara Kluge, die seit zwei Monaten dabei ist. Und auch, wenn das Gelernte hoffentlich nie im Alltag angewendet werden muss, hat das Ganze einen angenehmen Nebeneffekt: Es hält fit, das bemerkte ich schon beim Aufwärmen.


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