Veröffentlicht am Freitag, 14.09.2018
Reine Spekulation, klingt aber plausibel
Kennen Sie Daniel Küblböck? Keine Sorge, Sie müssen ihn nicht kennen, denn er hat mit seinem Leben, mit seiner Arbeit und einer unbändigen Sehnsucht nach Öffentlichkeit nicht gerade die Welt verändert. Vermutlich aber haben Sie von seinem Verschwinden gehört und gelesen: Vorigen Sonntag war es, als Daniel Küblböck auf einer Kreuzfahrt mit der AIDAluna zwischen Hamburg und New York offenbar von Bord in den Tod sprang – oder abrutschte? Wir wissen es nicht genau, und wir werden es vermutlich auch nie erfahren. Selbst wenn die Regenbogenmedien seit Sonntag alle Register ziehen, um aus dem (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 07.09.2018
Gelogen, bis sich die Balken bogen
Na, fahren Sie auch noch einen Diesel? Schließlich haben uns doch Automobilindustrie und Politik bis vor drei Jahren noch kräftig davon vorgeschwärmt: weniger Kohlendioxid, weniger Verbrauch, tolle Abgasfilterung. Und für Freunde des beschwingten Fahrens: Ein Diesel besticht über all diese Vorteile hinaus auch noch mit sattem Drehmoment, das die Pferdestärken zugkräftig auf den Asphalt bringt.
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Veröffentlicht am Freitag, 31.08.2018
Hebt auf, wenn ihr Harzer seid!
Nein, wir müssen hier nicht gleich Weltpolitik betreiben und dabei den großen Klimawandel bemühen. Es gibt auch kleine Dinge, die einen mächtig ärgern können. Neulich saß ich abends in einem Straßencafé in der Goslarer Fußgängerzone, als ich es aus Richtung Karstadt knirschen und scheppern hörte. Nach und nach kam das Geräusch immer näher, robbte sich sozusagen über rund 50 Meter langsam an mich heran, bis es dann mit einem Fußtritt direkt unter meinem Stuhl landete: ein Plastikbecher.
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Veröffentlicht am Freitag, 24.08.2018
Die Hauptstadt von Absurdistan
Wo leben wir denn? Da läuft ein Pegida-Demonstrant mit Deutschland-Hütchen frontal auf eine Fernsehkamera des ZDF zu, provoziert pöbelnd, fuchtelt vor der Linse herum und schwadroniert etwas von angeblichem Straftatbestand: „Sie haben mir ins Gesicht gefilmt.“ In der Folge gelingt es dem Mann scheinbar spielerisch, eine Gruppe von sächsischen Polizisten einzubinden, die nicht etwa den wild gewordenen Demonstranten zur Ordnung rufen, sondern die Fernsehjournalisten an ihrem gesetzlich verbrieften Recht behindern, über eine öffentliche Demonstration zu berichten. Eine Dreiviertelstunde lang (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 17.08.2018
Handwerk hat goldenen Boden
Vor Jahren saß ich bei einer Urlaubsreise abends in einer Kneipe in Los Angeles und kam mit einem Österreicher ins Gespräch. Nach eigenem Bekunden hatte er eine bewegte Vergangenheit. Aufgewachsen in Wien, schlug er sich später nach Norddeutschland durch, wo er etliche Jahre auf St. Pauli als Türsteher arbeitete. Dann zog es ihn aus diversen Gründen, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, über den großen Teich ins Land der – damals noch – schier unbegrenzten Möglichkeiten. Und das bescherte dem Migranten aus Europa offenbar ungeahnten Erfolg.
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Veröffentlicht am Freitag, 10.08.2018
Etwas mehr Zuversicht in die Schultüte
Manchmal fühle ich mich in diesen Zeiten wie bei den Bürgern im alten Rom. Des Wohlstands und der Freiheiten sind viele offenbar überdrüssig geworden. Oder handfester ausgedrückt: Wenn’s dem Esel zu bunt wird, geht er aufs Eis. Und das kann extrem brüchig sein, wie die Geschichte des antiken Rom gezeigt hat.
