Montag, 06.01.2020, 11:34 Uhr

Osteoporose – Fünf Punkte für ein aktives, gesundes Leben bis ins hohe Alter.

Ernährung, Bewegung und Sonnenlicht stärken die Knochen.

Goslar. Ist Osteoporose eine Volkskrankheit? Dr. Thomas Peterson, Chefarzt der Unfall-, Wiederherstellung und Handchirurgie an der Harzklinik Goslar, bestätigt das. „Osteoporose, die drastische Verringerung von Knochenmasse, ist inzwischen eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland“, sagt der 62-jährige Mediziner. Die Krankheit mache die Knochen mit zunehmendem Alter anfälliger für Knochenbrüche. Von Antje Seilkopf

Da immer mehr Menschen immer älter werden und länger leben dürfen, nehme naturgemäß auch die Zahl derer zu, die durch kleine Fehltritte komplizierte Bruchverletzungen erleiden. „Typisch dafür sind Brüche an Handgelenk, Oberarm, Oberschenkel und Hüftgelenk.“ Hier komme es bei Menschen, die unter Osteoporose leiden, zu sehr komplexen Brüchen. Das Problem dabei: Die „Frakturen“, wie sie der Fachmann nennt, sind schwieriger zu versorgen, da in der osteoporotischen Knochenmasse Schrauben zur Fixierung nicht oder nur schlecht halten. Dr. Peterson: „Ist die Basis stabiler, sprich ist genügend Knochenmasse da, dann halten auch die Schrauben besser und die Chance auf Heilung ist gut.“

Doch soweit muss es gar nicht erst kommen, wenn man einiges über die Krankheit weiß und viel dafür tut, damit sie möglichst ganz ausbleibt.  Fünf Punkte führt der Mediziner auf, die Osteoporose verzögern, beziehungsweise bis ins hohe Alter verhindern können.

1. Schon im Kindesalter Knochenmasse aufbauen

Laufen, Springen, Turnen, Radfahren – also einfach intensiv bewegen – das ist das Beste, was Kinder bereits in jungen Jahren tun können. „Da hier die Basis für die Knochenmasse gelegt wird, bringt Bewegung der Muskeln einfach sehr viel. Knochenmasse bildet sich durch körperliche Bewegung“, erklärt der Fachmann. Wer also schon im Grundschulalter lange unbeweglich am Computer sitzt, dabei auch noch Süßigkeiten in sich hineinstopft, der tut sich nichts Gutes. Denn bleibt die Bewegung aus, bekommen die Knochen wenig Anreiz, zu wachsen und an Festigkeit zuzunehmen. Die höchste Knochendichte erreicht man im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Danach verliert das Skelett auch schon an Stabilität – bei Frauen wird das durch die Menopause und dabei fehlende Hormone zusätzlich verstärkt.


2. Gesund ernähren

Mit der richtigen Ernährung kann man beizeiten den Problemen vorbeugen. Ausreichend pflanzliche Nahrungsmittel wie Gemüse und Obst, aber auch Vollkornprodukte helfen dabei. Sie sollten auf dem täglichen Speiseplan auf keinen Fall fehlen. Kalzium ist das Mineral, das Knochen stark macht. Nicht umsonst bekommen Neugeborene Muttermilch. „Es ist wichtig, viel Kalzium aufzunehmen, also in jedem Alter auch zu Joghurt, Milch, Käse und gerne auch Fleisch zu greifen“, empfiehlt Dr. Peterson. Damit die Knochen stärkenden Mineralien auch gut aufgenommen werden, rät der Fachmann zum sogenannten „Sonnenvitamin“, dem Vitamin D.


3. In die Sonne gehen

Macht sich die Sonne in Herbst und Winter rar, ist es nicht so einfach, genügend UV-Strahlung aufzunehmen. Dabei ist das wichtig, um die Kalziumresorption anzuregen. Die Strahlung verwandelt das Vitamin D3 in das aktive D4. Doch da man sich im Winter gerne warm anzieht, bleiben oft nur Gesicht und vielleicht auch noch die Hände als Flächen, um UV-Strahlung aufzunehmen. Natürlich ist es gut, auch dann spazieren und raus ins Freie zu gehen. Doch das genügt in der dunklen Jahreszeit häufig nicht. Und so hält es der Mediziner für legitim, sogenannte Vitamin-D-Tabletten zu schlucken. In welcher Dosierung das gut ist, das solle man am besten mit dem Hausarzt abklären.


4. Bewegung bis ins hohe Alter

„Die frohe Botschaft ist, dass der Mensch faszinierenderweise bis ins hohe Alter trainierbar ist“, erläutert Peterson. „Auch als 80-Jähriger kann ich noch etwas für den Aufbau der Muskulatur tun.“ Dabei würden sich lediglich Ausmaß und Intensität des Trainings ändern. „Für den Knochenhaushalt ist jedes Training gut, das zu mehr Muskelmasse führt.“ Natürlich sei es ideal, die Muskulatur regelmäßig zu stärken. Aber schon der Gang zum Briefkasten, jede gestiegene Treppenstufe, Gartenarbeit und auch der Weg in den Supermarkt zu Fuß oder per Rad bringen dem Körper etwas. Dr. Peterson: „Wir Menschen bleiben plastisch, sind unheimlich lernfähig und trainierbar.“ So könne man auch mit 80 Jahren und älter noch das Gehirn trainieren und Muskeln aufbauen.


5. Knochenaufbau stimulieren

Dr. Peterson: „Es ist erwiesen, dass der Mangel an Muskulatur Menschen schneller sterben lässt. Da fehlen einfach die Reserven.“ Deshalb werde den älteren Patienten empfohlen, den Aufenthalt in Ambulanz oder Klinik auch zu nutzen, um den Wert für die eigene Knochendichte ermitteln zu lassen. Falls eine Frakturversorgung vorgenommen wurde und eine Osteoporose nachgewiesen worden ist, beginnt man nach sechs Wochen mit der Therapie. Es gebe Medikamente, die den Knochenaufbau stimulieren und gleichzeitig den Abbau von Zellen verringern. „Das führt am Ende zu einer besseren Knochensubstanz“, erläutert der Fachmann. Denn wer will schon nach einem kleinen Stolperer wochenlang in die Klinik müssen, um sich auszukurieren. Ein hohes ­Alter ist letztlich auch nur dann lebens- und erstrebenswert, wenn man seine Zeit gut und sinnvoll verbringen kann. Tanzen noch mit 90, das ist ein lohnenswertes Ziel. Das findet auch der Fachmann.

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