Montag, 06.01.2020, 09:00 Uhr

Vögel den Winter über füttern – wie geht das richtig?

So wie wir Menschen verschiedene Gebäudetypen bevorzugen, brauchen auch die Vögel ihren ganz speziellen Nistkasten. Fotos: Seilkopf

Goslar. Darüber, ob und wie man Vögel im Winter füttern sollte, sprachen wir mit Wolfgang Moldehn (72). Er ist der erste Vorsitzende vom Verein Naturschutzbund-Kreisverband Goslar. Auf Sauberkeit und Höhe achten, Futtersäule statt Häuschen wählen Von Antje Seilkopf

In diesem Artikel:

 

Sollte man im Winter Vögel füttern?

Moldehn: Vögel füttern im Winter ist grundsätzlich eine gute Sache. Das unterstützt auch der Fachmann in diesem Bereich, Professor Peter Berthold. Alle Tiere, die im Nordharzbereich bleiben und keine Zugvögel sind, profitieren davon. Meisenarten wie Kohlmeise, Blaumeise und Haubenmeise, Feldsperlinge, Kleiber, Berg- und Buchfink, Zeisig und Heckenbraunelle fallen mir spontan ein. All diese Vögel und viele mehr sind dankbar für Futter im Winter. Das A und O ist dabei allerdings die Sauberkeit des Futterplatzes. Krankheiten und Infektionen breiten sich sonst unglaublich schnell aus. Und wir Menschen wollen ja auch nicht von einem schmutzigen Teller essen.

Wie genau sorgt man für Sauberkeit am Futterplatz?

Moldehn: Eines müssen wir den Leuten unbedingt ans Herz legen: Die Futterplätze müssen mindestens einmal pro Woche gründlich gereinigt werden. Am besten fegt man die Reste des Futters aus und überbrüht die Fläche mit heißem Wasser. Tut man das nicht, besteht die Gefahr, dass der Futterplatz so verschmutzt wird, dass sich Bakterien und Viren ungebremst ausbreiten können. Aus diesem Grund hatten wir ja im letzten Jahr das Amselsterben. Da hatten wir schwere Einbußen, das soll nicht wieder geschehen. Sauberkeit hilft übrigens auch dabei, den Futterplatz vor Ratten und Mäusen zu schützen. Die kommen, wenn rundum zu viel herumliegt.

Wie oft und wieviel sollte man denn füttern?

Moldehn: Mal vorab: Vögel füttern ist nicht, einmal die Woche was ins Häuschen füllen. Da übernimmt man auch eine Verantwortung und muss sich kümmern. Es genügt völlig, morgens so viel reinzulegen, dass die Futterfläche gerade so bedeckt ist, abends dann noch einmal. Amseln nehmen auch gerne Rosinen und kleine Apfelstückchen. Übrigens ist es gut, den Tieren auch etwas zu trinken anzubieten, frisches klares Wasser. Das sollte natürlich jeden Tag gewechselt werden – am besten zweimal. Wasser raus, heißes Wasser über den Napf und neues Wasser rein. Fertig.

Was halten Sie von Meisen-Knödeln, die der Handel mit Beginn der Lebkuchenzeit anbietet?

Moldehn: Nichts, denn diese Knödel mit den Plastiknetzen drumherum sind eine Gefahr für die Tiere. Sie können an den Netzen hängen bleiben und elend verenden. Dazu kommt, dass oft Futtermischungen aus anderen Ländern verkauft werden. Dann wundert man sich, dass plötzlich neue Pflanzen im Garten wachsen, Schädlinge auftauchen. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern zum Beispiel bietet Knödel an, die in einer Art Zellstoffnetz hängen. Die können die Tiere problemlos zerreißen. Futtersäulen sind einwandfrei besser, weil die Tiere nicht hängen bleiben können. Außerdem wird da nichts durch den Kot der Tiere verschmutzt. Das Futter rutscht nach, das ist einfach sauberer.

Wie bereiten Sie die Fütter-Saison für Vögel vor?