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Veröffentlicht am Freitag, 13.07.2018
Was sich Internet-Multis leisten können
Fußball-WM, Seehofer gegen Merkel, Donald Trump als verwirrter Elefant im Porzellanladen der Nato – für die Nerven deutscher Nachrichtenkonsumenten boten die vergangenen Tage wahrlich ein Wechselbad. In den Hintergrund geriet dabei vielfach das Ringen um die Reform des EU-Urheberrechts, in dem ein sogenanntes Leistungsschutzrecht neu verankert werden soll. Ein Thema in ureigener Sache von Journalisten und Verlagen. Deren Argument: Facebook, Google und Konsorten sollen künftig einen Obolus dafür zahlen, wenn sie etwa die Schlagzeilen von Zeitungen und Zeitschriften nutzen. Denn letztlich (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 06.07.2018
Politische Grenzen aufgezeigt
Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet – wenn dieses Gedankenspiel zutrifft, dann auf die zirkusreife politische Vorstellung von Horst Seehofer. Der bayerische CSU-Parteichef und deutsche Innenminister hat sich dieser Tage im Gestrüpp zwischen bayerischer Landtagswahl, weltweiten Flüchtlingsströmen und AfD-Populismus dermaßen verheddert, dass er offenbar nicht mal mehr bemerkte oder wahrhaben wollte, wie er eigenen Parteifreunden in München als Bauernopfer diente.
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Veröffentlicht am Freitag, 22.06.2018
Politischer Brief nach München
Im Fußball mag Bayern ja beherrschend sein in Deutschland, auch wenn dies die Fans in Braunschweig, Hannover, Wolfsburg oder Dortmund sicherlich lieber anders sehen würden. In der Politik aber ist der lange Arm aus München an die Regierungsspitze in Berlin inzwischen unerträglich. Über Inhalte in der Asyl-Debatte dürfen sich die Konfliktpartner zwischen CDU und CSU gerne trefflich streiten – aber, bitte schön, in angemessener Tonlage und ohne Ultimatum, das die Regierung und die Gesellschaft spaltet. Getrieben vom Landtagswahlkampf und seinem Parteifreundfeind Markus Söder meint der (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 15.06.2018
SPD: Die Analyse einer Analyse
Nein, eine öffentliche Stellungnahme wollte der bekannteste Genosse aus der Kaiserstadt nicht abgeben. Unsere GZ-Anfrage bei Sigmar Gabriel zu Wochenbeginn, wie er die SPD-Analyse und seine gepfefferte Abreibung darin beurteile, blieb unbeantwortet: kein Kommentar dazu. Duckt er sich gerade jetzt weg, obwohl er doch sonst nicht auf den Mund gefallen ist? Wieder so ein taktisches Manöver eines unberechenbaren politischen Solotänzers? Vielleicht ist es auch schlicht Ausdruck neuer politischer Beherrschtheit, die dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden von internen wie externen Kritikern so oft (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 08.06.2018
Nehmen wir es mal rein sportlich
Der Countdown läuft, nur noch eine Woche, bis die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf ihre Mission geht, den WM-Titel zu verteidigen und sich den fünften Stern an die Brust zu heften. Doch so unbeschwert und fröhlich, wie Fans beim „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland das Kickerspektakel feierten oder sich 2014 in Brasilien nach und nach in eine feurige Samba hineintanzten, kann der grüne Rasen in Russland kaum locken.
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Veröffentlicht am Freitag, 25.05.2018
Das Datum für den Datenschutz
Mein Vorschlag für das „Wort des Jahres“ steht fest: Datenschutzgrundverordnung. Alternativ auch für die Kategorie „Unwort des Jahres“. Zwar knistert die DSGVO als Vorgabe für 28 Länder der Europäischen Union schon seit zwei Jahren im Gebälk der Unternehmen, aber wie so oft ist ein solches regulatorisches Werk erst kurz vor Toresschluss so richtig ins Rampenlicht gerückt. Und genau gestern sind die neuen Datenschutzregeln nunmehr in Kraft getreten.
