Sonntag, 22.11.2020

Haaland und Moukoko verzücken den BVB

Bundesliga-Debüt

Berlin (dpa) - Rekordjunge Youssoufa Moukoko drehte nach seinem Debüt für die Geschichtsbücher noch ein paar Extrarunden. Da rutschte Tormaschine Erling Haaland ein Seitenhieb in Richtung der gerade überflügelten Konkurrenz heraus.

Das Brausegetränk von RB Leipzigs Geldgeber sei das Wundermittel gewesen, das ihm in der Halbzeitpause die Kraft für seinen ersten Viererpack beim 5:2-Sieg bei Hertha BSC verliehen hätte, berichtete Borussia Dortmunds blonder Sturmhüne und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Die Aussicht, künftig regelmäßig gemeinsam mit Moukoko auf Torejagd gehen zu können, versetzte den Norweger in noch größere Hochstimmung. «Ich würde es lieben, mit ihm zu spielen. Er ist das größte Talent der Welt und hat eine tolle Karriere vor sich», sagte der Jungstar über den noch jüngeren Jungstar. Moukoko sprintete derweil am Abend nach seinem 16. Geburtstag mit schwarzen Handschuhen und neongelben Schuhen zu ersten Regeneration über den Rasen des Olympiastadions.

Nach dem Acht-Minuten-Debüt in der Fußball-Bundesliga hätte Trainer Lucien Favre seinen Rekord-Junioren am liebsten gleich wieder ein bisschen in Watte gepackt. «Da müssen wir aufpassen. Niemand hat ihn gesehen, niemand kennt ihn und alle sagen, er wird sooo», sagte der BVB-Coach und verdeutlichte mit seinen ausholenden Armen, wo die Reise für Moukoko hingehen könnte. Ganz weit nach oben.

Fast ganz oben steht Dortmund dank Haalands Tor-Explosion wieder einmal. Aber eben wieder nur fast. Immerhin RB Leipzig wurde am achten Spieltag überrundet. Bei noch einem Punkt Rückstand auf den ewig übermächtigen FC Bayern hatte Favre aber überhaupt keine Lust, über die Kraftverhältnisse im nächsten Titelkampf zu reden. «Wir sprechen nicht darüber», sagte der Borussen-Trainer. «Ich kenne die Tabelle. Es ist wichtig zu gewinnen», raunzte der 63-Jährige. Dieses Thema sollte ihm die gute Laune nicht verderben.

Haalands irre Tore-Show mit einem Hattrick in 15 Minuten nach dem Seitenwechsel und dem gnadenlosen Finish kurz vor Schluss gegen die bemitleidenswerten Berliner kam Favre hingegen recht. Der Blondschopf lenkte die Aufmerksamkeit weg von Moukoko. Der Spielfilm des höchsten Dortmunder Sieges im Olympiastadion seit dem legendären 5:2 im Pokalfinale gegen den FC Bayern 2012 passte für den Trainer perfekt.

Im riesigen Schatten von Hüne Haaland konnte Moukoko seine allseits erwarteten ersten Liga-Minuten in Ruhe herunterspulen. Noch eine weitere Woche des Wartens auf den Rekord vor der nächsten Liga-Partie gegen den 1. FC Köln hätte den zuletzt maximal gehypten Jugendstürmer womöglich unnötig abgelenkt. «Die Entscheidung ist heute gefallen. Und zwar zehn Minuten vor Schluss», beteuerte Favre den spontanen Entschluss zu der späten Einwechslung.

Weitere Einsätze Moukokos würden schon kommen, Garantien gab es von Favre aber nicht. Der Schweizer verwies auf die geballte Jugendkraft der Dortmunder mit Anführer Haaland (20), Jadon Sancho (20), Giovanni Reyna (18) und Jude Bellingham (17). Wenn der BVB am Dienstag gegen den FC Brügge in der Champions League spielt, hat Moukoko nach derzeitigem Stand eine Pause. Für einen Einsatz in der Königsklasse müsste die Borussia ihn bis Montagabend auf die sogenannte B-Liste setzen lassen. Dann könnte der Teenager auch zum jüngsten Akteur in der Champions League werden.

Haaland brennt aber schon auf weitere Tore. In Berlin hatte Favre lieber nochmal nachgefragt. Drei oder vier? Wie viele Tore waren es denn nun? Der Schweizer war beim Wirbel etwas durcheinander gekommen. Dem früheren Frankfurter Luka Jovic luchste Haaland den Rekord als jüngster Viererpacker der Liga ab. «Es ist ein perfektes Jahr für mich. Ich werde alles geben und nicht aufhören», kündigte er an. Das klang für die Konkurrenz wie eine ernstzunehmende Drohung.

Seit seinem Wechsel von Red Bull Salzburg, wo Haaland schon die Wirkung einer Halbzeiterfrischung getestet haben dürfte, hat er für den BVB in 22 Bundesliga-Spielen nun 23 Tore erzielt. Die Wahl zum «Golden Boy» des europäischen Fußballs durch eine Journalisten-Jury als ein Nachfolger von Kylian Mbappé passt in die Erfolgsgeschichte.

Nur Haaland kann mit Bayerns Robert Lewandowski derzeit einigermaßen Schritt halten. In der laufenden Saison steht es noch 11:10 für den Münchner. «Er ist eiskalt», beschrieb Hertha-Trainer Bruno Labbadia, einst 103 Mal als Stürmer in der Bundesliga erfolgreich, sein Leid.

© dpa-infocom, dpa:201122-99-419589/9

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