Moldehn: Die Tiere brauchen neben den Körnern ja auch Eiweiß. Wir holen deshalb Wintervogelfutter und trockenes Insektenfutter und vermischen das in einem großen Topf mit erhitztem Rindertalg. Daraus formen wir Klöße oder gießen die Mischung in Tontöpfe, durch die zuvor ein gut 30 Zentimeter langer Stock gesteckt wurde. Das Ganze härtet aus und wird in die Bäume gehängt, fertig. So bekommen die Tiere das Fett, das sie brauchen. Statt Rindertalg kann man auch Kokosfett verwenden. Keinesfalls jedoch Palmöl nehmen, dafür wird beim Anbau ökologisch ein zu großer Schaden angerichtet. Auch Schweinefett ist ungeeignet. Wir füttern übrigens immer auch Mehlwürmer, damit die Tiere ihre Eiweißration bekommen.

Wie sorgt man am besten für die Sicherheit der Vögel beim Fressen?

So wie wir Menschen verschiedene Gebäudetypen bevorzugen, brauchen auch die Vögel ihren ganz speziellen Nistkasten. Fotos: Seilkopf

Moldehn: Wenigstens 150 bis 160 Zentimeter hoch sollten die Knödel hängen. 2,50 Meter wäre die ideale Höhe – da sind die Vögel dann auch hundertprozentig sicher vor Katzen. Übrigens wird das oft unterschätzt und falsch dargestellt: Wir haben irre Verluste an Vögeln in der Brutzeit. Die Katzen holen sich die Kleinen, auch wenn das die Freunde der Stubentiger nicht gerne hören. Ein ganz großes Problem der letzten Jahre ist der Waschbär. Gerade aus dem Bad Harzburger Raum haben wir schon viele Fotos und Anrufe bekommen. Das sind wirkliche Turnkünstler, dagegen sind Katzen ja Waisenknaben. Den Waschbären kann man ihren Aufenthalt nur so ungemütlich wie möglich machen.

Eichhörnchen machen sich ja auch ganz gerne in Vogelhäuschen breit. Was kann man dagegen tun? 

Moldehn: Wir haben einen Futterkasten für Eichhörnchen. Die Tiere sehen die Nüsse in dem Kasten durch eine Plexiglas-Scheibe und sind klug genug, den Deckel zu heben und sie sich zu holen. Wenn die so beschäftigt sind, haben die Vögel Ruhe vor den Eichhörnchen. Wie es die Eichhörnchen untereinander weitersagen, wissen wir nicht. Doch war erst eines da, kommen immer mehr. Das funktioniert. Die Häuschen sind bei uns gegen eine Spende zu haben.

Was sollte man nicht füttern?

Moldehn: Auf keinen Fall Reste der eigenen Mahlzeiten. Gesalzene Erdnusskerne sind das Schlimmste, was man als Futter für die Vögel auslegen kann. Auch angefaultes Obst ist für die Tiere nicht gesund. Und keinesfalls sollte man Brot ins Futterhäuschen legen. Das quillt in den kleinen Mägen auf, die Tiere sterben daran.

Was können Eltern und Kinder tun, um den Vögeln über die kalte Jahreszeit zu helfen?

Moldehn: Es ist schade, dass immer weniger Eltern in der Vorwinterzeit mit ihren Kindern Futterhäuschen bauen. Das ist doch eine tolle Sache. Die Vögel können jede Hilfe brauchen, um gut über den Winter zu kommen. Werden die Kästen an der richtigen Stelle angebracht und regelmäßig gesäubert, bekommen die Kinder zur Belohnung ja einen ganz engen Kontakt zu diesen wunderbaren Tieren. Das macht Freude und kann das Interesse für die Natur wecken. Bauen wir die Vogelhäuschen in den Schulen, sind die Kinder jedenfalls immer sehr begeistert.

 

Wer nun mehr über das Füttern der gefiederten Sänger wissen möchte, dem empfiehlt der Nabu-Vorsitzende das Buch von Peter Berthold und Gabriele Mohr: „Vögel füttern, aber richtig: Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen.“

 

Kontaktadresse:

NABU Kreisgruppe Goslar e. V.

 

Kreisgeschäftsstelle:

Petersilienstr. 23

38640 Goslar

Tel.: 05321/469 3682

Mail: info@nabu-goslar.de

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