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Veröffentlicht am Freitag, 18.05.2018
Foulspiel auf dem politischen Rasen
Gib mich die Kirsche!“, rief Lothar „Emma“ Emmerich gerne mal, wenn er von einem Mitspieler den Ball forderte. Nun, auf dessen sprachliche Talente musste wohl kein Trainer des ehemaligen Dortmunder Spitzenspielers und Vize-Weltmeisters von 1966 setzen. Berühmt, anerkannt und effizient war hingegen Emmas „linke Klebe“, mit der er das Leder auch aus spitzesten Winkeln ins Tor zu bugsieren vermochte. Außerdem war Emmerich zumindest mal ein Typ, was sich von der heutigen Generation der Fußballstars nur allzu selten sagen lässt. Abseits des Fußballrummels erweisen sich die meisten eher als (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 11.05.2018
Das Jubiläum des World Wide Web
Jubiläen sind zum Feiern da. Doch just eines, das im Nachhinein fast die ganze Welt auf den Kopf gestellt hat, ging in der Flut aus Daten und Nachrichten in den vergangenen Tagen fast unter: Am 30. April 1993, also vor 25 Jahren, feierte das Internet seine öffentliche Geburtsstunde weltweit. Der britische Physiker Tim Berners-Lee und Kollegen schalteten damals das World Wide Web über Datenleitungen und Netzadressen frei – für alle zugänglich. Übrigens nicht im kalifornischen Silicon Valley, nicht mal in den USA, sondern am internationalen Kernforschungszentrum CERN in der kleinen Schweiz (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 04.05.2018
WM-Fieber und politische Spielanalyse
Ja, ich freue mich riesig auf die Fußball-WM – auf die Spiele zumindest. Zumal das sportliche Großereignis des Jahres auch bei vielen Menschen Begeisterung entfacht, die die Sportschau sonst höchst selten auf dem Schirm haben. Nur noch 40 Tage sind es bis zum Anpfiff, wenn am 14. Juni Gastgeber Russland auf Saudi-Arabien trifft. Zugegeben, kein Reißer, denn zum Leidwesen des Herrschers Wladimir Putin gilt „seine“ Elf nicht gerade als Titelaspirant. Aber schon drei Tage drauf, am 17. Juni, kickt das deutsche Team im Auftaktspiel gegen Mexiko, und diese Partie können wir alle vor prächtiger (...)
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Veröffentlicht am Freitag, 27.04.2018
Die Quittung mit Zins und Zinseszins
Wenn Banken oder Sparkassen in der Region Geschäftsstellen schließen, ist das für Kunden in den Orten bitter, keine Frage. So sind in diesen Tagen die verbalen Klimmzüge der Volksbank Seesen wahrlich nur ein schwacher Trost: Zwischen Salzgitter und Einbeck sollen zehn kleine Filialen oder Selbstbedienungsstellen mit Automaten wegfallen. Die Kunden rund um Goslar können zunächst aufatmen, denn die Volksbank-Filialen in Lutter und Langelsheim sind nicht betroffen.
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Veröffentlicht am Freitag, 20.04.2018
Wie der Rechtsstaat vor die Hunde geht
Da falle ich mal gleich mit der Tür ins Haus: Sind wir noch zu retten? Stehen Tiere in Gesellschaft und Rechtsordnung inzwischen über den Menschen?
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Veröffentlicht am Freitag, 13.04.2018
Amokläufe gegen demokratische Werte
Da genießen Menschen das erste Frühlingswochenende in der Stadt, plötzlich rast ein Campingbus auf sie zu, bringt Zerstörung und Tod. Die Amokfahrt des 48-jährigen Jens Rüther mitten in Münster am vorigen Samstag lässt uns fassungslos zurück — voller Trauer, Verzweiflung und Mitgefühl, aber gleichermaßen wütend. Wie kann ein Mensch so unmenschlich handeln? Und wenn es im westfälischen Münster möglich ist, dann lässt sich eine solche Gefahr auch in Goslar, Braunlage, Clausthal-Zellerfeld oder Bad Harzburg nicht völlig ausschließen. Ängste gehen um, beeinflussen plötzlich unser Denken, (...)
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