Freitag, 29.05.2020

Setzt die Segel: Kurs auf Abenteuer

Leserbrief

Unterricht auf hoher See gefällig? Die Crew des Ocean Colleges macht es möglich: Ein halbes Jahr unterrichtet sie32 Schüler auf einem traditionellen Reiseschiff – und überlässt ihnen dabei auch mal selbst das Ruder. Joana Peinemann gehört zu denen, die das Abenteuer im vergangenen Jahr wagten. Im Interview mit der Jungen Szene erzählt die 16-jährige Schülerin aus Clausthal-Zellerfeld von seinen Reiseerlebnissen.

Schule mal anders

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, hieß es für die Truppe des Ocean Colleges 19/20. „Jeden Tag mussten wir ‚Watch auf der Bridge halten‘“, erklärt Joana. Dazu gehörte: „Den Kurs des Schiffs anhand der Sternenbilder zu berechnen, selbst zu steuern und Ausschau zu halten.“ Wer glaubt, die Schüler durften nur grob Assistenz leisten, irrt sich. „Wir lernten das alles nach und nach. Beim ‚Handover‘ durften wir das Schiff dann für eine Woche ohne Hilfe der Crew übernehmen“, berichtet sie stolz. Da ihre Schicht meist von 4 bis 8 Uhr ging, konnte sie fast täglich die Sonne über dem Horizont des Atlantiks aufsteigen sehen. Die 16-Jährige ist sich sicher: „Das werde ich nie vergessen.“

Bei all dem Segeln muss aber auch fleißig für die Schule geackert werden. „Täglich von 8 bis 12 Uhr hatten wir Unterricht. Dann bekamen wir für den Rest des Tages Hausaufgaben auf.“ Nachdem die (mal mehr, mal weniger) erledigt waren, verbrachten die Schüler ihre Freizeit, wie es Jugendliche nun mal so tun: Sie hörten Musik, schauten Filme, hangen gemeinsam ab. Da durften selbstverständlich auch Partys nicht fehlen, die sie eigenständig organisierten.

Privatsphäre? Gibt’s auf dem Schiff nicht. Joana gewöhnte sich aber schnell an die Umstände. Sie sagt: „Ich dachte auch erst, dass es anstrengender wäre. Aber wir sind alle schnell zusammen gewachsen und haben irgendwann sogar freiwillig zu dritt im Bett geschlafen.“

Ganz nah dran

Ob Natur oder Kultur – dasOcean College war immer ganz nah dran. „Einmal, als wir im Atlantik geschwommen sind, kamen Delfine zu uns. Es war so schön“, berichtet Joana mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. „Die Reise war an vielen Stellen wirklich wie im Paradies! Auf der Reise mit dem Ocean College erlebt man die Schönheit der Welt von einer ganz anderen Perspektive. Es ist ganz anders, als im Urlaub im Hotel zu hocken“, erzählt sie begeistert.

Anderen Kulturen näherten sich die Schüler bei Landgängen. In Costa Rica verbrachten sie beispielsweise vier Tage auf einer Farm inmitten des Regenwaldes. „Man ist aufgestanden, hat die Affen um sich herum gehört und konnte sich direkt eine Kokosnuss vom Baum pflücken. Wir haben sogar Schwitzhütten zusammen mit den Ureinwohnern gebaut“, berichtet Joana. „Durch den Kontakt mit ärmeren Völkern habe ich gelernt, das, was ich habe, mehr wertzuschätzen.“ Vor allem habe sie das durch ihre Erfahrungen auf Kuba gelernt. „Es ist total schön dort, aber schwer zu sehen, in was für armen Verhältnissen die Leute leben. Ein Arbeiter auf einer Tabakfarm verdient dort umgerechnet rund 40 Euro im Monat“, erzählt sie nachdenklich. Auch die Geschlechterverhältnisse sähen im kommunistischen Kuba ganz anders aus als zu Hause: „Wenn ich tagsüber auf die Straße ging, wurde mir hinterher gepfiffen.“ Das war für die 16-Jährige eine sehr unangenehme Situation.

Wie sich Corona zur weltweiten Pandemie entwickelte, konnten die Schüler nicht mitverfolgen. „Auf hoher See haben wir ja überhaupt nichts mitbekommen“, sagt Joana. „Als wir plötzlich erfahren haben, dass in Deutschland so viele Menschen an Corona gestorben sind, war das ein totaler Schock für uns.“ Auch, wenn die Schüler meistens weit vom Festland entfernt waren, beeinflusste die Pandemie ihre Reise dennoch: Sie musste um zwei Tage verkürzt werden. Trotz Corona stehen alle noch miteinander in Kontakt.

Erneut mit der Truppe in See zu stechen – das ist ihr Traum. Selbst, wenn das nicht klappt, hat sie schon die ersten Erfahrungen für eine eigenständige Reise um den Globus gesammelt.









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