Freitag, 12.06.2020

Abschiedsbrief an den Harz: Stürmische Liebe

Leserbrief
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Er habe selten jemanden erlebt, der sich so schnell in den Harz verliebt habe, sagte mir ein Kollege letztens. Was soll ich sagen: Ich bin auch verblüfft. Und auch wieder nicht. Insgesamt haben wir uns schließlich ausgiebig kennengelernt, der Harz und ich – vier Monate lang.

Unsere gemeinsame Zeit begann stürmisch: auf Sabine folgte Victoria – kaum war eine Dame vorbeigerauscht, wirbelte schon die nächste heran. Vor allem Sabine hat mir eine aufregende Nacht beschert. Merke: eine Unterkunft direkt neben der Lochtumer Feuerwehr ist nicht in jedem Tief die beste Wahl.

Viele neue Erfahrungen

Dafür konnten wir recht bald gemeinsam lachen. Und nicht nur das, zu einer prunkvollen Sitzung holte der Harz sogar ein Stück Heimat nach Goslar: „Du redest auf einmal viel mehr Kölsch als sonst!“ Wat soll ich saje: Mer muss och jünne könne. Manchmol och ens sich selvs. (Nur das mit dem Helau, das müssen wir noch üben.)

Vertieft hat sich die Beziehung allerdings nicht durch gemeinsames Schwelgen in Nostalgie, sondern durch das Schaffen neuer Erfahrungen: der erste geschriebene Artikel - der erste Abdruck, das erste Mal (Telefon)interview, der erste Ausschuss, die erste Ratssitzung, das erste Eishockeyspiel, die erste Jahreshauptversammlung, die erste Pressekonferenz und sogar das erste Video – vor der Kamera.

Tolles Team

Und schließlich auch: die erste Pandemie. Da zeigten sich noch einmal ganz andere Qualitäten: Zu bieten hatte er auch im Shutdown immer etwas, der Harz. Täler, Talsperren und Teiche um in Bewegung zu bleiben. Tinte und Texte, um stets beschäftigt zu sein.

Und das Wichtigste: ein tolles Team. Das vor allem anderen der Grund war, aus dem ich mich so schnell verliebt habe, in den Harz und in Goslar. So sehr, dass ich mich eigentlich nicht trennen möchte.

"Auf Wiedersehen" statt "Tschüss"

Danke für einen Rundumeinblick, für jeden Tipp genau wie für euer offenes Ohr und die Hilfe, falls es mal nicht so geklappt hat wie geplant. (Und danke für jeden Weckanruf – sicherheitshalber.)

Das Praktikum (und die Verlängerung) haben mich nicht nur in meinem Berufswunsch bestärkt, ich habe auch einen Ort gefunden, an dem ich mich ein bisschen zu Hause gefühlt habe.

Deshalb sage ich nicht „Tschüss“, sondern „Auf Wiedersehen“. Auf ein Freitagsgetränk, ein Stück Kuchen und einen ordentlichen Abschied.

Von Holly Hildebrand









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