Dienstag, 20.10.2020

Sigmar Gabriel fühlt sich der Politik fern

Leserbrief
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Berlin. Fast ein Jahr nach seinem Rückzug aus der Bundespolitik hat Sigmar Gabriel mit seinem Politikerleben und seiner Partei nach eigener Darstellung abgeschlossen. «Ich hätte das nicht für möglich gehalten, dass die Politik insgesamt, aber speziell das, was die SPD tut oder lässt, für mich mal so fern ist», sagte der frühere SPD-Vorsitzende im Podcast «Woran glaubst Du?» der Journalisten Heribert Prantl und Kerstin Humberg.

Traurig und wehmütig

Er sagte aber auch, es könne einen «schon wehmütig und auch traurig machen, wie diese Partei mit sich selbst umgeht und welche offensichtlichen Fehler sie macht». Auf die Frage, was er der SPD in seiner heutigen Funktion als Unternehmensberater empfehlen würde, antwortete der 61-Jährige: «Ich würde ihr raten, den Versuch zu unternehmen, für das Land eine Idee für in zehn Jahren zu entwerfen.» Gefragt, welche drei Dinge ihn auf die Palme bringen, sagte Gabriel knapp: «S P D»

Ohne Entzugserscheinungen 

Entzugserscheinungen nach dem Ende seiner rund 40-jährigen Zeit als Politiker habe er nicht, sagte der im niedersächsischen Goslar lebende Gabriel. Das liege wahrscheinlich daran, dass er - neben einer erwachsenen Tochter - zwei kleine Kinder habe.

Der gebürtige Goslarer Gabriel war von 2009 bis 2017 Bundesvorsitzender der SPD und bis 2018 Vizekanzler. Er war Bundesumwelt-, Wirtschafts- und Außenminister gewesen, davor unter anderem Ministerpräsident von Niedersachsen. Im November 2019 schied er als Abgeordneter aus dem Bundestag aus. Auf die Frage, in welcher Rolle er die beste Figur gemacht habe, sagte er scherzend: als Außenminister (2017-2018), weil er da schon 20 Kilo weniger gewogen habe.

Lob für Kanzlerin

Gabriel fand in dem Podcast viel Lob für Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Er möge an ihr, «dass sie ihr Amt nicht wie 'ne Monstranz vor sich herträgt, dass sie jemand ist, der sehr genau abwägt, bevor sie entscheidet, dass man sich auf ihre Entscheidungen verlassen kann». Merkel habe nicht viele politische Fehler, einen aber schon: «Bei Personalentscheidungen wartet sie zu lange. Und dann liegt sie oft daneben.»

Verlass auf Hannelore Kraft

Sich aufeinander verlassen und sich vertrauen zu können sei entscheidend für eine gute Zusammenarbeit in der Politik, so Gabriel. «In der SPD konnte ich mich genau auf eine Frau verlassen im Vorstand, und die hieß Hannelore Kraft», sagte er mit Blick auf die frühere Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. dpa









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